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Streit ums gekaufte Grün

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Von: Claudia Kabel

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Umweltdezernentin Akdeniz nimmt das mobile grüne Zimmer in Empfang.
Umweltdezernentin Akdeniz nimmt das mobile grüne Zimmer in Empfang. © Stadt Darmstadt/ Umweltamt

Die Stadt Darmstadt will mit einem 68.000 Euro teuren Pflanzkonstrukt die Umweltbildung vorantreiben. Von der Opposition kommt Kritik.

Es stand schon in London, Brüssel und Zagreb, und jetzt soll es nach dem Willen der grün-schwarzen Rathauskoalition auch in Darmstadt dauerhaft eines geben: Am Dienstag wurde an der Eleonorenschule ein mobiles grünes Zimmer aufgebaut. Angeliefert hat das zehn Tonnen schwere Pflanzarrangement die Ludwigsburger Firma Helix Pflanzen, die es der Stadt zunächst für vier Wochen vermietet, wie Inhaber Hans Müller der Frankfurter Rundschau sagte. Der Produzent für Pflanzsysteme hatte den Prototyp dafür 2016 entwickelt, um die Ergebnisse eines EU-Projekts deutlich zu machen, die zeigen, was Städte gegen Klimawandel und Umweltbelastungen tun können.

Im Rhein-Main-Gebiet sei Darmstadt nach Frankfurt die zweite Kommune, die eines erwerbe, so Müller. Häufiger werde es gemietet. Eine Kaufbestellung aus Darmstadt liegt zwar noch nicht vor, aber das Parlament hatte vergangenen Donnerstag der Anschaffung für 68.000 Euro zugestimmt. Zuvor hagelte es Kritik von der Opposition: Für das Geld solle man lieber „Schulhöfe begrünen und Waldkindergärten schaffen“, sagte Werner Krone (Linke). „Wir brauchen kein Konstrukt für 68.000 Euro“, sagte Ursula Blaum (FDP). Wolfgang Schöhl (AfD) forderte, man solle Bürgern überhaupt ermöglichen, ihre Fassaden zu begrünen. Die AfD setzt sich seit Jahren für Fassadenbegrünung ein, obwohl man dafür beim Umweltamt bereits einen Sondergenehmigungsantrag stellen kann. Zudem wird in der Mollerstadt die Bepflanzung von Fassaden finanziell gefördert.

Zuspruch kam von der SPD: Die umweltpolitische Sprecherin Yasemin Aslan sagte: „Es rückt die Natur ins Blickfeld und ist nicht nur eine grüne Wand, sondern eine Maßnahme, um naturpädagogisch zu wirken.“

Das grüne Zimmer sei „eine zusätzliche Maßnahme zum 137 Punkte umfassenden Klimaschutzkonzept der Stadt“, sagte Umweltdezernentin Barbara Akdeniz (Grüne). Förderung von Fassadenbegrünung, Umweltdiplom, Schulgärten und Waldkindergarten „machen wir schon“. Doch man brauche die Information der Öffentlichkeit, damit dies auch in Anspruch genommen werde. 

Das grüne Zimmer kann laut Magistratsvorlage als Magnet für Veranstaltungen genutzt, aber auch von Schulen ausgeliehen werden. Da die Monatsmiete für das grüne Zimmer bei Helix bei 7973 Euro liege, sei der Erwerb sinnvoll. Nutzen und Effekt sollen an verschiedenen Stellen in der Stadt untersucht werden, um den Menschen die Themen Klimaänderung, Klimaanpassung und Förderung der biologischen Vielfalt näherzubringen. 

Angedacht sind vor allem Standorte, die schwer zu bepflanzen sind und sich an heißen Tagen extrem aufheizen. Bürger könnten dort sofort erleben, wie hoch der Nutzen von Grün ist. Die FDP forderte am Dienstag den Magistrat auf, seine Anstrengungen zum Schutz der Biodiversität in Darmstadt deutlich auszubauen. Man sei bei der Umsetzung des kommunalen 25-Punkte-Programms hoffnungslos im Verzug. Kreisvorsitzender Leif Blum forderte die Gründung eines Darmstädter Bündnisses für Biodiversität.

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