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Strawberry Fields Forever

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Die Erdbeere ist keine einfache Frucht, wie folgender Beruf wohl beweist: Katrin Hetebrügger arbeitet als Erdbeerberaterin. Klingt ungwöhnlich, gibt es aber wirklich. Denn Erdbeerzeit ist eigentlich das ganze Jahr.

Die Frage, die Katrin Hetebrügger am häufigsten gestellt wird, lautet: „Und was machen Sie im Winter?“ Die 36-Jährige ist Erdbeerberaterin und als solche für den Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen mit Sitz in Griesheim tätig. Wenn Katrin Hetebrügger keine Lust hat, die immer gleiche Frage zu beantworten, sagt sie einfach, sie sei Gartenbauingenieurin. Was sie von Haus aus auch ist. 2007 wurde sie zur ersten Erdbeerberaterin Südhessens: Sie berät die Mitglieder des Arbeitskreises Erdbeeranbau – und somit rund 30 Landwirte, die etwa 300 Hektar Erdbeerfelder in Südhessen bewirtschaften. Rund 35 Erdbeerberater gibt es bundesweit. Ihr Outfit eignet sich für Büro und Acker gleichermaßen. Sportlich-leger, Jeans und Pferdeschwanz, die Fleecejacke im gleichen Blau wie die Augen. Die Füße stecken in grün-roten erdbeerfeldtauglichen Crogs. „Die Erdbeerzeit dauert länger, als man denkt“, sagt die 36-Jährige. Sie hätte auch sagen können: Im Grunde hört sie nie auf. Denn während rundum die ersten Marktbuden schließen und Erdbeerfelder umgepflügt werden, geht andernorts der Verkauf noch bis zum Herbst weiter, derweil manche Felder schon wieder für die nächste Saison präpariert werden.

Angst vor der Kirschessigfliege

Dennoch gibt es im Job von Katrin Hetebrügge so etwas wie eine Hauptsaison. Das ist die Blütezeit, und die dauert von März bis Mai. Dann ist sie die meiste Zeit auf Tour, besucht die unterschiedlichen Betriebe, informiert die Landwirte über Pflanzenschutz, neue Anbau- und Bewässerungssysteme, begutachtet Schädlinge wie Spinnmilden und Läuse, nimmt Pilzbefall unter die Lupe und organisiert Sortenverkostungen. In ihrem Auto liegen immer ein Spaten und blaue Plastikstäbe, die sie für Bodenproben braucht. Neuester Schreck der Obstanbau-Branche ist die aus Asien eingeschleppte Kirschessigfliege. Wie und in welcher Form sie es auch auf Erdbeeren abgesehen hat, damit beschäftigt sich auch Hetebrügge im Rahmen eines deutschlandweiten Monitorings. Erdbeeren sind empfindliche Wesen. Sie können Sonnenbrand und Frostschäden bekommen, unter Wassermangel leiden oder zu viel Nässe abbekommen. Sie müssen vorsichtig von Hand in gebückter Haltung gepflückt werden, was ihre Ernte mühsam macht. Gleichzeitig gilt die Erdbeere aber auch als Schwachzehrer und ist nicht wählerisch, was den Boden angeht. Statt eines normalen Ackers nimmt sie durchaus auch mit Substrat vorlieb. Sie gedeiht auf Kokossäcken und Torfrinnen, und um sie mit genau dem richtigen Quäntchen an Nahrung und Wasser zu versorgen, wird sie unterirdisch an den Tropf gehängt. Der Überschuss landet im Glas und in der Flasche. „Die Landwirte hier sind sehr innovativ. Dennoch gibt es in Südhessen erst wenige Hektar solcher Hightech-Erdbeer-Anbauflächen“, sagt Hetebrügge. „Standard bei uns ist noch immer Freiland.“ Das mag auch an den Kosten liegen. Die Hightech-Variante kann bis zu 100 000 Euro pro Hektar verschlingen. Die herkömmliche Methode kostet die Landwirte gerade mal ein Zehntel davon. Geschmacklich merke man keinen Unterschied, so die Expertin.

Kann sie vor lauter Erdbeeren überhaupt noch Erdbeeren sehen? „Und ob“, sagt sie lachend, „allerdings esse ich sie wirklich nur zur Erntezeit und mag längst nicht mehr jede Sorte.“ Ihr Favorit heißt Malwina – eine dunkelrote, sehr aromatische Spätsorte, deren Ernte erst jetzt beginnt. „Hauptsorte in Südhessen ist die Clery.“ Auch sie gehört zu den Spätsorten. Und was macht sie nun im Winter? Sie hält Vorträge, besucht Tagungen und Messen oder unternimmt mit den Landwirten Exkursionen in andere Anbaugebiete. Und manchmal macht Katrin Hetebrügger auch einfach nur Urlaub. ers

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