Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Trauriger Anblick eines einstmals verwunschenen Geländes: Der Akazienpark mit Blick auf den Hessischen Rechnungshof.
+
Trauriger Anblick eines einstmals verwunschenen Geländes: Der Akazienpark mit Blick auf den Hessischen Rechnungshof.

Darmstadt

Streit um Akaziengarten in Darmstadt: Landesbetrieb droht Bürgerinitiative

  • Claudia Kabel
    VonClaudia Kabel
    schließen

Der Akazienpark in Darmstadt verfällt mangels Engagements des Landes Stück für Stück. Eine Aktionsgruppe will Abhilfe schaffen. Doch der zuständige Landesbetrieb droht mit Strafanzeige.

In Darmstadt schlägt der Protest gegen die Vernachlässigung eines 200 Jahre alten denkmalgeschützten Parks Wellen. Weil eine Aktionsgruppe, die sich „Revolutionäre Akaziengarten Front“ nennt, auf eigene Kosten und in Eigenregie kürzlich Bäume und Sträucher in einem Park pflanzte, der dem Land Hessen gehört, droht ihnen der zuständige Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) mit Strafanzeige und Betretungsverbot, wenn sie die Stecklinge nicht bis 15. Dezember entfernen.

Man gehe davon aus, dass für die Bepflanzung keine denkmalschutzrechtliche Genehmigung vorliege. Die Aktion stehe im Widerspruch zum Parkentwicklungskonzept, welches eine langfristige Wiederherstellung der historischen Parkanlage vorsehe, schreibt der LBIH.

Akaziengarten in Darmstadt war früher „ein wahrer Schatz“

Der 40 000 Quadratmeter große Akaziengarten war früher ein „traumhaftes Paradies, ein wahrer Schatz“, schildern Anwohnende. Der dichte Bestand mit Altbäumen, Strauch- und Heckenflächen lud zum Lustwandeln und Verweilen ein, 44 Vogelarten wurden gezählt, und obwohl er neben dem Hessischen Rechnungshof liegt, erfolgt seine Nutzung vor allem durch Bürger:innen, schreibt der Verein Pro Akaziengarten. Er kümmert sich seit 2005 um den Park, hervorgegangen ist er aus dem Protest gegen die Bebauung des Geländes.

Seit 2018, als sogar die Stadt ihre Pflanzen bewässert habe, beobachte man das Absterben der Bäume, schildert Axel Bernhardt, zweiter Vereinsvorsitzender. Man habe einmal den THW überredet, eine Übung zu machen, um die Pflanzen zu wässern. Denn das LBIH habe nichts unternommen. 200 Bäume seien inzwischen gefällt worden, weil sie geschädigt waren oder einen unsachgemäßen Rückschnitt nicht vertragen hätten. Auch die meisten Sträucher und Heckenstrukturen seien verschwunden.

Verein Pro Akaziengarten kritisiert Baumfällungen

„Es war frustrierend, zu sehen, wie die Bäume kaputt gehen“, sagt Bernhardt. Man habe immer versucht, mit dem Land zusammen zu arbeiten – dem Verein liegt auch der Denkmalschutz am Herzen. 2009 habe man in Absprache Fliedersträucher gepflanzt. 2016 wollte man auf eigene Kosten eine Bank aufstellen, doch das sei untersagt worden.

Inzwischen halte sich das LBIH nicht mehr an die Absprache, über Fällungen zu informieren. Erst vor wenigen Tagen seien Bäume gefallen, „die nicht unbedingt gefällt werden müssten“, heißt es auf der Vereinshomepage. Die jetzige Aktion der „Front“ beobachte man mit Wohlwollen, auch wenn der Verein nichts damit zu tun habe.

Akaziengarten: Landesbetrieb gegen geologische Untersuchung

Der Verein „Zusammen in der Postsiedlung“ stieg 2017 in die Arbeit ein, sagt Sprecher Bastian Ripper. Man vermute, dass durch den Bau eines Studierendenwohnheims unterirdische Grundwasserströme tangiert worden seien. Doch der LBIH lehne die Forderung nach einer geologischen Untersuchung seit Jahren ab, sagt Ripper.

Die Abteilung, in der der Park angesiedelt sei, habe keine Fachkompetenz. Dass man nun den Bürgern drohe, zeige, dass man sich „ertappt“ fühle. Auch bezweifelt Ripper, dass ein Parkkonzept umgesetzt werden soll. „Das ist schlichtweg gelogen.“ Ein Konzept von 2014 sei nie vorgestellt worden und in der Schublade verschwunden. Deswegen habe man eine Aktion gebraucht, „die Bewegung in die Sache bringt“.

Auch der Landesrechnungshof sorgt sich um den Akaziengarten

Auf FR-Anfrage teilte Alexander Hoffmann-Glassneck, Sprecher des LBIH, mit, das Konzept sei „nicht für die Öffentlichkeit bestimmt“. Es könne als Leitlinie für verschiedene Maßnahmen dienen, „die in den kommenden Jahren näher geplant werden sollen“. Die Umsetzung erfolge nach und nach. Zu nennen seien unter anderem der Wegebau sowie Maßnahmen zur Parkbewässerung und im letzten Schritt die Wiederherstellung von Alleen und Pflanzflächen. Zu den Vorbereitungen hätten ein umfassendes Baumkataster und Maßnahmen zur Kampfmittelräumung gehört.

Ralf Sieg, Sprecher des Landesrechnungshofs, sagte, die Behörde beobachte die Entwicklung der Grünfläche bereits seit einigen Jahren „mit Sorge“. Hier müsse nun „schnell etwas passieren“.

Die Aktionsgruppe kündigte indes an, sie werde keine Pflanzen entfernen, sondern weitere anpflanzen. Laut Ripper habe es bereits bundesweiten Zuspruch und Hilfsangebote gegeben. (mit jjo)

Kommentar: Akaziengarten in Darmstadt: Bürger zeigen wie es geht

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare