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Straßenbahn überrollt Kind

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Passanten gedenken des Griesheimer Schülers, der am Donnerstag gestorben ist.
Passanten gedenken des Griesheimer Schülers, der am Donnerstag gestorben ist. © Guido Schiek

Nach dem Tod eines elfjährigen Jungen auf dem Darmstädter Luisenplatz wird in der Stadt heftig über die Sicherheit von Straßenbahnen diskutiert. Für den toten Jungen wurden Blumen niedergelegt.

Das Opfer war um kurz vor acht Uhr mit einem Freund über die Kupplung einer stehenden Straßenbahn gesprungen. Als diese anfuhr, geriet der aus Griesheim stammende Junge unter den Anhänger. Er starb noch am Unfallort.

Am Freitag ist an einem der Pfeiler am Ludwigsmonument ein kleiner Gedenkort eingerichtet worden. Passanten versammelten sich dort, legten Blumen nieder und zündeten Kerzen an.

Diskutiert wird nun einerseits die Kritik eines Ersthelfers, der klagte, Passanten hätten – anstatt zu helfen – mit ihren Smartphones Fotos von dem Unfall gemacht. Dem widerspricht ein Augenzeuge vehement: „Ich habe keine Person gesehen, die Fotos vom Opfer gemacht hätte (widerlich!), sondern nur Menschen, die sich um die verstörten Zeugen kümmerten oder entsprechend Abstand nahmen, wenn sie nicht helfen konnten (wie ich)“, schreibt der Augenzeuge.

Nachdem Fahrgäste die Notbremse gezogen hätten, habe es viele Sekunden gedauert, bis endlich die Türen aufgegangen seien, schildert er den Hergang. Einige Fahrgäste seien sofort um die Bahn herumgegangen, um zu helfen. Einige hätten sich vergeblich gegen den Wagen gestemmt, um den Jungen herauszuziehen.

Auch er habe helfen wollen, allerdings habe eine offiziell wirkende Person abgewunken, es gebe nichts zu tun. Passanten seien aufgefordert worden, weiterzugehen. Er habe dann noch ein, zwei Minuten abgewartet, ob er etwas tun könne, und sei dann gegangen.

Forderung nach Warnfolie

„Ich möchte noch einmal betonen“, schreibt er, „ich sah weder eine Menschenmenge aus Gaffern, die sich nicht gekümmert hätten, noch Leute Fotos vom Unfallort machen.“ Er sehe sich durch diese Aussagen angeklagt, „so wie viele andere Personen es auch sind, die nichts falsch gemacht haben“.

Darüber hinaus dreht sich die Diskussion um eine Sicherung zwischen den Straßenbahn-Waggons, die ein Überspringen der Kupplung verhindern könnte. So gibt es etwa den Vorschlag, eine Bespannung aus festem Segeltuch über der Kupplung zwischen Triebwagen und Anhänger anzubringen.

Der Uwiga-Fraktionsvorsitzende Helmut Klett hatte bereits nach dem letzten Unfall in Darmstadt mit einer Straßenbahn als präventive Maßnahme eine Warnfolie an einem Band vorgeschlagen, das über Ösen geführt wird und dank eines Gewichts immer unter Spannung steht.

Und auch der ehemalige Fahrgastbeiratsvorsitzende Günther Woost erinnert sich an frühere Diskussionen und verweist nach Wien, wo die Straßenbahnen schon vor zehn Jahren Warnschilder zwischen den Waggons hängen hatten.

Das Nahverkehrsunternehmen Heag-Mobilo hatte am Donnerstag angekündigt, mit dem Regierungspräsidium als technischer Aufsichtsbehörde Kontakt aufzunehmen und dies auch in Gremien mit den beiden anderen hessischen Städten mit Straßenbahnen – Frankfurt und Kassel – erneut zu diskutieren.

Hinweise von Augenzeugen nimmt die Polizei weiterhin unter der Telefonnummer 06151/9693610 entgegen. (rwb)

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