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Straßenbahn auf neuen Wegen

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Auf den Straßenbahnschienen in Darmstadt sind wieder Fahrzeuge aller Generationen unterwegs (Symbolbild).
Auf den Straßenbahnschienen in Darmstadt sind wieder Fahrzeuge aller Generationen unterwegs (Symbolbild). © Andreas Arnold

Arheilgen feiert den Abschluss des Verkehrs-Großprojekts und Lokführer Rolf Langeloth bahnt sich wild pfeifend den Weg.

Signal frei!“, ruft Volker Feick vom ersten Waggon des Feurigen Elias zur Lok. „Ei, was macht der denn? Ja, gib doch Dampf! Unser Fahrplan!“ Aber nach fünf Jahren des Bauens sind fünf Minuten Verspätung vielleicht doch nicht so schlimm. Feick, Leiter der Arbeitsgemeinschaft historischer Heag-Fahrzeuge, ist die Anspannung anzusehen. Schließlich hatte er das Programm zur Einweihung der neuen Arheilger Strecke ausgetüftelt – eine Flottenparade mit Fahrzeugen aller Generationen.

Als der Elias dann aber an der Virchowstraße einbiegt, ist jede Nervosität verflogen. Von Meter zu Meter wächst die Begeisterung am Straßenrand, Arheilger mit und ohne Kind, mit und ohne Dackel hängen in den Fenstern, hunderte Kameras klicken. Und am neuen Löwenplatz ist überhaupt kein Durchkommen mehr, wild pfeifend bahnt sich Lokführer Rolf Langeloth den Weg auf den Neuen Wegen.

Zwischen 11 und 18 Uhr bringen am Samstag der Feurige Elias, historische und moderne Bahnen mehrere tausend Menschen vom Darmstadtium aus nach Arheilgen und zurück. Alle wollten die fertig sanierte Frankfurter Landstraße begutachten, die Haltestelle am Dreieichweg und den neu gestalteten Löwenplatz.

Bald kommt neuer Supermarkt

An Bord der ST 7 sind jede Menge gut gelaunte Darmstädter, die schon eine halbe Stunde vorher an der Haltestelle vis-à-vis des Kongresszentrums auf die Bahn gewartet haben. Die Wartenden sind alle leidenschaftliche Straßenbahnfahrer und gesprächsbereite Städter.

Das Ehepaar Blömeling hat zwei Fensterplätze ganz vorn ergattert. Straßenbahnen halten sie für das beste Verkehrsmittel überhaupt. „Kein Stau und immer Vorfahrt“, befindet Udo Blömeling, „das gibt’s im Auto nicht.“

Und schon fährt die ST 7 durch die Frankfurter Landstraße, die Leute stehen draußen und winken. Am Goldnen Löwen ist mächtig was los. Statt Hofgasse heißt die neue Haltestelle nun Löwenplatz. Sie wird feierlich eröffnet, dazu gibt es Würstchen, Bier, Blasmusik – und einen stolzen Bezirksverwalter: „Die Frankfurter Landstraße hat Alleen-Charakter“, schwärmt Andreas Schmidt. „Optisch ein Genuss.“

Von einem „furiosen Finale“ und einem „Quantensprung für den Stadtteil“ spricht die neue Baudezernentin Brigitte Lindscheid (Grüne). Lob gibt es auch für Jörg Lange, der fünf Jahre lang die Arbeiten an der 2,5 Kilometer langen Strecke koordiniert hat. Noch drei Monate Restbauzeit hat er vor sich, „dann haben wir es geschafft, und der Weg ist geebnet für den neuen Supermarkt“.

Der neue Vollversorger auf dem Platz hinter den Heag-Hallen wird von den Bürgern sehnlichst erwartet. Dies spricht auch Gewerbevereinsvorsitzender Bernd Wiegmann an. Krach, Dreck, Parkplatzprobleme, Zusatzkosten – „die Anwohner mussten allerhand aushalten“. Am meisten hätten die Geschäftsleute gelitten.

Doch das ist vorbei. „Noch nie war Straßenbahnfahren so schön wie heute“, sagt Matthias Kalbfuss, Geschäftsführer von Heag-Mobilo, und lobt die neue Generation der Bahnen, die in Darmstadt jährlich 40 Million Menschen bewegen. Er erinnert auch an die Tradition der Straßenbahn in Darmstadt: Vor 125 Jahren fuhr die erste Dampfbahn vom Luisenplatz nach Griesheim, vier Jahre später nach Arheilgen.

Am Dreieichweg, wo der Feurige Elias um 14.26 Uhr wieder nach Darmstadt startet, sitzen Alicia, Michael, Dennis und Hendrik im offenen Anhänger und pfeifen um die Wette. „Wir lieben Straßenbahnfahren“, sagt Martin Koch, der die vier begleitet. „Vor allem lieben wir historische Bahnen.“ Und so kommen auch sie auf ihre Kosten an diesem Tag, an dem zumindest ein Großteil der 17.000 Arheilger ein wenig Stolz für seinen Stadtteil verspürt. (an.)

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