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Strom vom Balkon ist in Darmstadt und Südhessen gefragt

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Von: Annette Schlegl

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MIt Balkonkraftwerken kann jeder Solarstrom produzieren und über die Außensteckdose in den heimischen Stromkreislauf einspeisen.
MIt Balkonkraftwerken kann jeder Solarstrom produzieren und über die Außensteckdose in den heimischen Stromkreislauf einspeisen. © Jens Joachim

Solarmodule bis 600 Watt Leistung, die auf der Terrasse, der Garage oder dem Balkon montiert werden können, werden in Darmstadt und Südhessen immer beliebter.

In der Gemeinde Münster sollen Photovoltaikmodule an die Balkone kommen. Der Energietisch Münster sucht aktuell Interessenten für eine entsprechende Sammelbestellung – und ist damit einer der regionalen Partner der Roßdorfer Energie-Gemeinschaft (REG). Der gemeinnützige Verein hat den Deutschen Solarpreis 2022 gewonnen, weil er Kooperationen für Steckermodul-Geräte – also Balkonkraftwerke - ins Leben gerufen hat. Auch in Darmstadt verzeichnet der Energieanbieter Entega ein steigendes Interesse an solchen Balkon-Solarmodulen.

Das Modell der REG ist äußerst erfolgreich: Bis dato hat sie in 45 Gemeinden fast 6000 Photovoltaik-Module für Balkone vermittelt. Die Sammelbestellungs-Idee der Roßdorfer Initiative bietet nicht nur einen Kostenvorteil. Sondern ehrenamtliche Berater:innen begutachten auch jede geplante Einsatzstelle und stellen sicher, dass der Aufbau der Solarmodule sturmsicher erfolgt.

Deutscher Solarpreis als Lohn für Engagement der Roßdorfer Energie-Gemeinschaft

Die erste Sammelbestellung hatte die Energie-Gemeinschaft bereits im August 2018 organisiert. Mittlerweile hat sich die Aktion enorm ausgeweitet: 30 Vereine und Initiativen arbeiten als Kooperationspartner in 45 Kommunen zwischen 4000 und 160 000 Einwohnern in den Kreisen Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau, Bergstraße, Aschaffenburg und im Odenwaldkreis zusammen.

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Die Europäische Vereinigung für Erneuerbare Energien und die Landesgesellschaft NRW.Energy4Climate sahen die Idee der REG als herausragend an und honorierten sie beim Deutschen Solarpreis in Oberhausen mit dem Sieg in der Kategorie „Lokale oder regionale Vereine/Gemeinschaften“.

Ukraine-Krieg stoppte die Solaraktivitäten des Energieanbieters Entega aus Darmstadt

In Darmstadt gibt es bisher nur vereinzelt solche Solarmodule an Hausbalkonen. Die Entega stieg Anfang des Jahres in den Vertrieb der Mini-Photovoltaik-Anlagen ein, musste ihre Aktivitäten dann aber wegen Lieferschwierigkeiten einstellen. 2023 sollen sie nun wieder angeboten werden. Das Interesse ist nämlich groß: Mehr als 1000 Kund:innen stehen auf der Warteliste.

Balkonkraftwerke und Beratung

Ein Balkonkraftwerk darf in Deutschland maximal 600 Watt liefern. Diese Grenze gilt pro Wohnung und Zähler.

Die steckerfertige Anlage besteht aus einem oder zwei Solarmodulen und einem Wechselrichter, der den Gleichstrom zu Wechselstrom umwandelt.

Unter Idealbedingungen kann ein 600-Watt-Balkonkraftwerk 600 Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugen. Standby-Geräte oder Grundlastverbraucher wie Kühlschränke können damit betrieben werden. Eine Einspeisevergütung gibt es nicht.

Der Stromnetzbetreiber muss zwingend über das Balkonkraftwerk informiert werden. Gegebenenfalls baut er kostenlos einen Stromzähler ein, der nicht rückwärts läuft. Vereinfachte Anmeldeformulare finden sich auf den Webseiten der Stromanbieter.

