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Strahlende Glimmstängel

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Auch Selbstdreher sind vor den radioaktiven Stoffen nicht geschützt
Auch Selbstdreher sind vor den radioaktiven Stoffen nicht geschützt © dpa/dpaweb

Der Darmstädter Abiturient Paul Saary weist radioaktives Thorium 232 in Tabak nach und gewinnt damit den vom deutsch-schweizerischen Fachverband für Strahlenschutz ausgelobten Schülerwettbewerb

Immer wieder stieß Paul Saary (19) in Medien auf die Behauptung, in Tabak sei das radioaktive Polonium 210 enthalten. Ein Stoff, der im Jahr 2006 gar als Mordwerkzeug Schlagzeilen machte: Der ehemalige KGB-Agent Alexander Litwinenko wurde damit umgebracht. Und dieser tödlich wirkende Stoff soll in Tabak enthalten sein?

Der Schüler des Ludwig-Georgs-Gymnasiums (LGG), der in den nächsten Monaten sein Abitur (Leistungskurs: Chemie und Mathematik) machen wird, wollte der Sache auf den Grund gehen. Als Teilnehmer des Chemiepraktikums der Technischen Universität Darmstadt im vergangenen Sommer lernte er Klaus Wannowius, Professor für Chemie und Fachbereichsbeauftragter für Schulkontakte, kennen. Der schlug vor, der Frage nach der Radioaktivität im Tabak beim alljährlich vom deutsch-schweizerischen Fachverband für Strahlenschutz ausgelobten Schülerwettbewerb nachzugehen.

Erster Preis bei Wettbewerb

Gesagt, getan. Nach vielen im Versuchslabor auf der Lichtwiese verbrachten Stunden und detaillierten Messungen mit dem Spektrometer sind zwei gute Nachrichten zu verkünden. Erstens: Nachwuchsforscher Paul Saary hat mit seiner Arbeit beim Wettbewerb den ersten Platz belegt. Zweitens: Polonium 210 ist in Tabak nicht nachweisbar.

Doch für Jubel bei den Rauchern gibt es dennoch keinen Grund – denn Saary hat eine ganze Reihe anderer radioaktiver Stoffe gefunden, darunter Kalium 40 und Thorium 232.

Denn während Kalium 40 in so gut wie allen Nahrungsmitteln natürlich vorhanden und nicht so gefährlich ist, sieht das beim Thorium 232 schon anders aus – vor allem dessen ebenso zahlreiche wie schädliche Verfallsprodukte sind im Tabak enthalten.

Welche Marke man raucht, spielt dabei keine Rolle. Auch Selbstdreher sind vor den radioaktiven Stoffen nicht geschützt. Thorium 232 komme vor allem in sandigen Böden vor, die sich gut für den Tabakanbau eignen. Die Pflanze nimmt dann das Thorium über ihre Wurzeln auf, erklärt Saary. Die Folge: Tabak und Asche strahlen munter vor sich hin.

„Untersucht hab ich auch Sorten, die viele meiner Freunde rauchen“, erzählt der Nachwuchsforscher. Zum Nichtraucher bekehren konnte er mit seinen Ergebnissen bisher jedoch niemanden – auch wenn seine Untersuchungen auf großes Interesse bei seinen qualmenden Freunden stießen. Aber das wollte er auch nie: „Mich hat einfach das Thema interessiert. Dass ich dann auch noch im Rahmen eines Wettbewerbs daran arbeiten konnte, hat sich einfach so ergeben“, sagt Saary und lobt die gute Jugendarbeit der TU. Die Zusammenarbeit mit Professor Wannowius sei eine „tolle Erfahrung“ gewesen. (eda)

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