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Stadt will die Kastrationspflicht

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Streunende Katzen und ihre Nachkommen landen häufig im Tierheim. Eine Kastrationspflicht soll die Situation entspannen.
Streunende Katzen und ihre Nachkommen landen häufig im Tierheim. Eine Kastrationspflicht soll die Situation entspannen. © andré hirtz

Streunende Katzen vermehren sich unkontrolliert - und sorgen für volle Käfige und leere Kassen im Tierheim. Das wird sich in Darmstadt nun ändern: Schon 2015 sollen Halter verpflichtet werden, ihre freilaufenden Katzen zu kastrieren.Wenn nicht, droht ein hohes Bußgeld.

Tierschützer fordern sie längst: Die Kastrationspflicht für freilaufende Katzen. In Zusammenarbeit mit dem Tierschutzverein bereitet die Stadt nun die Einführung fürs erste Quartal 2015 vor, teilte die städtische Pressestelle mit. Rechtliche Grundlage ist eine Delegationsverordnung des Umweltministeriums für den Tierschutzgesetz-Paragrafen 13b, die es Kommunen erlaubt, die Kastrationspflicht per eigener Verordnung umzusetzen.

„Wir freuen uns sehr, dass unsere jahrelangen Bemühungen um eine eindeutige und bindende Lösung nun endlich Früchte tragen“, sagte Carmen Schell vom Vorstand des Tierschutzvereins auf Anfrage. Bürgermeister und Ordnungsdezernent Rafael Reißer (CDU) bezeichnete die Einführung ebenfalls als dringend notwendig.

Eine entsprechende Verordnung werde „das Leid der Tiere erheblich mindern und zum aktiven Tierschutz in der Stadt beitragen“. Ein Arbeitskreis aus Reißer, Vertretern des Veterinäramts und dem Tierschutzverein soll einen Entwurf und die Rahmenbedingungen der geplanten neuen Verordnung ausarbeiten.

Anfang September wurde zuletzt über eine Katzenschwemme im Tierheim berichtet: Folge der wachsenden Population von Streunerkatzen, die sich unkontrolliert vermehren. Viele Halter würden ihre Tiere nicht kastrieren lassen, hieß es damals. Kater würden mit acht bis zehn Monaten geschlechtsreif, Weibchen sogar noch früher.

Zwar seien Katzen anpassungsfähig und können sich in freier Wildbahn durchschlagen. Aber sie seien eben keine reinen Wildtiere; darum sind schwere Erkrankungen wie Katzenschnupfen oder Katzenleukämie weit verbreitet, an denen die Tiere elend zugrunde gehen. Schon lange appellierten Stadt, Tierheim und Veterinäramt an die Vernunft der Katzenhalter, ihre Tiere vor einem ungeschützten Freigang kastrieren zu lassen, heißt es in der städtischen Mitteilung. So werde auch das Risiko von Revierkämpfen deutlich gesenkt.

Hohe Bußgelder geplant

Im Rahmen der Gefahrenabwehrverordnung sollen Halter künftig verpflichtet werden, ihre freilaufenden Katzen kastrieren und kennzeichnen zu lassen. Bei Nichtbeachtung droht ein entsprechendes Bußgeld, über dessen Höhe im Zuge der Beratungen vor Erlass der Verordnung noch entschieden wird, kündigte Reißer weiter an. Fest stehe schon jetzt, dass ein Bußgeld für Halter teurer wird, als eine Kastration. Das Tierheim beziffert die Kosten für die Erstversorgung einer abgegebenen Fundkatze – Entwurmen, Kastrieren, mit einem Chip versehen – auf 500 bis 900 Euro.

Die mehrere Dutzend Fundkatzen, die Anfang September im Tierheim strandeten, hatten ein entsprechend großes Loch in die Kasse der Institution am Alten Griesheimer Weg gerissen. Noch immer sind nicht alle Jungkatzen vermittelt, berichtet Carmen Schell. Das Tierheim hofft auf „die deutliche Reduzierung dieser halbwilden Katzen, wenn die entsprechende Verordnung greift“.

„Trotz des neuen Gesetzes“, so heißt es in der Mitteilung, „setzen Stadt und Tierheim vor allem auf die Einsicht der Halter.“ (rwb)

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