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Streit um geschenktes Museum

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Architekt Benedikt Schulz zeigt auf das Modell des von ihm und seinem Bruder Ansgar entworfenen Darmstädter Museum Sander, das am Südhang der Mathildenhöhe entstehen soll.
Architekt Benedikt Schulz zeigt auf das Modell des von ihm und seinem Bruder Ansgar entworfenen Darmstädter Museum Sander, das am Südhang der Mathildenhöhe entstehen soll. © dpa

Immer öfter sagen Bürger Nein zu Beschlüssen von Politik und Verwaltung. Das Bahnprojekt Stuttgart 21 ist ein bekanntes Beispiel. In Darmstadt lehnen Bürger einen Museums-Neubau ab. Dabei soll er ihnen geschenkt werden.

Es war wie ein Stich ins Wespennest. Seitdem der Direktor des renommierten Instituts Mathildenhöhe, Ralf Beil, den Bau eines neuen, zu stiftenden Museums im weltweit bedeutenden Jugendstil-Ensemble ablehnte, tobt in Darmstadt ein erbitterter Streit. Auch sieben Monate später lehnen viele Bürger das „Museum Sander“ in der geplanten Form ab. Eine Lösung scheint nicht in Sicht. Manche fühlen sich an den Widerstand gegen das Bahnprojekt „Stuttgart 21“ erinnert. Zu Diskussionsveranstaltungen kommen mehrere hundert Leute. An diesem Dienstag (1.2.) ist das letzte von drei Fachforen geplant.

Der Streit entzündet sich am Aussehen des Museums und am geplanten Standort. Der Kubus - gezeigt werden soll Malerei Darmstädter Künstler des 18. bis 20. Jahrhunderts - wirke auf dem Südhang der Mathildenhöhe wie ein Klotz und verstelle die Sicht, meint die Bürgerinitiative „SOS Mathildenhöhe“, die sich von Tausenden unterstützt sieht. Statt den Neubau quasi auf der Vorderseite zu platzieren, solle er lieber hinter das große Ausstellungsgebäude auf die Rückseite, an den Osthang, wo noch genügend Platz ist.

Die Stifter Gisa und Hans-Joachim Sander sind enttäuscht - und wollen auf keinen Fall an den Osthang. „Wenn es bei dieser Forderung bleibt, haben wir ein Problem“, sagt der 59 Jahre alte Hans-Joachim Sander. Ein Bauantrag müsse allerdings in jedem Fall bis zum Frühsommer gestellt werden.

Kunst-Schenkungen können wegen Platzmangels nicht gezeigt werden

„Ich bin nicht der Geißler von Darmstadt“, sagt der von Oberbürgermeister Walter Hoffmann (SPD) zu Hilfe gerufene Vermittler Joachim Felix Leonhard in Anspielung auf die Schlichter-Rolle von Heiner Geißler in Stuttgart. „Ich werde auch keinen Schlichterspruch präsentieren“, sagt der 64-Jährige. Seine Aufgabe sei es, Ratschläge zu geben. „Was die Stadt Darmstadt und das Stifter-Ehepaar Sander dann machen, ist deren Sache“, meint der frühere Staatssekretär.

Oberbürgermeister Hoffmann will die Chance eines neuen und dazu noch geschenkten Museums „selbstverständlich nutzen“. Die Stadt besitze nämlich auch umfangreiche Kunst-Schenkungen, die aus Platzmangel aber nicht gezeigt werden könnten und im Depot lagerten. Sicherlich sei hierfür in dem Neubau noch Platz. „Die Stadt selbst hätte nicht das Geld für ein eigenes Museum.“

„Ich bin nicht ganz ohne Hoffnung, dass noch eine Lösung gefunden wird“, beschreibt Leonhard seine Einschätzung. Vielleicht könne das Museum wie vom Stifter-Ehepaar gewünscht am Südhang gebaut werden - allerdings in einer ganz anderen Form. (dpa)

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