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Im Steinbruch bleibt es still

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Die Betreiber überlassen den Steinbruch Herchenrode wieder seinem Dornröschenschlaf.
Die Betreiber überlassen den Steinbruch Herchenrode wieder seinem Dornröschenschlaf. © Karl-Heinz Bärtl

Nach einer fast zehn Jahre dauernden Auseinandersetzung um den Betrieb des Steinbruchs Herchenrode unterzeichnen Betreiber, Gemeinde und Land Hessen eine Übereinkunft.

Nach einer fast zehn Jahre dauernden Auseinandersetzung um den Betrieb des Steinbruchs Herchenrode haben die Betreiber und die Gemeinde Modautal eine Einigung erzielt: Die Betriebserlaubnis und die Pachtverträge werden von der Gemeinde übernommen. Dieser Übereinkunft hat nun auch das Land Hessen in Form des Regierungspräsidiums Darmstadt in einem gerichtlichen Güteverfahren zugestimmt.

Die Modautaler Gemeindevertreter hatten kürzlich bereits der in Aussicht stehenden Einigung zugestimmt. Modautal zahlt für die Übertragung der Betriebserlaubnis 40 000 Euro an die Betreiber. Etwa die Hälfte des drei Hektar großen Areals gehörte bereits der Gemeinde. In einem Tauschverfahren war sie vor Jahren in den Besitz von zwei der fünf Pachtverträge gekommen. Nun also verfügt Modautal über alle fünf Kontrakte.

Bereits 2007 hatten Willem Douw, Gerhard Höfling und Peter Heina einen Antrag auf einen Hauptbetriebsplan gestellt. Die Zulassung war erst vier Jahre später, im Mai 2011, vom Regierungspräsidium Darmstadt erteilt worden. In Modautal, allen voran im nahe gelegenen Herchenrode und dem zweitgrößten Ortsteil Ernsthofen, hatte sich massiver Widerstand gegen den Betrieb des Steinbruchs formiert. Es gründete sich eine Bürgerinitiative, die Schilder mit dem Slogan „Stoppt Steinbruch Herchenrode“ an markanten Punkten quer durch die Gemeinde aufhängte.

Den Betreibern lag zwar die Betriebsgenehmigung bis ins Jahr 2022 vor, doch zum Abbau des Steins kam es nicht. Einerseits fehlte die Sprengerlaubnis, andererseits gab es über Jahre hinweg ein Zerren und Kämpfen mit der Gemeinde um die Zuwegung. Auf welcher Strecke sollten die Laster den Granit abtransportieren?

Die Modautaler Gemeindevertreter waren sich über die gesamte Dauer der Auseinandersetzung einig: Sie wollten verhindern, dass der Steinbruch reaktiviert wird. Bis Ende der 80er Jahre war auf dem Gelände Abbau in geringen Mengen betrieben worden, um Werksteine zu fördern, die zu Fensterstürzen oder Grabsteinen weiterverarbeitet wurden.

Gemeindeparlament sorgt sich um Lebensqualität

Die ablehnende Haltung des Parlaments gründete sich auf der Befürchtung, der genehmigte Abbau von 30 000 Tonnen Gestein pro Jahr führe zu 1500 Anfahrten und genauso vielen Abtransporten und erzeuge genauso wie der Betrieb Lärm, Staub und Verkehr.

Kurzum: Die Wohn- und Lebensqualität der Modautaler sei bedroht. „Ausdauer und Einigkeit in der Gemeindevertretung haben sich ausgezahlt“, bilanziert nun Bürgermeister Jörg Lautenschläger (CDU). „Wir wussten immer, dass der Betrieb des Steinbruchs negative Auswirkungen auf die gesamte Gemeinde haben würde.“

Die Betreiber ihrerseits wiesen – nicht zuletzt auf einer bestens besuchten Podiumsdiskussion in der Festhalle Ernsthofen Anfang Juli 2011 – darauf hin, dass der Stein von hoher Qualität sei und der Abbau in geringem Rahmen erfolgen solle. Doch Anwohner und Gemeinde vermuteten, der Abbau werde stark erweitert, wenn der Betrieb erst einmal ins Rollen komme.

Der entscheidende Kniff gelang der Gemeinde, indem sie durch Grundstückstausch im Juni 2011 in den Besitz von zwei Pachtverträgen kam. Dadurch konnte sie den Betreibern klarmachen: Ab 2022, wenn die Betriebserlaubnis ausläuft, wird zumindest die Hälfte des Geländes nicht mehr an sie verpachtet werden. Ein Betrieb des Steinbruchs erschien dadurch unrentabel – nicht nur für die wenigen verbleibenden Jahre bis 2022, sondern erst recht für eine mögliche Weiternutzung über dieses Datum hinaus.

Letzter Akt im Schauspiel: Die Gemeinde zog ihre Klage gegen die Genehmigung des Betriebsplans zurück, die Betreiber bauen Kran und kleine Hütte auf dem Gelände ab, das Land Hessen stimmt dem Vergleich zu. Nun haben die Anwohner Gewissheit: Der Steinbruch Herchenrode wird auf lange Sicht wieder in seinen Dornröschenschlaf versinken. „Stoppt Steinbruch Herchenrode“ ist nun Wirklichkeit.

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