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Studierende und Beschäftigte der TU demonstrieren in Darmstadt

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Von: George Grodensky, Jens Joachim

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Rund 1500 Studierende und Beschäftigte der TU Darmstadt zogen am Donnerstag protestierend durch die Darmstädter Innenstadt.
Rund 1500 Studierende und Beschäftigte der TU Darmstadt zogen am Donnerstag protestierend durch die Darmstädter Innenstadt. © Rolf Oeser

An einem Studierendenstreik und Beschäftigtenprotest der TU Darmstadt haben sich rund 1500 Demonstrierende beteiligt. Gefordert wurden 1000 Euro Soforthilfe und 30 Millionen Euro Unterstützung für die Universität.

Rund 1500 Studierende und Beschäftigte der Technischen Universität (TU) Darmstadt sind am Donnerstagmittag durch die Darmstädter Innenstadt gezogen, um für mehr Finanzmittel im Zuge der Energiekrise zu demonstrieren.

Zum Studierendenstreik, dem Beschäftigtenprotest und der Demonstration hatten der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der TU Darmstadt, mehrere Gewerkschaften und Initiativen von Studierenden und Beschäftigten unter dem Motto „TUtalausfall verhindern“ aufgerufen. Der AStA der Frankfurter Goethe-Universität erklärte sich indes mit den Studierenden in Darmstadt solidarisch.

Darmstadt: Studierendenstreik unter dem Motto „TUtalausfall verhindern!“

Bereits vor zwei Wochen hatte der AStA der TU zu einer Vollversammlung aufgerufen, zu der mehr als 500 Studierende kamen und für den Streik stimmten. Der AStA hatte daraufhin den Studierendenstreik gemeinsam mit dem Bündnis „TUtalausfall verhindern!“ organisiert, in dem neben Studierenden auch Beschäftigte und Gewerkschaften aktiv sind.

Auf dem Platz neben der Universitäts- und Landesbibliothek forderten mehrere Redner:innen von der hessischen Landesregierung eine Soforthilfe für Studierende in Höhe von 1000 Euro, eine finanzielle Unterstützung der TU in Höhe von 30 Millionen Euro, die Sicherung der Arbeitsplätze sowie eine Entfristung von Arbeitsverträgen.

TU Darmstadt: 30 Millionen Euro Mehrkosten für Energie

Skandiert wurde auch der Slogan „Hessen rück die Kohle raus, sonst gehen hier die Lichter aus!“. Eine Sprecherin der TU bestätigte auf Anfrage, dass die Universität mit Mehrkosten in Höhe von 30 Millionen Euro für die Beschaffung von Energie rechne.

Tobias Kratz, Referent für Klima und Verwaltung vom AStA der TU, berichtete, dass das Studierendenwerk in Darmstadt inzwischen 55 Euro mehr für Nebenkosten verlange und das Versorgungsunternehmen Entega die Strompreise vom Januar an auf 57 Cent die Kilowattstunde erhöhen werde, nachdem der Kilowattstundenpreis im Sommer noch bei gut der Hälfte gelegen habe.

AstA-Referent der TU: Einmalzahlung ist „Tropfen auf den heißen Stein“

Es könne nicht sein, dass nur dann über Entlastungen und Hilfen geredet werde, wenn es um die Rettung von Firmen oder Banken gehe. „Es ist Zeit endlich die zu Wort kommen zu lassen, die viel zu oft untergehen“, sagte Katz.

Die 200 Euro Einmalhilfe, die diejenigen Studierenden beantragen können, die zum 1. Dezember 2022 an einer deutschen Hochschule immatrikuliert sind, bezeichnete Katz als ein „Tropfen auf den heißen Stein“. In Wohnheimen des Studierendenwerks Darmstadt würden die 200 Euro nicht einmal ein Semester lang ausreichen, um die höheren Abschlagszahlungen zu decken. In anderen Wohnheimen reiche das Geld nicht einmal einen Monat. „Danach ist man auf sich allein gestellt“, kritisierte Katz.

