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Stahlzäune auf dem Oberfeld

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Jagdpächter und Hofgut beklagen Wildschweinschäden und ergreifen Maßnahmen. Nun gibt es Stahlzäune auf dem Oberfeld.

Saftig grün und hüfthoch stehen die Getreidefelder auf dem Oberfeld. Es ist ein hübsches und gewohntes Bild in dieser Jahreszeit. Doch etwas ist anders: Dinkel und Erbsen sind von Wildschutzzäunen aus Baustahlmatten umgeben. Die Jagdpächter des Oberwaldreviers und das Hofgut Oberfeld haben sie gemeinsam aufgestellt, um Wildschweinschäden abzuwenden.

„Es ist schon extrem teuer geworden“, sagt Stefan Fischer, einer der beiden Hauptjagdpächter des 700 Hektar umfassenden Reviers, auf dem das Hofgut eine Fläche von 125 Hektar bewirtschaftet. Seit die Landwirtschaft dort vielfältiger und hochwertiger geworden sei, hätten Wildschweine enorme Schäden in Höhe von 15 000 Euro pro Jahr angerichtet – ein Betrag, für den der Pächter aufkommen muss.

Erschrecken ist ineffektiv

Von „mehr oder weniger Totalausfällen“ berichtet Hofgut-Landwirt Thomas Goebel. Die Säue mümmelten sich durch die Felder und machten so hektarweise ganze Bestände kaputt. Sommerweizen oder Raps etwa baue man deshalb keinen mehr an. Statt dessen setze man auf Gerste oder Roggen. Das sind allesamt Sorten mit Grannen, spitzen und harten Borsten. „Die mögen die Säue nicht“, so Goebel. Doch solch natürliche Schutzvorrichtungen haben weder Dinkel noch Erbsen, an denen sich die Wildschweine deshalb besonders gern zu schaffen machen. „Wir haben viel versucht, um sie zu vertreiben“, berichtet Goebel. In einem Sommer seien sie mit 20 Personen und klappernden Büchsen schreiend durchs Feld gerannt. Jedoch: Viel Lärm um nichts. „Wir haben gemerkt, so geht das nicht.“

Schon länger habe man gegenüber dem Grünflächenamt den Wunsch geäußert, Zäune aufstellen zu dürfen. „Das ist genehmigungspflichtig“, erläutert Pächter Stefan Fischer. Denn es handle sich um ein Landschaftsschutzgebiet. Doch voriges Jahr habe es das Okay der Stadt gegeben. Im Frühsommer 2015 wurden erstmals Zäune gestellt, im Frühling 2016 das zweite Mal. „Mit dem Erfolg, dass wir null Schäden haben in diesem Jahr.“

Doch nicht alle blicken positiv auf die etwa hüfthohen Metallzäune. „Es gab in der Bevölkerung ein bisschen Aufruhr“, erzählt Stefan Fischer. Die Kritik: Die Zäune sähen hässlich aus. „Das stimmt auch“, erklärt er, wirbt aber um Verständnis. Die Schäden seien nicht mehr tragbar gewesen. Und Elektrozäune seien ineffektiv, da würden die Säue einfach durchrennen. (aw)

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