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Stadt sieht keine Versäumnisse nach Messerattacke

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Von: Claudia Kabel

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Die Schepp Allee in Darmstadt: Hier soll ein 16 Jahre alter Afghane auf seine Ex-Freundin eingestochen haben.
Die Schepp Allee in Darmstadt: Hier soll ein 16 Jahre alter Afghane auf seine Ex-Freundin eingestochen haben. © André Hirtz (André Hirtz)

Nach dem Angriff eines 16-Jährigen auf seine Ex-Freundin in Darmstadt sieht die Stadt keine Versäumnisse bei der Betreuung von Flüchtlingen. Die CDU plädiert für eine medizinische Altersfeststellung.

Nach der Messerattacke eines 16-jährigen Afghanen auf seine 17-jährige Ex-Freundin in der Darmstädter Schepp Allee ist zwar eine landesweite Debatte über die Altersfeststellung bei jungen Flüchtlingen entbrannt. Etwaige Versäumnisse bei der Betreuung des in einer Darmstädter Wohngruppe lebenden unbegleiteten Jugendlichen sieht die Stadt indes nicht. „Wir sind bei der Betreuung gut aufgestellt und agieren im gesetzlichen Rahmen“, sagte Sozialdezernentin Barbara Akdeniz (Grüne) der FR.

Minderjährige Flüchtlinge erhielten die selben psychosozialen Jugendmaßnahmen, die auch hier Geborenen zustünden, die in Obhut des Jugendamtes genommen würden, so Akdeniz. Auf Auffälligkeiten werde reagiert. Dazu, ob der 16-Jährige bereits zuvor aufgefallen sei, wollte sich die Stadträtin nicht äußern. Derzeit werde die Tat in seinem Umfeld aufgearbeitet. Der mutmaßliche Täter sei Darmstadt 2015 zugewiesen worden. Sein Alter sei nicht hier, sondern in Frankfurt oder Gießen geprüft worden. Im Auftrag der Stadt werden aktuell 221 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in 24 Wohngruppen betreut.

Laut Akdeniz kommt bereits in den Erstaufnahmeeinrichtungen das Gewaltschutzkonzept zum Einsatz, wonach Flüchtlinge darüber aufgeklärt werden, dass in Deutschland Gewalt gegen Frauen und Kinder nicht geduldet und bestraft wird. Die Tat zeige jedoch, dass man nicht nachlassen dürfe zu informieren. Allerdings, betonte die Dezernentin, „ohne den aktuellen Fall kleinreden zu wollen“, komme häusliche Gewalt in allen Nationen und Schichten vor.

CDU für Einrichtung eines Abschiebegefängnisses

Der Vorsitzende der CDU, Paul Georg Wandrey, zeigt sich entsetzt über den Angriff: „Es ist schwer zu ertragen, dass jemand, der in Deutschland Schutz empfangen hat, solche Taten begeht.“ Da es sich augenscheinlich wieder um einen Fall handele, in dem ein Geflüchteter ein falsches Alter angegeben habe, plädierte Wandrey für eine medizinische Altersfeststellung, wenn keine Ausweisdokumente vorliegen. Allerdings sei dieses Problem nicht auf kommunaler Ebene zu lösen.

Die CDU sprach sich vor diesem Hintergrund für die Einrichtung eines Abschiebegefängnisses, wie von der Landesregierung geplant, in Darmstadt aus. Aber mit Blick auf den aufkommenden Hass gegen unschuldige Flüchtlinge wandte sich Wandrey auch gegen eine Verallgemeinerung: „Die Kriminalstatistik zeigt, dass nur eine kleine Zahl der Gewaltverbrechen von Zuwanderern verübt werden.“ 2016 seien das in Darmstadt 10,6 Prozent gewesen.

Der 16-Jährige soll eine 17-jährige Marokkanerin zwei Tage vor Weihnachten mit zehn Messerstichen schwer verletzt haben. Er sitzt derzeit wegen versuchten Mordes in Untersuchungshaft. Zudem prüft die Staatsanwaltschaft sein Alter.

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