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Stillgelegte Dampfrösser

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Von: Frank Sommer

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Der Verein kann das Museum auch weiterhin betreiben.
Der Verein kann das Museum auch weiterhin betreiben. © Rolf Oeser

Der Betrieb des Eisenbahnmuseums ist zunächst sichergestellt. Die Stadt schiesst Geld zu, um dem Trägerverein den Weiterbetrieb zu ermöglichen.

Finanzspritze zur rechten Zeit: Die Stadt Darmstadt stellt dem Eisenbahnmuseum Kranichstein für das kommende Jahr rund 40 000 Euro als Förderung zur Verfügung. „Damit ist der Betrieb des Museums im nächsten Jahr gesichert“, sagt Christian Zährl vom Vorstand des Trägervereins. Denn der Verein leidet immer noch unter der Insolvenz der Deutschen Museums-Eisenbahn-Gesellschaft (DME): 1987 gründete der Verein die Gesellschaft, um den Betrieb der Fahrzeuge und der Strecken am Museum dorthin auszugliedern.

Sonderfahrten mit den Dampfloks, aber auch Dienstleistungen mit den Zügen des Vereins wurden von der DME geleistet. „Wir sind mit unseren Zügen etwa Baustellenlogistik für die Deutsche Bahn gefahren, das war eine gute Einnahmequelle“, sagt Zährl. Doch als 2014 ein Großkunde insolvent wurde, geriet die DME in Schieflage. Es blieb nur der Gang in die Insolvenz.

Ausgerechnet zum 40-jährigen Bestehen des Eisenbahnmuseums Anfang des Jahres erlosch somit auch die Genehmigung, Züge und Wagen des Vereins zu bewegen. „Das war natürlich der Super-GAU für uns. „Wir haben ausgebildetes Personal für die Züge und durften diese nicht fahren“, sagt Eisenbahnfreund Zährl.

Um Abhilfe zu schaffen, hat der Vereinsvorsitzende Uwe Breitmeier aus eigenen Mitteln die Bahnwelt-Betriebs-Gesellschaft gegründet: Seit Mitte des Jahres darf der Verein wieder auf dem eigenen Gelände seine 40 Loks und über 100 Wagen bewegen. „Die beliebten Sonderfahrten sind aber weiterhin in absehbarer Zeit nicht möglich“, sagt der 29-Jährige. Denn für den Betrieb von Dampfloks fehlt die Genehmigung, die durch die Insolvenz der DME erloschen ist. Eine neue zu erhalten, sei für den Verein kaum leistbar.

Ein wahrer Kraftakt

„Da gelten inzwischen Vorschriften, etwa für das Sicherheitsmanagementsystem, wie sie nur die DB leisten kann, ehrenamtlich ist das nicht machbar“, sagt Zährl. Kontakte zu anderen Betriebsgesellschaften seien bisher ergebnislos verlaufen. „Deren Anzahl ist auch überschaubar, deutschlandweit gibt es vielleicht 15“, sagt er. Damit die eigenen Fahrzeuge des Vereins gewartet werden können, musste der Verein ein eigenes Instandhaltungsmanagement gründen. „Ein System, wie es auch die DB hat – und das alles von zehn Ehrenamtlichen erarbeitet. Das war ein wahrer Kraftakt für uns.“

Zwar dürfe die Bahnwelt Diesel- und E-Loks nutzen, doch seien diese für Sonderfahrten wenig reizvoll. „Vergangenes Jahr boten wir eine Fahrt nach Rüdesheim mit der E-Lok an, aber die war gerade einmal halb besetzt“, sagt Zährl. Er könne nachvollziehen weshalb. „Es fehlt eben der Dampf, die erlebte Mechanik – eben alles, was an einer Dampflok fasziniert.“

Allen Finanzsorgen zum Trotz hat der Verein große Pläne für die nächsten Jahre: So soll schrittweise die 1969 abgebrochene Hälfte des Lokschuppens wieder aufgebaut werden, damit die kostbaren Loks vor der Witterung geschützt sind. „Wir sammeln schon Spenden dafür, aber das wird sehr teuer: Eine Überdachung für eine Lok kostet rund 50 000 Euro.“

Auch würde der Verein gern das Gelände zum Industriedenkmal gestalten. „Der Rangierbahnhof ist ja noch erhalten: Hier können die Besucher nicht nur sehen, wie die Loks rangiert wurden, sondern auch, wie die ganzen Arbeiter des Bahnhofs lebten“, sagt Zährl. Europaweit seien historische Rangierbahnhöfe inzwischen um- oder zurückgebaut worden, Kranichstein gehöre zu den letzten, die noch erhalten seien. Der Ausbau zur Erlebniswelt rund um die Eisenbahn aber übersteige die Möglichkeiten der Ehrenamtlichen, sagt Zährl. „Dafür bedarf es einer größeren Förderung.“

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