Solarberatung gibt es bei der kostenlosen Solarparty, die am Freitag, 9. Dezember, von 17 bis 19.30 Uhr im Justus-Liebig-Haus in Darmstadt stattfindet. Anmeldung ist erforderlich unter https://ztix.de/hp/events/14339/info

Auch die Verbraucherzentrale bietet im Dezember Online-Vorträge zu Photovoltaik an. Infos dazu auf der Website verbraucherzentrale-hessen.de

Das Solarkataster Hessen (energieland.hessen.de/solar-kataster) bietet einen direkten Blick auf die Solarenergie-Potenziale von Dach- und Freiflächen. ann

Entega habe erst einmal die Nachfrage testen wollen, sagt Fachabteilungsleiter Söhnke Seehaus. Deshalb wurde der Kauf eines Balkonmoduls nur auf der eigenen Website beworben. Dennoch wurden bis zum Beginn des Ukraine-Krieges 50 Anlagen verkauft. „Im März brachen aber die Lieferketten für Wechselrichter und Module zusammen“, sagt Seehaus.

Verschiedene Solarmodul-Lösungen bei Entega erhältlich

Der Energieanbieter offeriert verschiedene Lösungen: ebenerdig aufgeständerte Module für Terrassen oder Garagen, die nur mit Pflastersteinen beschwert werden müssen, Module für Balkone bis vier Meter Höhe, sowie Module für höhere Balkone. Die Kosten liegen zwischen 495 Euro für ein 300-Watt-Terrassen-Modul bis hin zu 1115 Euro für ein 600-Watt-Kraftwerk inklusive Befestigungsset für Standardbalkone.

Bisher hat Entega vor allem rund 20 Kilogramm schwere Terrassenmodule aus Glas verkauft. Balkonmodule bestehen dagegen aus Plastik und wiegen nur acht Kilogramm. Trotzdem sei es deutlich komplizierter, die passende Lösung für die Balkonanbringung zu finden. „Wir haben die Kunden am Telefon beraten, sie hatten die Möglichkeit, Bilder von ihren Balkonen zu schicken“, so Seehaus.

Stadt Darmstadt gibt Zuschüsse für Anschaffung von Balkonkraftwerken

Entega ist nicht der einzige Anbieter von Balkon-Solarmodulen. Es verwundert also nicht, dass laut Stromnetzbetreiber E-Netz Südhessen AG in diesem Jahr bereits 350 Balkonkraftwerke in Darmstadt in Betrieb genommen wurden. Die Stadt unterstützt den Kauf seit Juli vergangenen Jahres mit einem Förderprogramm, das sowohl Aufdach- als auch Mini-Photovoltaik-Anlagen bezuschusst. Für 2022 standen im Haushalt 500 000 Euro zur Verfügung, von denen bisher rund 225 000 Euro ausgezahlt wurden. 408 Anträge wurden bewilligt – 300 davon für Balkonmodule.

Seit Juni sind übrigens nicht nur Haushalte, sondern auch kleine und mittlere Unternehmen sowie Vereine und Körperschaften anspruchsberechtigt. Die Stadt hat die Förderung von 150 auf 200 Euro für ein 300-Watt-Modul beziehungsweise 400 Euro für zwei 300-Watt-Module erhöht. Im kommenden Jahr sollen erneut 500 000 Euro Förderung zur Verfügung stehen – vorbehaltlich der Beschlussfassung der Stadtverordneten.

Balkonkraftwerke müssen beim Stromnetzbetreiber angemeldet werden

Einmal angebracht oder aufgestellt, wird nur der Stecker des Balkonkraftwerks in die Steckdose gesteckt. Viele ignorieren dann die erforderliche Anmeldung beim Stromnetzbetreiber. „Nur etwa jedes dritte Balkonkraftwerk in unserem Netzgebiet wird angemeldet“, sagt Thorsten Jung von E-Netz Südhessen. Dabei sei sein Unternehmen quasi der verlängerte Arm des Gesetzgebers. Balkonkraftwerke hätten zwar nur eine geringe Leistung, doch um die Netze sicher und effizient steuern zu können, sei die Anmeldung notwendig.

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