Darmstadt: Auch TU-Präsidentin wirbt um finanzielle Unterstützung

TU-Präsidentin Tanja Brühl äußerte zu den Protesten, sie könne die Sorgen der Studierenden und Beschäftigten verstehen. Sie freue sich sehr, dass Studierende und Beschäftigte die Botschaft des TU-Präsidiums an die Politik aufgegriffen und verstärkt hätten, dass Wissenschaft in der Energiekrise besondere finanzielle Unterstützung benötige,

Die stark steigenden Energiepreise seien „eine sehr große Herausforderung für die TU Darmstadt“. „Als Technische Universität sind wir besonders betroffen, weil wir energieintensive Forschung und forschungsorientierte Lehre durchführen“, teilte Brühl mit.

„Brühwarm statt Brühl arm“: Auch TU-Präsident Tanja Brühl bekam von den Demonstrierenden Rückendeckung für ihre Forderung nach finanzieller Unterstützung durch den Bund und das Land Hessen.
„Brühwarm statt Brühl arm“: Auch TU-Präsident Tanja Brühl bekam von den Demonstrierenden Rückendeckung für ihre Forderung nach finanzieller Unterstützung durch den Bund und das Land Hessen. © Rolf Oeser

„TU Darmstadt kann finanzielle Belastungen nicht alleine stemmen“

Die finanziellen Belastungen könne die Universität jedoch „nicht alleine stemmen“. Ohne finanzielle Unterstützung seitens des Landes Hessen und des Bundes würden „drastische Einschnitte in allen Leistungsbereichen notwendig werden – mit Auswirkungen auf alle Mitglieder der TU Darmstadt und auf unsere Zukunftsfähigkeit“.

Die Techniche Universität plant laut Präsidentin Brühl „keine Einschränkung des Vorlesungsbetriebs oder eine Umstellung auf Online-Lehre“. Um den Energieverbrauch der Universität von Weihnachten an zwei Wochen lang zu reduzieren, werde es für die gesamte Universität eine verlängerte Winterpause vom 24. Dezember bis 8. Januar geben. In dieser Zeit bleiben die Raumtemperaturen auf zehn Grad abgesenkt.

Darmstadt: Geheizte Arbeitsplätze in der Uni- und Landesbibliothek

Damit Studierende geheizte Arbeitsplätze vorfinden, werde die Universitäts- und Landesbibliothek vom 2. Januar bis zum 8. Januar geöffnet.

Das Ministerium für Wissenschaft und Kunst teilte mit, gerade weil die Corona-Krise den Studierenden viel abverlangt habet, solle die Präsenzlehre aufrecht erhalten werden. Diese Maxime sei auch am Donnerstag während einer Hochschulleitertagung bekräftigt worden.

Hessen: Treffen von Studierendenvertretungen mit Ministerin

Die Landes-Asten-Konferenz, der Zusammenschluss der hessischen Studierendenvertretungen, hatte sich bereits am Dienstag mit Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Grüne) getroffen. Thema war die Notlage vieler Studierender, die an den Lebenshaltungskosten und anstehenden Nebenkostenabrechnungen verzweifeln.

Über allem schwebe die Sorge, die Hochschulen könnten womöglich schließen. Ein weiteres Onlinesemester wie zu Corona-Hochzeiten sei das Letzte, was die Studierenden jetzt bräuchten. Die Studierendenvertreter waren sich laut ihrem Sprecher Henning Taucher. mit Dorn einig, dass die 200-Euro-Einmalzahlung nur ein erster Schritt der Entlastung sein könne. Für den Januar plant die Landes-Asten-Konferenz Proteste an hessischen Hochschulen.

Frankfurt: AstA will sich an landesweitem Protest beteiligen

In Frankfurt gibt es dafür noch keine konkreten Pläne. Die Not ist noch nicht so groß, da die Goethe-Uni am Fernwärmenetz des Heddernheimer Müllheizkraftwerks hängt und darum nicht betroffen von den teils absurden Preissprüngen auf dem Markt.

Zudem hat die Unileitung mehrfach betont, die Hochschule auf keinen Fall wieder schließen zu wollen. Bis auf ein paar Tage über Weihnachten. Gleichwohl erklärt sich der Frankfurter AstA solidarisch mit den hessischen Univertretungen und werde sich auch an Protesten beteiligen, kündigt Vorsitzende Kyra Beninga an. 

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