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Stefan Messer (l.) und TU-Präsident Hans Jürgen Prömel freuen sich mit Ulrike Kramm.

Darmstadt

Stiller Protest gegen Preisverleihung

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Die Adolf-Messer-Stiftung, deren Namensgeber eine Nazivergangenheit hat, zeichnet eine Nachwuchsforscherin aus.

Sechs Studierende der Technischen Universität (TU) Darmstadt haben am Montagabend mit einer Flugblattaktion die Verleihung des Preises der Adolf-Messer-Stiftung an die Darmstädter Nachwuchsforscherin Ulrike Kramm kritisiert. Die Mitglieder des Allgemeinen Studierendenausschusses wiesen vor dem Eingang des Georg-Christoph-Lichtenberg-Hauses die Gäste der Preisverleihung mit der stillen Protestaktion darauf hin, dass der Namensgeber des Preises Mitglied der NSDAP und ein „Profiteur des NS-Regimes“ gewesen sei. Die von Messer gegründete Firma habe kriegswichtige Chemieverfahren und Waffenteile entwickelt, welche beispielsweise für die V2-Raketen genutzt worden seien. Zudem habe die Firma Messer bis zu 350 Zwangsarbeiter beschäftigt. Die Studierenden forderten das Präsidium der TU dazu auf, die Zusammenarbeit mit der Adolf-Messer-Stiftung zu beenden und sich dafür einzusetzen, dass die Messer Group GmbH die ehemaligen Zwangsarbeiter der einstigen Adolf Messer GmbH entschädigt. 

Sowohl TU-Präsident Hans Jürgen Prömel als auch Stefan Messer, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Messer Group und Enkel von Adolf Messer, beschäftigten sich in ihren Reden mit dem stillen Protest der Studierenden. Prömel sagte, man werde „sich der Verantwortung stellen“ und die Rolle Messers, der nach dem Krieg als „Mitläufer“ eingestuft worden sei, kritisch reflektieren. Derzeit, so Prömel, sehe er jedoch keinen Grund, die Zusammenarbeit mit der Stiftung zu beenden.

Stefan Messer äußerte, er habe sich bereits vor 30 Jahren mit der Aufarbeitung der Unternehmensgeschichte im Dritten Reich beschäftigt. Tatsache sei, dass sein Großvater NSDAP-Mitglied gewesen und „zur Aufrechterhaltung seines Betriebes Zwangsarbeiter beschäftigt“ habe. Die Familie verurteile das in der Vergangenheit geschehene Unrecht. Messer sprach sich dafür aus, dass die Unternehmensgeschichte „lückenlos aufgearbeitet wird“. Dazu sei abermals die Gesellschaft für Unternehmensgeschichte beauftragt worden, „eventuelle neue Erkenntnisse aus dieser Zeit zu recherchieren und in einer Neuauflage des Buches ‚100 Prozent Messer - Die Rückkehr des Familienunternehmens. 1898 bis heute‘ zu publizieren“. Das Buch soll nach Angaben des Piper-Verlags am 1. Februar 2019 erscheinen. 

Den mit 50 000 Euro dotierten Preis der Adolf-Messer-Stiftung erhielt Ulrike Kramm, die seit März 2015 Juniorprofessorin an den Fachbereichen Chemie sowie Material- und Geowissenschaften der TU Darmstadt ist. Sie hat edelmetallfreie Katalysatoren für Energieanwendungen entwickelt. Diese Rohstoffe für Katalysatoren sind nach den Worten Kramms „nicht nur knapp und teuer, sondern werden häufig auch unter bedenklichen Bedingungen abgebaut“. 

Auf der Suche nach einem Ersatz für die Edelmetalle orientierte sich die 39-Jährige an einem Vorbild aus der Natur – dem Blutfarbstoff Hämoglobin. Kramms Katalysatoren enthalten als Metall nicht unbedingt Eisen, sondern zum Beispiel auch Kobalt, Kupfer oder Mangan. Mit dem Preisgeld möchte die Wissenschaftlerin weitere Forschungen finanzieren.

Der Preis der Adolf-Messer-Stiftung wird jährlich verliehen. Er fördert die Forschung und Lehre von Nachwuchswissenschaftlern an der TU Darmstadt. Gewürdigt werden herausragende Leistungen in den Naturwissenschaften, Ingenieurwissenschaften sowie Wirtschafts-, Sozial- und Geisteswissenschaften.

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