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Stau auf dem Bahnsteig

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Im Darmstädter Hauptbahnhof kann es eng werden.
Im Darmstädter Hauptbahnhof kann es eng werden. © FR/Arnold

Zu Stoßzeiten ist auf den Treppen im Darmstädter Hauptbahnhof kaum ein Durchkommen. Zahlreiche Pendler sind sauer.

Ein großer Vorteil des Zugfahrens ist, dass man nicht im Stau stehen kann. Doch wenn Albert Braum auf dem Weg zur Arbeit morgens gegen 7.30 Uhr am Hauptbahnhof aus der Bahn steigt, steckt er regelmäßig fest. Weil zu Stoßzeiten an einem Bahnsteig viele Pendler ankommen und wegfahren, es aber nur einen Treppenaufgang gibt, kommt es allmorgendlich "zu problematischen Situationen", wie der 45 Jahre alte Mainzer es zurückhaltender formuliert.

Häufiger spricht er von "Chaos", wenn er sich das vor Augen führt, was sich an den auf einem Bahnsteig liegenden Gleisen 7 und 8 abspielt. Da komme laut Fahrplan um 7.23 Uhr auf Gleis 8 der vollbesetzte Zug aus Mainz Richtung Aschaffenburg an, ebenfalls um 7.23 Uhr am gegenüberliegenden Gleis fahre der aus Heidelberg kommende Zug Richtung Frankfurt ab.

Unmut unter Kunden

Die Folge: Der Strom der Angekommenen strebt zur Treppe und bildet dort einen dichten Pfropf, durch den sich diejenigen in Gegenrichtung hindurchdrücken, die den Zug nach Frankfurt erreichen wollen. "Da quetscht sich alles die Treppe hoch", berichtet der Sachbearbeiter, der regelmäßig im Stau hängen bleibt. Manchmal sei der Bahnsteig so voll, dass aus einem ankommenden Zug keiner mehr aussteigen könne. Minutenlang dauere der Treppenaufstieg, was unter den Bahnkunden für Unmut sorge. "Das Gemurre wird immer größer."

Vor rund einem Jahr schon, erzählt Braum, hat er sich wegen dieser Umsteigeproblematik an die Bahn gewandt und um Entzerrung gebeten. Später seien vereinzelte Züge auf andere Gleise verlegt worden und die Lage habe sich entspannt. Doch nach ein paar Wochen sei die Bahn zur ursprünglichen Regelung zurückgekehrt. Nun ist die Situation wieder so unhaltbar, dass der Bahnkunde sich erneut an die Zuständigen wandte.

"Leider wurde die Chance beim Umbau des Bahnhofs nicht genutzt, hier für weitere Zugänge zu sorgen", schrieb er in einer Mail an den Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV). Er sehe es als ihre Aufgabe an, die Pendlerströme in geordnete Bahnen zu lenken und "für einen sicheren Zugang zu sorgen". Denn Braum hält die Situation nicht nur für kundenunfreundlich, er findet sie auch gefährlich: "Es ist eine Frage der Zeit, bis hier ein Unfall geschieht."

Am 17. November schrieb ihm die Kommunikationsabteilung des RMV mit Verweis auf die "DB Station und Service", von der man eine Stellungnahme eingeholt habe: "Darin teilt uns das Unternehmen mit, dass aufgrund der baulichen Gegebenheiten eine Verbreiterung der Treppen in Darmstadt Hauptbahnhof nicht möglich sei." Ansonsten entspreche die Treppenanlage den baurechtlichen Anforderungen. Auf die Frage einer möglichen Entzerrung durch Verlegung geht der Verkehrsverbund nicht ein.

Viele unter einen Hut bringen

"Wir haben bereits nach Lösungsmöglichkeiten gesucht", teilt die regionale Kommunikationsabteilung der Bahn Anfrage mit. Aber man müsse mit der Planung die Interessen möglichst vieler Reisender unter einen Hut bringen.

Ein wichtiges Ziel sei, attraktive Reisezeiten anzubieten und daher Umstiege möglichst an einem Bahnsteig stattfinden zu lassen. Einschränkungen entstünden auch dadurch, dass nicht aus allen Richtungen in jedes Gleis eingefahren werden könne und durchfahrende Züge eingeplant werden müssten. Auf Frage nach der zeitweisen Verlegung von Zügen führt die Bahn die Hallendachsanierung an, in deren Zusammenhang es immer wieder betriebliche Änderungen gegeben habe. Beim Umbau des Querbahnsteigs vor sechs bis sieben Jahren hätten Denkmalschutzgründe eine andere Erschließung der Bahnsteige verhindert.

Bahnkunden wie Albert Braum müssen sich wohl vorerst mit den Gegebenheiten am Darmstädter Hauptbahnhof abfinden. Der Sachbearbeiter aus Mainz fährt mittlerweile jeden Morgen früher zu Hause los, um dem Chaos zu entgehen. (aw)

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