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Stahl-Koloss für KZ-Grabung

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Langsam schwebte die 5,5 Tonnen schwere Stahlkonstruktion über die Ausgrabungsstätte.
Langsam schwebte die 5,5 Tonnen schwere Stahlkonstruktion über die Ausgrabungsstätte. © Sebastian Schwappacher

Ein neues Gedenkzentrum wächst über dem Keller des Außenlagers. Der Transport des Stahl-Koloss gestaltet sich schwierig.

Müde und ratlose Gesichter gab es schon am frühen Morgen an der KZ-Ausgrabungsstelle am Stadtrand von Walldorf zu sehen: Es war gerade fünf Uhr durch und die Sonne ging langsam auf, doch der erwartete Schwertransport aus Hanau schaffte es nur bis zur Farmstraße. Jetzt machten aber mehrere Lastwagen und ein Reisebus die Weiterfahrt unmöglich. Sie parkten am Straßenrand, was bei den Vorbereitungen nicht richtig bedacht wurde. Es fehlten knapp 30 Zentimeter, damit die tonnenschwere Stahlkonstruktion die letzten Meter zur Ausgrabungsstelle zurücklegen konnte.

Knapp drei Stunden sollten vergehen, bis die Straße wieder frei war. Langsam schob sich der Schwertransporter in Richtung Ausgrabungsstelle weiter. Es war Millimeterarbeit, sowohl mit dem Transporter, als auch mit dem bereitstehenden Kranwagen.

Rund 5,5 Tonnen bringt das größte Stahlteil auf die Waage, berichtete Bauingenieur Daniel Pister. Langsam hob es ein Kran zwischen den Bäumen hindurch und setzte es in den Sockel ab. Mit einer extra großen Wasserwaage kontrollierten Mitarbeiter des Hanauer Stahlbauunternehmens die Ausrichtung, behutsam bewegte der Kranfahrer die Gebäudefront noch ein klein wenig. Dann saß alles, und das Schweißgerät kam zum Einsatz. Sechs Wochen ist an den einzelnen Teilen gearbeitet worden, in vier Wochen soll daraus das Grundgerüst des Bildungszentrums entstehen. Insgesamt sind für die Konstruktion 45 Tonnen Stahl verbaut worden, erklärte Daniel Pister.

„Wir gehen sehr vorsichtig vor“

Das Gebäude der Margit-Horváth-Stiftung kann zukünftig nicht nur für Veranstaltungen und Seminare genutzt werden. Es sichert auch die Ausgrabungsstätte, über die das Bildungszentrum gebaut wird. „Wir gehen dabei sehr vorsichtig vor“, meinte der Bauingenieur. Die aus Beton gegossenen Fundamente sind nicht mit den Resten des KZ-Küchenkellers verbunden, Mauerreste, alte Rohre und andere Ausgrabungsgegenstände sind unverändert erhalten geblieben. Damit während der Bauarbeiten nichts beschädigt wird, kommen in den nächsten Wochen spezielle Gerüste zum Einsatz. Mit dem Denkmalschutz hatte Daniel Pister zwar schon häufiger zu tun, eine so sensible Baustelle wie auf dem Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers ist aber etwas ungewöhnliches. „Es ist richtig, dass behutsam gearbeitet wird“, betonte er, und verwies auf die Schicksale der hier inhaftierten jüdischen Zwangsarbeiterinnen. Eingesetzt wurden sie 1944 auf dem Frankfurter Flughafen, im freigelegten Keller der Küchenbaracke sind sie damals von Wachleuten brutal geschlagen und misshandelt worden.

Das Bildungszentrum hält die Erinnerung an die Zwangsarbeiterinnen aus Ungarn wach und lässt dafür jederzeit den Blick auf die Ausgrabungsstätte zu. Große Glasfenster werden in die Stahlkonstruktion eingesetzt. Eine Treppe wird in die vor der Witterung geschützten Kellerräume führen. In gut zwei Monaten soll alles fertig sein, die feierliche Eröffnung des Komplexes plant die Margit-Horváth-Stiftung für den 25. September. (eda)

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