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Südhessen: Weiterer Verdachtsfall von Polizeigewalt

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Von: Jens Joachim

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Die Behördenleitung im Polizeipräsidium in Darmstadt erfuhr erst mit mehrtägiger Verzögerung über den mutmaßlichen Übergriff eines Polizeibeamten in Bensheim.
Die Behördenleitung im Polizeipräsidium in Darmstadt erfuhr erst mit mehrtägiger Verzögerung über den mutmaßlichen Übergriff eines Polizeibeamten in Bensheim. © Michael Schick

Ein Polizist soll bei einem Einsatz auf dem Gelände einer Klinik in Bensheim einem renitenten und alkoholisierten Mann in die Genitalien getreten haben.

Im Herbst vorigen Jahres prügelte ein Polizist in Kelsterbach brutal mit einem Schlagstock auf einen wehrlosen Apotheker ein. Am vergangenen Mittwochvormittag ohrfeigte in Darmstadt ein Polizist in der Notaufnahme einer Klinik einen offenbar psychisch kranken Mann. Und am Freitagnachmittag hat die Führung des Darmstädter Polizeipräsidiums über einen weiteren Verdachtsfall von Polizeigewalt berichtet, der sich schon vor zwei Wochen in Bensheim im Kreis Bergstraße zugetragen haben soll.

Laut Polizeisprecherin Andrea Löb soll in der Nacht zum 19. August ein Polizeibeamter einem 29-jährigen Mann im Eingangsbereich einer Klinik in Bensheim in die Genitalien getreten haben. Erst mit einer zeitlichen Verzögerung habe die Leitung des Polizeipräsidiums Südhessen von dem möglichen Fall von Körperverletzung im Amt erfahren.

Polizeigewalt auf Klinikgelände in Bensheim: Tritt in die Genitalien

Der 29-Jährige habe in der Nacht zum Freitag, 19. August „aufgrund seines auffälligen Verhaltens insgesamt drei Polizeieinsätze“ ausgelöst. Bei einem dieser Einsätze habe sich der Mann „extrem renitent“ gezeigt und sich geweigert, den Anweisungen der Polizeibeamten Folge zu leisten. Hierbei soll es zu einem Tritt eines der eingesetzten Polizeibeamten in den Genitalbereich des Mannes gekommen sein.

Im Anschluss habe der stark alkoholisierte Mann das Klinikgelände verlassen, ehe er nach etwa anderthalb Stunden und nach einer vorangegangenen Sachbeschädigung an der Glastür der Klinik vorläufig festgenommen worden sei. Ein durchgeführter Atemalkoholtest ergab einen Wert von 1,66 Promille.

Disziplinarverfahren und Anzeige wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt

Gegen den mutmaßlich übergriffigen Beamten wurde nach einer internen Prüfung Anzeige erstattet und ein Disziplinarverfahren eingeleitet.

Zudem sei der Beamte von seiner Streifentätigkeit entbunden und innerhalb der Polizeidirektion Bergstraße versetzt worden, teilte Polizeisprecherin Löb mit.

Darmstadt: Polizeivizepräsident Rudi Heimann nimmt Stellung

Polizeivizepräsident Rudi Heimann, der den im Urlaub weilenden neuen Polizeipräsidenten Björn Gutzeit vertritt, äußerte in einer Stellungnahme: „Dass ich innerhalb kürzester Zeit von einen weiteren Vorfall Kenntnis nehmen musste, macht mich betroffen. Ich bedauere, dass erneut wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt Anzeige erstattet werden musste.

Heimann zufolge haben sich die eingesetzten Beamtinnen und Beamten „durch eine unmittelbare Meldung an ihre Vorgesetzten vorbildlich verhalten“. Auch die internen Meldewege hätten zwar funktioniert, auch wenn die Meldung an die Behördenleitung „zeitverzögert“ erfolgt sei. Wie lange die Meldung nicht bis nach Darmstadt übermittelt worden sei, teilte Heimann nicht mit.

Polizeigewalt in Bensheim: „Verhalten für die Polizei in keiner Weise tolerierbar“

Das mutmaßliche Verhalten des Beamten sei für die Polizei „in keiner Weise tolerierbar“ und erfordere stets „konsequente Aufklärung und Ahndung“, äußerte der Polizeivizepräsident. Er versichere zugleich, dass im Polizeipräsidium Südhessen Fehlverhalten in keiner Weise geduldet werde.

Hierzu gehöre darüber hinaus auch, „dass solche Einsätze schnell, kritisch und umfassend nachbereitet werden, um aus den Ergebnissen einen umgehenden und nachhaltigen Sensibilisierungseffekt für alle zu erzielen“. Die internen Prozesse, insbesondere dass die Behördenleitung zeitverzögert und erst jetzt Kenntnis von dem Sachverhalt erlangt habe, würden noch aufgearbeitet, versicherte Heimann.

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