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Streit um Akaziengarten in Darmstadt: Land zahlt, statt zu pflanzen

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Von: Claudia Kabel

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Ein Drittel der Bäume im Akaziengarten wurden in den vergangenen Jahren gefällt.
Ein Drittel der Bäume im Akaziengarten wurden in den vergangenen Jahren gefällt. © ROLF OESER

Anfragen der Darmstädter Linksfraktion an Land Hessen und Stadt zeigen Missstände beim historischen Akaziengarten auf. 243 Bäume wurden gefällt, nur sechs bisher angepflanzt.

Am 1. April hatte der Darmstädter Nachbarschaftsverein Postsiedlung mit einer Pressemeldung Journalist:innen verunsichert: Der Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) greife im Streit um die Zukunft des Akaziengartens hart durch und plane die vollständige Rodung der Parkanlage. Das war zum Glück nur ein Aprilscherz.

Zu hinterfragen ist dennoch der tatsächliche Umgang mit dem Akaziengarten: Die Linksfraktion spricht von „deutlichen Missständen“. Diese habe eine Anfrage an die Stadt und an das Land Hessen offengelegt.

So wurden laut Stadt seit 2008 ein Drittel des Baumbestandes des historischen Parks gefällt – insgesamt 243 Bäume, 187 allein seit 2013. Von diesen wurde für 75 gefällte Bäume eine Ausgleichzahlung in Höhe von 16 198 Euro vom LBIH an die Stadt zugelassen. Das heißt, „die Ausgleichzahlung entbindet das LBIH von der Pflicht zur Nachpflanzung vor Ort im Akaziengarten“, teilte Maria Stockhaus, umweltpolitische Sprecherin der Linksfraktion, mit.

Stockhaus kritisiert: „Nicht alle Fällungen waren notwendig.“ Lediglich Maßnahmen der Verkehrssicherheit hätten umgesetzt werden dürfen. Damit seien 112 Fällung gemäß der Antwort der Stadt lediglich auf die reduzierte Vitalität der Bäume zurückzuführen. Sie hätten nicht gefällt werden dürfen, solange sie keine Gefahr für Personen darstellen. Die Fällungen hätten durch das städtische Umweltamt nicht genehmigt werden dürfen.

Besonders schlimm sei jedoch die Tatsache, dass sich das LBIH von der Durchführung von Ersatzpflanzungen von 84 Bäumen freikaufen konnte. Die Differenz rührt daher, dass für manch gefällten Baum mehr als ein Baum als Ersatzpflanzung von der Stadt festgelegt worden war. Nur für sechs Bäume wurden laut Stadt bisher die Nachpflanzung im Park nachgewiesen. Für Stockhaus ist klar: „Es kann gesagt werden, dass mitnichten an die Zukunft des Akaziengartens und dessen Bedeutung für die Menschen gedacht wurde.“

Der 1817 von Großherzog Ludwig I. angelegte Park verödet seit Jahren zusehends. Anwohnende, die sich in den Vereinen Pro Akaziengarten und Zusammen in der Postsiedlung engagieren, hatten in Eigenregie versucht, die Bäume auf dem mehr als drei Hektar großen Areal zu bewässern, um in den vergangenen Hitzesommern das Schlimmste zu verhindern. Sie hatten auch dem Land angeboten, sich selbst um die Pflege des einst idyllischen Orts zu kümmern. Doch das LBIH hatte abgelehnt.

Bereits 2013 wurde durch das LBIH ein Parkpflegekonzept beauftragt und erstellt. Dieses sei allerdings nicht für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen, teilte der Landesbetrieb der FR mit. Das Konzept wurde zudem in den vergangenen zehn Jahren auch nicht angewendet.

Im Dezember hatte eine neue Initiative namens Revolutionäre Akaziengarten Front auf eigene Faust Bäume nach historischem Vorbild gepflanzt. Dagegen war der LBIH vorgegangen und hatte kurz darauf in einer Pressekonferenz sein Konzept zur Zukunft des Parks vorgestellt. Dabei hieß, es sei auch vorgesehen, Versorgungsleitungen zur Bewässerung zu legen, Zisternen anzulegen sowie das Rondell des Parks und die Wege zu sanieren. Nun heißt es in der aktuellen Antwort des Landes auf die Anfrage der Links-Fraktion, dass das Konzept zur Sanierung aktualisiert werden müsse und dafür eine EU-weite Ausschreibung laufe. Die Umsetzung ist ab 2025 geplant.

Die Fertigstellung plant das hessische Finanzministerium für 2027. Ersatzpflanzungen würden bereits dieses Jahr vorgenommen werden, man suche derzeit nach „geeigneten Standorten, die den späteren Arbeiten nicht entgegenstehen“. Stockhaus dazu: „Statt immer neuer Konzepte braucht es eine akute Hilfe für den Akaziengarten.“ Außerdem ruft die Stadtverordnete dazu auf, die Menschen vor Ort, ihre Kompetenz und Engagement bei politischen und fachlichen Entscheidungen einzubinden.

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