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Wird es wohl bald nicht mehr geben: Gut besuchter Mädchentreff im Max-Rieger-Heim mit Mitarbeiterin Petra Klawitter.

Darmstadt

Stadt streicht Mittel fürs "Maxi"

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Die Stadt Darmstadt streicht die Mittel für eines der ältesten Jugendhäuser in Darmstadt. Damit sorgt die Neustrukturierung der Kinder- und Jugendarbeit für Ärger.

Die Neustrukturierung der offenen Kinder- und Jugendarbeit in Darmstadt sorgt für Ärger. Sie sieht zwar eine Aufstockung der Mittel, aber auch deren Umverteilung vor. Das Max-Rieger-Heim, als „Maxi“ im Martinsviertel eine Institution und eines der ältesten Jugendhäuser Darmstadts, muss voraussichtlich Ende des Jahres seine offene Jugendarbeit einstellen. Die Stadt hat eine Überversorgung im Stadtteil festgestellt und streicht deswegen die Mittel. Hintergrund ist der Neubau eines Jugendhauses 200 Meter entfernt, das der Sozialkritische Arbeitskreis (SKA) betreiben soll. Dieses habe allerdings auch früher schon an selber Stelle existierte, wie Martin Gerber von der SKA-Geschäftsführung bestätigte. Eine Stellenerhöhung gebe es nicht.

In der zum „Maxi“ gehörenden Baas-Halle soll das Personal reduziert und ein neues, stadtweites Bewegungskonzept eingeführt werden. Beim Träger beider Einrichtungen, der Martin-Luther-Gemeinde, ist man geschockt und fühlt sich ohnmächtig. „Wir werden ausgebremst, obwohl uns die Arbeit so wichtig ist“, sagte Pfarrer Frank Briesemeister der FR. Seit 53 Jahren sei das „Maxi“ Anlaufstelle für viele Jugendliche gewesen, Generationen von Bewohnern hätten es durchlaufen. Die Baas-Halle wurde seit 1981 als Sport-und Spielhalle genutzt und kurze Zeit später zum eigenständigen Offenen Kinder- und Jugendhaus.

Als „unglaublichen Vorgang“ kritisierte SPD-Fraktionschef Michael Siebel, „dass sowohl das Max-Rieger-Heim als auch die Baas-Halle geschlossen werden sollen“. Das stimmt so allerdings nicht ganz: „Es ist falsch, dass die genannten Jugendhäuser geschlossen werden sollen“, heißt es auf FR-Anfrage aus dem Jugendamt.

Richtig sei, dass das Angebot der Baas-Halle fortgeführt und weiterhin gefördert werde. In Bezug auf das Max-Rieger-Heim seien Evangelischem Dekanat und Gemeinde Perspektiven im Rahmen der Schulkindbetreuung aufgezeigt worden. Diese würde dann vom Schulamt gezahlt. Auch derzeit gehört die Schulkinderbetreuung schon zum Angebot des „Maxi“.

Großer Einschnitt

Doch gerade die offene Jugendarbeit, in der die Gemeinde sehr engagiert ist und in die sie laut Pfarrer Briesemeister auch Geld investiert hat, liegt den Verantwortlichen am Herzen. Als „einen großen Einschnitt“ bezeichnet Dekanin Ulrike Schmidt-Hesse die Veränderungen, die sie „sehr bedauerlich“ findet, da es sich um wichtige Angebote im Viertel handele und das Haus gut besucht sei. Zwar seien die kirchlichen Träger in die Planung zu dem „inhaltlich guten Konzept“ der Stadt eingebunden gewesen. Bei der Frage, welche Standorte betrieben werden, sei man aber nicht beteiligt gewesen. Sie hoffe, dass die Gemeinde die Schulkindbetreuung übernehme.

Ein Konzept für die Baas-Halle mit den künftigen Ressourcen für eine 0,7-Stelle, statt bisher 1,5 Stellen zu schaffen, werde nicht einfach. Doch alles sei noch offen. Die Mitarbeiter, deren Stellen im Martinsviertel wegfallen, sollen andernorts, etwa im Jugendhaus „Huette“ eingesetzt werden. Zudem sollen die Mittel, die bei „Maxi“ und Baas-Halle wegfallen in den Aufbau der Jugendarbeit im östlichen Stadtteil fließen, der ebenfalls in kirchlicher Trägerschaft ist.

Die Linken bezweifeln, dass die statistische Berechnung den tatsächlichen Bedürfnissen in den Stadtteilen gerecht wird. Sprecherin Kris Hartmann kritisierte, dass bestehende Strukturen abgebaut und „die Ansichten der Beschäftigten ignoriert werden, obwohl diese die Experten vor Ort sind“.

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