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Holger Bergoint, der Pächter des Zoo-Cafés, fühlt sich vom Eigenbetrieb der Stadt gegängelt.

Darmstadt

Stadt kündigt „Eulenpick“-Wirt

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Das Café „Eulenpick“ im Vivarium erhält Anfang 2018 einen neuen Pächter. Zwischen dem derzeitigen Betreiber und dem Eigenbetrieb der Stadt gärt es seit längerem.

Holger Bergoint ist seit 28 Jahren Wirt im Café „Eulenpick“, das sich direkt am Eingang des Darmstädter Tierparks Vivarium befindet. Doch in zweieinhalb Monaten endet in dem städtischen Zoo eine Ära. Der Betreiber des Vivariums, der Eigenbetrieb für kommunale Aufgaben und Dienstleistungen (EAD), hat dem Gastronomen zum Jahresende gekündigt. Nach einer Ausschreibung seien inzwischen einige Bewerbungen für die Nachfolge eingegangen, teilte Daniel Klose, der stellvertretende Pressesprecher der Stadt, auf Anfrage der FR mit. Bislang gebe es noch keine Entscheidung darüber, wer künftig für den gastronomischen Betrieb zuständig sein werde. Nach den Worten Kloses soll das Café neu ausgerichtet und modernisiert werden.

Für den 56-jährigen Betreiber des saisonal gut besuchten Ausflugslokals kam die Kündigung indes nicht unerwartet. Denn schon seit längerem schwelte ein Konflikt zwischen ihm und dem städtischen Eigenbetrieb. Der EAD hatte voriges Jahr, als Bergoint aus gesundheitlichen Gründen vorübergehend einen Ruhetag eingeführt hatte, mit Schadensersatzforderungen gedroht.

Obwohl inzwischen der Betrieb wieder regulär lief, engagierte der EAD im Frühjahr die Berliner „Food Consultant“ Beate Schöndienst, um das gastronomische Konzept des „Eulenpicks“ zu überarbeiten. Unter dem Label „Schöne.Dienste“ bietet die Köchin, die im Gourmet-Restaurant des Luxushotels „Atlantic Kempinski Hamburg“ ausgebildet wurde, Food-Konzepte, Eventkonzepte und Gastroberatung an. Schöndienst sagte der FR, sie habe Mitarbeiter des EAD auf einer Jahrestagung des Verbands der Zoologischen Gärten kennen gelernt. Mit der Erarbeitung eines Foodkonzepts für das Vivarium sei sie beauftragt worden, weil sie schon entsprechende Erfahrungen im Zoo in Landau und in einem Vogelpark in Mecklenburg-Vorpommern habe vorweisen können.

„Sie mischte mir den ganzen Laden auf“, berichtet Bergoint. Sie habe Dekoartikel und Bilder von den Wänden genommen, einen Lichtervorhang entfernt, Sitzkissen ausgetauscht und neue Speisen entwickelt, so Bergoint. Statt Pommes und Schnitzel sollte es leichte Küche geben. Etwa Salate aus Zutaten, die auch die Zootiere bekommen. Die Idee habe er daher auch in das Angebot aufgenommen. Dennoch seien bei seinen Gästen – darunter vor allem Familien mit Kindern– Pommes und Würstchen sehr beliebt.

Die Beraterin wollte Bergoint - entsprechend den Beschlüssen der städtischen Gremien – auch dazu bringen, Lebensmittel aus der Region zu verarbeiten. Auch sollte das Team des Cafés bestimmte Arbeitskleidung tragen. Dabei seien einheitliche Schürzen und Kochkleidung schon Standard. Man habe ihn „wie einen Angestellten des EAD behandelt“, sagt Bergoint.

Schöndienst, die für den EAD auch ein „Konzept für die Schulverpflegung“ erarbeitet hat, sagt, sie habe sich ein halbes Jahr lang bemüht, zusammen mit dem Pächter ein zukunftsfähiges Konzept zu entwickeln. Bergoint sei allerdings „leider nicht kompromissbereit“ gewesen. Fleisch aus der Massentierzucht in der Friteuse zuzubereiten, halte sie in einem modernen Zoo allerdings für „nicht zeitgemäß“.

Laut Hotel- und Gaststättenverband gibt es keine Grundlage für solche Vorgaben, es sei denn, sie sind im Pachtvertrag geregelt. „Wenn es keine Regelungen hinsichtlich eines Konzeptes gibt, sehe ich keine Chance, dass irgendwelche Vorgaben erteilt werden können“, sagte Pressesprecher Sebastian Maier der FR.

Schöndienst wollte sich auf Nachfrage nicht dazu äußern, ob sie gegenüber Bergoint geäußert habe, dass sie ein Tageshonorar von 800 Euro von der EAD erhalten habe. Ihr Honorar sei im Verhältnis zu ihrem langfristig angelegten Konzept, das jedoch nur wenige Seiten umfassen soll, „irrelevant“, sagte sie.

Bei der viel zu kleinen Küche sieht Bergoint den größten Handlungsbedarf für die Zukunft. Benötigt werde dort schon lange ein Fettabscheider, den der EAD ihm nicht eingebaut habe. Dass er nicht juristisch gegen die Kündigung vorgeht, um sich gegen die von ihm verspürte Einmischung zu wehren, begründet der Pächter des „Eulenpick“-Cafés damit, dass sein Pachtvertrag jeweils nur ein Jahr gültig gewesen sei. Ihm sei klar gewesen, dass man nicht verlängern würde, wenn er sich querstellt. Nun steht er vor den Trümmern seiner Existenz und mit ihm ein festangestellter Mitarbeiter.

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