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Summend durch die Stadt

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Dies ist eines von drei Fahrzeugen, die bis zum Sommer in Darmstadt unterwegs sind.
Dies ist eines von drei Fahrzeugen, die bis zum Sommer in Darmstadt unterwegs sind. © Claus Völker

"Green Move": Im Rahmen eines bundesweiten Forschungsprojekts testet Heag Mobilo derzeit den Einsatz von Hybrid-Bussen. Weniger Energieverbrauch, Schadstoffausstoß und Lärm ist das Ziel. Ob es sich umsetzen lässt, muss der Test erst zeigen.

Zunächst brummt der Dieselmotor wie gewohnt. Dann schaltet der Fahrer das Aggregat ab und der Bus gleitet fast lautlos aus dem Betriebshof von Heag-Mobilo auf die Nieder-Ramstädter Straße in Darmstadt. Jetzt bleibt nur noch ein hohes Summen von den Energiespeichern auf dem Dach und das irritierende Gefühl, man fährt zwar Bus, aber mit der Akustik einer Straßen- oder U-Bahn. Dann schaltet sich der Dieselmotor wieder ein und schon dominiert wieder der gewöhnliche Bus-Eindruck.

Brummen, summen, brummen, summen, so fährt der Bus am Donnerstagnachmittag bis zur Haltestelle am Schloss. Dort werden die Super-Caps, so heißen die Energiespeichermodule, noch mal richtig aufgeladen, damit es lautlos über den Luisenplatz gehen kann. Mehr als 600 Meter weit reicht der Strom aus den Speichereinheiten nicht. Brummend und summend führt die Fahrt zurück ans Böllenfalltor. Hier endet die Vorführung des ersten Hybridbusses Darmstadts, der mit zwei baugleichen Brüdern bis zum Sommer die Linie L zwischen Ostbahnhof, Luisenplatz und Heinheimer Straße zum Forschungsprojekt macht.

Denn Darmstadt gehört zur Modellregion Elektromobilität Rhein-Main, einer von acht Regionen in Deutschland. Dort werden unterschiedliche Formen von Elektromobilität gefördert und erforscht.

In Darmstadt sind es die Busse mit dem seriellen Hybridantrieb, also zwei hintereinander geschalteten Aggregaten: Der Dieselmotor treibt einen Generator an, der so erzeugte Strom fließt in die Speichereinheit auf dem Dach und von dort über ein elektronisches System in den Radnabenantrieb der Hinterräder. Fährt der Bus, leert sich der Speicher, das Dieselaggregat schaltet sich zu. Bremst der Bus, fließt die so erzeugte Energie in den Speicher. Sinnvoll ist der Einsatz also auf Strecken, auf denen oft und lange gebremst wird – zum Beispiel im innerstädtischen Verkehr in Darmstadt.

Ziel ist zum einen generell weniger Verbrauch fossiler Energie – Antriebshersteller Vossloh Kiepe spricht von 10 bis 30 Prozent, je nach Beschaffenheit der Strecke. Dazu die Verminderung von Schadstoffausstoß und Lärm, sagt Heag-Mobilo-Betriebsleiter Karl-Heinz Holub. Idealerweise lernt das System die Strecke so kennen, dass es selbst weiß, wann zu- und wann abgeschaltet werden muss.

Ob diese Ziele überhaupt erreicht werden können und wenn ja, mit welchen Erfordernissen oder notwendigen Verbesserungen und letztendlichen Kosten, muss jetzt die Testphase zeigen. Klar sei, sagt Holub, „wenn die Wirtschaftlichkeit nicht nachgewiesen wird, stirbt der Hybridbus.“

1,7 Millionen Euro kostet das Forschungsprojekt, der niederländische Bushersteller VDL hat drei seiner Leichtbaubusse dafür umrüsten lassen. Die Technische Universität Darmstadt ist an dem Projekt ebenso beteiligt wie die Hochschule Frankfurt, die es sozialwissenschaftlich begleitet. Im Mai beginnen die Befragungen von den eigens für die Hybridtechnik geschulten Fahrern und den Fahrgästen, kündigt Holub an.

Dirk Inger vom Bundesverkehrsministerium bezeichnet das Heag-Mobilo-Projekt, das auf den Namen „Green Move“ hört, als „Testlabor für Deutschland“. Die Darmstädter Ergebnisse würden von den Modellregionen mit Spannung erwartet. (rwb)

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