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Das Pflaster im Johannesviertel ist mehr als 100 Jahre alt.
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Das Pflaster im Johannesviertel ist mehr als 100 Jahre alt.

Johannesviertel

Auf Sternen wandeln

Im Johannesviertel hat die Stadt das historische Mosaikpflaster der Gehwege restauriert: "Eine schwierige Handwerkskunst, die heute nur noch wenige beherrschen", lobt der Denkmalpfleger.

Von Astrid Ludwig

Es sind oftmals die Details, die den Charme eines Stadtquartiers ausmachen. Im Johannesviertel sind es die alten Gründerzeitvillen, die ganze Straßenzüge füllen und die der Krieg halbwegs unversehrt zurückließ. Es ist die Kirche auf dem Johannesplatz, die von alten Bäumen gesäumt ist, das Straßencafé, vor dem Stühle in der Junisonne stehen oder das bucklige Straßenpflaster, über das die Reifen der Autos holpern. Seit gestern kommt noch ein weiteres, liebevolles Detail dazu: Für 25.000 Euro haben Stadt und Denkmalschutz die historischen Mosaike restaurieren lassen, die die gepflasterten Gehwege rund um die Kirche schmücken.

Zwei Mitarbeiter des Eigenbetriebs Abfallwirtschaft und Stadtreinigung (EAD) knien in ihrer quietschorangefarbenen Arbeitskleidung auf dem Boden. Eine ganze Batterie Plastikeimer haben sie um sich geschart. In einem häuft sich feinkörniger Splitt, in den anderen sind Steine unterschiedlicher Farbe. Die letzten Steine für großflächige Rautenmuster müssen verlegt werden. Vorsichtig ziehen die Mitarbeiter Linien in den Splitt und versenken dann jedes Steinchen mit sanftem Hammerschlag im Boden.

"Eine schwierige Handwerkskunst, die heute nur noch wenige beherrschen", sagt der städtische Denkmalpfleger Nikolaus Heiss, der froh ist, dass sich beim EAD Kunstfertige gefunden haben. Schwierig war es jedoch auch, die damals verwendeten Steine für die Reparaturarbeiten aufzutreiben. Es handelt sich um speziellen Kalkstein aus Franken, um gelben Sandstein, roten Porphyr und dunklen Blaubasalt. Ein paar Steine fanden sich zum Glück noch im Denkmalarchiv der Stadt.

Hübsche Sterne und aufwendige Rautenmuster zieren nun wieder das Pflasterband rund um den Kirchplatz. 1902 ist das Mosaikbild der Gehwege im Blumenthalviertel, wie das Quartier benannt nach seinem jüdischen Architekten ursprünglich hieß, entstanden. Um die Jahrhundertwende, erzählt Heiss, wurde viel Wert auf die Befestigung der Wege und Straßen gelegt. Darmstadt ist eine der wenigen Städte in Deutschland mit einer Vielzahl an Mosaik- und Schmuckpflaster.

So wurden im Jahr 1888 auf dem Luisenplatz die ersten Pflasterbänder verlegt und 1892 am Klinikum. Im Paulusviertel, auf der Mathildenhöhe oder auch am Platz vor dem Hauptbahnhof, auf dem Mathildenplatz und auf vielen Privatwegen finden sich heute noch Mosaikpflaster.

Eine so liebevolle Gestaltung wünscht sich Denkmalschutz-Dezernent Klaus Feuchtinger (Grüne) auch heute öfter. Er bezeichnet die Restaurierungsarbeiten im Johannesviertel als Anfang.

Eine weitere Aufgabe könnte die Sanierung der Gehwege auf der Mathildenhöhe sein, wo vor allem parkende Autos dem historischen Pflaster zu schaffen machen. Feuchtinger lobt das Engagement der Anwohner, die sich für das Pflaster und auch die Neugestaltung des Platzes stark machen und die Arbeiten sogar als Förderverein mitfinanzieren. Das Johannesviertel ist eines der größten Gründerzeitquartiere Hessens.

Zufrieden sieht Nikolaus Heiss aus. Wieder ist ein kleines historisches Detail im Stadtbild zurückerobert, und das auch noch gleich vor der eigenen Haustüre. Heiss wohnt um die Ecke: Die beschädigten Mosaike haben lange das Auge des Denkmalpflegers gequält.

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