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Die Statik macht Probleme

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Die Neugestaltung des Friedensplatzes lässt weiter auf sich warten.
Die Neugestaltung des Friedensplatzes lässt weiter auf sich warten. © Guido Schiek

Die Umplanung des Friedenplatzes dauert länger als gedacht. Es gibt neue - statische - Probleme. Der Bauausschuss wird darüber beraten.

Langsam rückt sie näher, die Neufassung des Friedensplatzes. Vor zwei Jahren hatte der Gestaltungsbeirat die Planung kritisch geprüft und mit kleinen Änderungen letztlich zur Umsetzung empfohlen. Vom Stadtparlament war sie schon 2008 beschlossen worden. Plötzlich aber tauchten neue Probleme auf – „statische“, wie Baudezernentin Cornelia Zuschke (parteilos) betonte.

Diese Auskunft erhielten auch die Stadtverordneten bei ihrer letzten Sitzung, als Zuschke einen Sachstandsbericht gab. Am morgigen Mittwoch liegt das Thema wieder auf dem Tisch: diesmal bei der Tagung des Bauausschusses (Neues Rathaus, Raum Graz, 17.30 Uhr). Die „statischen Probleme“ wurden damit begründet, dass sich unter dem Platz eine Tiefgarage befindet. Die aber gibt es schon seit 1967. Kann es für Statiker des Jahres 2015 wirklich eine Überraschung sein, dass sich unter dem Platz ein weitläufiger Hohlraum befindet?

„Überspitzt gesagt: ja“, erklärt Architekt Werner Hochrein, dessen Büro „Werkstadt“ den Umbau entworfen hat. Die Tiefgarage war ein Kind des Darmstädter Tycoons Jakob Mengler. Dessen Firma ging vor einem Jahrzehnt pleite, die Garage wurde 2002 verkauft. „Solange die Tiefgarage einem Münchner Immobilieninvestor gehörte, hieß es stets, dass es Unterlagen aus der Mengler-Zeit nicht mehr gibt“, entsinnt sich Hochrein. Damit fehlten auch die Nachweise der statischen Konstruktion. „Das war“, sagt Hochrein, „für uns jedoch zunächst keine Hürde.“ Aus der Sicht des Planers galt es ja nur, einen Deckel durch einen anderen zu ersetzen. Wobei Hochreins Entwurf den Platz sogar zu einem großen Teil von seinen jetzigen Lasten – vor allem Betonkübeln – freiräumt.

Allerdings schwebt Hochrein im westlichen Drittel ein um drei Stufen erhobenes Plateau vor, akzentuiert durch eine lauschige Baumreihe. Schwebend lässt sich das freilich nicht errichten. Dies zeigte sich, als die Tiefgarage 2013 von der Wealth Management Capital Holding ins Eigentum der Heag-Holding überging. Da waren nämlich die alten Pläne auf einmal wieder da.

„Und da haben wir dann gesehen, wie die Statiker in den sechziger Jahren gearbeitet haben“, berichtet Baudezernentin Zuschke. „Nämlich Spitz auf Knopf.“ Nur dort, wo die Tragfähigkeit offenkundig gebraucht wurde, waren auch die Decken entsprechend massiv. „Wo nur Pflanzen drüber sind und keine Menschenansammlungen zu erwarten, da sind sie hauchdünn – da haben die Statiker nur das Allernötigste gemacht, als bliebe dies bis in alle Ewigkeit so.“

Hochreins Planung verlangt also Änderungen im Untergrund. Andererseits aber, so Zuschke, darf die Tiefgarage in ihrer baulichen Struktur nicht angetastet werden. „Ansonsten müssen, etwa beim Brandschutz, die aktuellen Bestimmungen angewandt werden. Und die haben sich inzwischen vervielfacht.“

Bürgerversammlung im März

Korrekturen am Hochreinplan waren auch anderer Stelle notwendig. Etwa bei der Entlüftung. Der Architekt hatte sie quasi unsichtbar in die Flanke des Schlossgrabens verlegt. „Nicht mit uns“, sagte die TU, der das Schloss gehört. Für Hochrein ein merkwürdiges Veto – „schließlich wird die Abluft heute direkt zwischen die Passanten geleitet“: Abgase, soweit sie entstehen, entweichen aus den Schlitzen voluminöser Betonkästen beidseits des Platzes.

Das Drehen an technischen Stellschrauben erzwang letztlich die erneute Verzögerung des Umbaus. „Wenn wir aber ohnehin korrigieren müssen“, sagt Zuschke, „dann können wir dabei auch noch mal Gestaltungsfragen diskutieren.“ So sei die Pause genutzt worden, um die Anregung zum Beispiel der Bürgergruppe „Kulturelle Mitte“ aufzunehmen. Der Fachplaner im Tiefbauamt, Ralf Kutschera, „hat da unglaublich gute Arbeit geleistet“. Und die ist nun getan. Im März soll es eine Bürgerversammlung über die Entwicklung der Innenstadt geben. Und noch in diesem Jahrzehnt, verspricht Zuschke, „ist auch der Friedensplatz fertig“. (ers)

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