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Stress in der Grafenstraße

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An Gegenverkehr in der Grafenstraße müssen sich viele Autofahrer erst noch gewöhnen.
An Gegenverkehr in der Grafenstraße müssen sich viele Autofahrer erst noch gewöhnen. © Claus Völker

Die neue Verkehrsführung in der südlichen Grafenstraße verwirrt viele Autofahrer. Die ansässigen Geschäftsleute beklagen eine fehlende Information durch die Stadt.

In der südlichen Grafenstraße wird eine neue Verkehrsführung erprobt: Zwischen Rheinstraße und Parkhausausfahrt können Autos wieder in beiden Richtungen fahren. Manche Fahrer sind verwirrt, ansässige Geschäftsleute vermissen Informationen.

Eigentlich ist alles fast so wie immer: das gewohnte Durcheinander, gern auch als Chaos bezeichnet, auf Darmstadts Warnblinker-Boulevard, der südlichen Grafenstraße. Da wird gerade ein Laster entladen, von der abgesenkten Hebebühne zieht der Fahrer den Hubwagen mit diversen Kartons zu einem Geschäft. Dort steht der Müllwagen schräg auf einem Parkplatz, die Männer rollen Tonnen hin und her, Autos und Radfahrer drängen sich vorbei, Fußgänger suchen die Lücke. Im absoluten Halteverbot stehen aktuell vier Pkw. Wie es eben so zugeht in der letzten Straße vor der Fußgängerzone.

Wut am Lenkrad

Eben kommt eine Limousine, Darmstädter Nummernschild, um die Kurve aus der Rheinstraße. Der Fahrer holt weit aus, muss aber eilig rechts einlenken, weil ihm ein Kleinwagen, auswärtiges Nummernschild, auf der Grafenstraße in Nordrichtung entgegenkommt. Der Darmstädter Fahrer, sichtlich erregt, zeigt seinem Gegenüber den Vogel, ruft etwas. Man kann ihm durch die Windschutzscheibe förmlich von den Lippen ablesen: „Du Blinder, hier ist doch Einbahnstraße!“

Aber genau das stimmt nicht mehr. Seit einigen Wochen ist die Grafenstraße, seit 2012 zwischen Rhein- und Elisabethenstraße nur in Südrichtung befahrbar, auf einem Abschnitt wieder in beiden Richtungen freigegeben: zwischen Parkhausausfahrt und Rheinstraße. Die Neuregelung war erstmals im vorigen Sommer bei einer Informationsveranstaltung von Verkehrsdezernentin Cornelia Zuschke (parteilos) präsentiert worden. Es handelte sich um einen Kompromiss zwischen der Einbahnstraßen-Regelung und der Rückkehr zum ursprünglichen Zustand: Freigabe der kompletten Straße in beiden Richtungen. Diese Position verfochten die Geschäftsleute in der „Interessengemeinschaft Sanierungsgebiet Mollerstadt“.

Seit dem Jahresende 2014 wird diese Variante nun in der Praxis erprobt. Lediglich einige Straßenschilder wurden dafür abgehängt, die Ampelanlage von der Grafen- zur Rheinstraße wieder in Betrieb genommen. Die Stadt machte nicht viel Aufhebens darum, es gab auch keine Information für die Presse.

Ergebnis: Gerade die ortskundigen Autofahrer sind auf den Wegfall der Einbahn-Regelung nicht vorbereitet. Auswärtige Innenstadt-Besucher, die aus dem Parkhaus kommend arglos nach links abbiegen und plötzlich angehupt und beschimpft werden, dürften von den Darmstädter Verkehrsgepflogenheiten recht erstaunt sein. Kompliziert wird die Situation im Kreuzungsbereich durch parkende Autos auf der westlichen Straßenseite. Dort wurde ein absolutes Halteverbot eingerichtet, das aber vielfach missachtet wird – vermutlich aus alter Gewohnheit, zumal Parkmarkierungen auf dem Asphalt noch erkennbar sind. Der verbleibende Straßenraum reicht für Begegnungsverkehr gerade so aus.

Händler wurden überrascht

„Man hört hier in letzter Zeit viel Gehupe, das ist uns aufgefallen“, berichtet Nicole Wendler, Mitarbeiterin beim Optiker Hirt in der Grafenstraße. „Hier ist oft ein ganz schönes Durcheinander.“ Die Geschäftsleute seien über die Änderung der Verkehrsregelung nicht informiert worden.

„Schlechte Stimmung und viel Gemecker“ auf der Straße vor ihrem Schaufenster hat auch Annett Jeronimus wahrgenommen, die im Elektrogeschäft Trendstudio arbeitet. Die Verkehrsregelung sei „ein zweischneidiges Schwert“. Freigabe der Grafenstraße in beiden Richtungen bringe zwar „mehr Frequenz“, aber ohne Parkraum nütze die wenig. Das endgültige Verkehrskonzept für die umgestaltete Grafenstraße sei derzeit „in der Vorentwurfsplanung“, erklärt der städtische Pressesprecher Daniel Klose. (bad)

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