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Die Lincoln-Siedlung von der Noackstraße aus in Richtung Süden.

Darmstadt Lincoln-Siedlung

Stadt kauft Lincoln-Siedlung

In die lange Diskussion um die Nutzung der Darmstädter Lincoln-Siedlung kommt endlich Bewegung: Stadt und Bauverein AG wollen das Areal übernehmen, um Wohnraum für 3000 Menschen zu schaffen.

Mit einer überraschenden Mitteilung aus dem Rathaus ist am Freitag Bewegung in die lange Diskussion um die Nutzung der Darmstädter Lincoln-Siedlung gekommen. Stadt und Bauverein AG wollen das Areal komplett von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) übernehmen, um dort Wohnraum für 3000 Menschen zu schaffen.

Der lange Dornrößchenschlaf der Lincoln-Siedlung – 2008 von den Amerikanern verlassen und seitdem leerstehend – ist damit offenbar beendet. Der Magistrat hat am Mittwoch dieser Woche ein überarbeitetes Entwicklungskonzept für das Gelände westlich der Heidelberger Straße verabschiedet, wie die städtische Pressestelle mitteilte.

Auf dieser Grundlage will die Stadt zusammen mit dem Bauverein das Recht der Kommune zum Erstzugriff auf das dem Bund gehörende Areal ausüben und die Siedlung direkt von der Bima kaufen; sie ist bundesweit mit der Vermarktung der ehemaligen Militärflächen beauftragt.

Das Geld für den Kauf der Siedlung – die Summe wurde nicht genannt – soll vom Bauverein kommen, der das Areal in enger Abstimmung mit der Stadt entwickeln wird. Ein großer Teil des Kaufpreises soll nach den Worten von Hans-Jürgen Braun, Vorstandsvorsitzender des Bauvereins, durch die Weiterveräußerung an andere Unternehmen zurückfließen.

Ursprüngliche Planung war zu teuer

Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) sagte zur geplanten Übernahme der Siedlung, die von verschiedenen Gremien wie der Stadtverordnetenversammlung und dem Aufsichtsrat des Bauvereins noch gebilligt werden muss: „Es war für uns immer das Ziel, ein so wichtiges Entwicklungsgebiet wie die Lincoln-Siedlung selbst zu erwerben. Diesen Punkt haben wir selbst in den schwierigsten Verhandlungspositionen nie aus den Augen verloren. Dass wir jetzt mit der Bauverein AG als unserem Partner diesen Schritt gehen können, ist ein großer Erfolg und eine zentrale Weichenstellung für die Konversion in Darmstadt.“

Es stehe außer Zweifel, so erklärte Baudezernentin Brigitte Lindscheid (Grüne), dass die kommunalen Entwicklungsvorstellungen am besten zu verfolgen seien, wenn die Siedlung in stadtnahes Eigentum komme. Auf dem Areal soll ein neues Quartier für rund 3000 Menschen samt Schul- und Betreuungsmöglichkeiten geschaffen werden. Wie Partsch berichtete, war dem Bauverein die ursprüngliche Planung der Stadt für das neue Quartier zu teuer. Dem überarbeiteten Konzept habe das kommunale Wohnungsunternehmen aber zugestimmt.

15,4 Millionen Euro gehen an die Stadt

Wie Braun erläuterte, war der Bauverein stets eng in die Verhandlungen eingebunden: „Wir waren nie außen vor und haben der Stadt Hinweise gegeben, wie der erste Plan zu verbessern wäre.“ Nun könne man guten Gewissens die Gelegenheit zur Übernahme der Siedlung nutzen.

15,4 Millionen Euro muss das Unternehmen als Investor an die Stadt zahlen für die Herrichtung der sozialen und technischen Infrastruktur. So soll beispielsweise in der Siedlung eine neue Grundschule und eine weitere Kita gebaut werden.

Der Aufsichtsratsvorsitzende des Bauvereins, Ctirad Kotoucek, kündigte eine Sondersitzung des Gremiums im Februar an, bei der das Vorhaben dann gebilligt werden soll. „Normalerweise hätten wir erst im März wieder getagt“, so der CDU-Vorsitzende, „aber wir wollen die Dynamik aufnehmen“.

In zwei, drei Wochen – „nach der nächsten Stadtverordnetenversammlung am 6. Februar“, so Partsch – werde Bima-Vorstand Axel Kunze nach Darmstadt kommen, um mit ihm und Braun den Vertrag abzuschließen. ryp

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