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Der Bohrturm bei Riedstadt misst 35 Meter.
Der Bohrturm bei Riedstadt misst 35 Meter. © Hans Dieter Erlenbach

Rhein-Petroleum bohrt zum dritten Mal probeweise nach Erdöl. Das Unternehmen bemüht sich aber gleichzeitig um Transparenz und beantwortet Fragen besorgter Bürger.

Mehr als 35 Meter ragt ein Stahlgerippe in den Winterhimmel. Ganz oben klettert ein Mann herum, mit einem Seil gesichert, und überprüft die Befestigungen. Am Donnerstag vergangener Woche ist Eile angesagt, denn einen Tag später sollen die Probebohrungen auf dem Bohrfeld „Schwarzbache 1“ nahe Riedstadt-Goddelau beginnen.

Schon im Vorfeld gab es Schlagzeilen, weil ein mit Baucontainern beladener Lastwagen bei der Einfahrt zu der Bohrstelle im Matsch versunken war. Wegen des anhaltend schlechten Wetters stehen die Bauarbeiter auch an diesem Tag teilweise knöcheltief im Dreck, obwohl überall Metallmatten ausgelegt sind. Doch das sind sie gewohnt.

Ölpreis als wichtiger Faktor

Das neue Bohrfeld ist die dritte Probebohrung auf Riedstädter Gemarkung. Die beiden anderen Bohrfelder sind derzeit eingeschlossen. Oben auf dem jeweiligen Bohrloch ist ein stabiler Deckel aufgesetzt. Ob dieses Jahr noch Ergiebigkeitsbohrungen gemacht werden, ist nach den Worten des Geschäftsführers von Rhein-Petroleum, Michael Suana, fraglich. In beiden Feldern habe man bisher nicht die gewünschte Menge Erdöl gefunden. Doch aufgeben will das Unternehmen nicht, wie Suana betont. Womöglich werde das ein oder andere Bohrfeld wieder zurückgebaut, Suana spricht aber auch davon, im Ried oder in anderen Regionen des Oberrheingrabens weitere Probebohrungen zu starten.

Ein wichtiger Faktor für die Wirtschaftlichkeit der Ölförderung im Ried ist der Ölpreis. Der lag einmal bei über 120 Dollar pro Barrel (159 Liter), ist nun aber auf unter 50 Dollar gesunken. „Das ist natürlich kein Grund zum Jubeln“, sagt Suana. Dennoch werde das Programm der Erkundungsbohrungen unverändert fortgeführt. Denn erfahrungsgemäß unterliege der Rohölpreis immer wieder gewissen Schwankungen. Erfahrungen zeigten, dass er nach einer Niedrigphase dann auch sehr schnell wieder Höchstwerte erreiche. „Wir verfallen jedenfalls nicht in Panik“, bekräftigt der Geschäftsführer.

Wenn die Ergiebigkeit eines Ölfeldes feststehe, werde eine Wirtschaftlichkeitsberechnung gemacht. Stimmt diese, werde Öl gefördert, ansonsten würden die Bohrlöcher zurückgebaut. Doch so weit seien die Überlegungen noch lange nicht. Suana kann sich durchaus vorstellen, das ein oder andere Bohrfeld aufzugeben, in einem anderen Feld jedoch Öl zu fördern. Denn die seismischen Messungen, die ganz am Anfang der Erkundungen standen, haben Anlass zur Hoffnung gegeben, in den sogenannten Pechelbronner Schichten in bis zu 1700 Meter Tiefe ausreichend Ölvorkommen zu finden.

Derweil bemüht sich das Unternehmen um Transparenz. Denn immer wieder tauchten Fragen in der Bevölkerung auf. Einige haben Angst, durch die Ölförderung könne es zu Verwerfungen im Untergrund und in der Folge zu Gebäudeschäden kommen. Das sei jedoch ausgeschlossen, sagt Pressesprecher Marcus Gernsbeck. Denn das Öl werde aus porösen Gesteinsschichten gefördert, die sich dann wieder mit Wasser füllten. Große Löcher im Untergrund gebe es deshalb nicht.

Auch nach Fracking fragten immer wieder mal besorgte Bürger. Davon will Rhein-Petroleum aber nichts wissen. Fracking werde keinesfalls eingesetzt. Das Erdöl habe einen natürlichen Auftrieb. Wo der nicht ausreiche, werde mit Pumpen nachgeholfen. Damit sich Bürger informieren können, wurde direkt vor dem Bohrfeld ein Informationscontainer aufgestellt. An sieben Tagen in der Woche von neun bis 17 Uhr können Interessenten sich dort anhand grafisch und informativ gestalteter Tafeln über den Werdegang der Ölförderung informieren. Der Zutritt zur eigentlichen Baustelle bleibt jedoch aus Sicherheitsgründen verwehrt. (hde)

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