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ETA-Laborfabrik der TU Darmstadt auf der Lichtwiese: Hier wird seit 2016 an Energieffizienz geforscht und hier entstand das Konzept für das Delta-Projekt.
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ETA-Laborfabrik der TU Darmstadt auf der Lichtwiese: Hier wird seit 2016 an Energieffizienz geforscht und hier entstand das Konzept für das Delta-Projekt.

Darmstadt

Millionenprojekt: Darmstadt testet Energiewende vor Ort

  • Claudia Kabel
    VonClaudia Kabel
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Heizt der Supermarkt bald das Wohnquartier? Das Darmstädter Projekt „Reallabor Delta“ ist vom Bund ausgewählt, um auszuloten wie Klimaziele durch Synergieeffekte erreicht werden können. Es soll Vorbild für andere Städte und Regionen sein.

Wie die Klimakrise in den Griff zu bekommen und die Energiewende zu schaffen ist, das soll innerhalb der nächsten fünf Jahre in Darmstadt erforscht und in der Praxis getestet werden. Dafür hat sich in Darmstadt ein Konsortium aus 25 Firmen, Einrichtungen und Institutionen aus Industrie, Bildung und Stadt zum „Reallabor Delta“ zusammengeschlossen. Das Projekt wurde vom Bund unter 90 Bewerbern ausgewählt und ist eines von 20 Reallaboren zur Energiewende. Es ist das Einzige seiner Art in Hessen. Laut Andreas Feicht, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, sollen alle Reallabore „als Blaupausen für andere Regionen dienen“.

Abwärme aus Supermärkten nutzen

Der Projektleiter und Vizepräsident der Technischen Universität (TU) Darmstadt, Jens Schneider, sieht Delta sogar „als Schlüssel zur Energiewende“, wie er am Dienstag während der Auftaktveranstaltung sagte. Es werde viel über erneuerbare Energien gesprochen, so Schneider. Wenig Beachtung finde jedoch die Effizienzsteigerung, also die Nutzung vorhandener Energie, die derzeit einfach verpuffe.

Das Projekt

Delta zählt zu den 20 Gewinnern des Ideenwettbewerbs Reallabore der Energiewende des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. In Hessen ist es das einzige Reallabor.

Reallabore setzen zukunftsweisende Projekte im industriellen Maßstab um. Sie sollen die Energiewende voranbringen. Ziel ist es, die Konzepte unter realen Bedingungen so weit auszuarbeiten, dass sie sich auf andere Quartiere und Städte übertragen lassen.

Erste Ergebnisse sollen in ein bis zwei Jahren vorliegen. Bis 2026 sollen alle Versuche umgesetzt und erprobt sein.

14 500 Tonnen CO2 sollen durch Delta jährlich eingespart werden. Dies entspricht dem CO2 -Fußabdruck von 1600 Menschen in Darmstadt. cka

Infos unter: www.delta-darmstadt.de

Mit dem Ziel der CO2-Einsparung sollen nicht nur neue Technologien zur Einsparung, sondern auch Synergieeffekte unter realen Bedingungen erprobt werden. Könnte man zum Beispiel die Abwärme von Supermärkten nutzen, um Wohnquartiere zu beheizen? Könnte man auf Parkhäusern Photovoltaikanlagen installieren, die über einen Energiespeicher und Zapfsäulen die geparkten E-Autos gleich aufladen?

Darmstadt: Müllheizkraftwerk soll Wasserstoff produzieren

So soll als Teil des Forschungsprojekts am Müllheizkraftwerk in Darmstadt die Infrastruktur für die Produktion und Nutzung von Wasserstoff aufgebaut werden. Ziel ist es, den Fuhrpark des städtischen Abfallentsorgers EAD auf Wasserstoff umzustellen, Überschüsse könnten ins Gasnetz des Energieversorgers Entega abgegeben werden. Das Pharmaunternehmen Merck will auf seinem Gelände ausloten, wie Abwärmeüberschüsse genutzt und neue Abwärmequellen integriert werden können. Der Bauverein, der wie Merck, Entega und EAD zum Konsortium gehört, erhofft sich Lösungen, um seine Bestandsgebäude klimafreundlich sanieren zu können. Und im neuen Quartier Ludwigshöhviertel soll die optimale Nutzung konventioneller Baustoffe und der Nutzen zentraler Haustechnikanlagen getestet werden. Bei Delta sollen auch Start-ups mit pfiffigen Ideen zum Zuge kommen: Etwa die Firma Smart-Klima: „Wir werden Musterwohnungen des Bauvereins mit unserem Systembaukasten ausrüsten und den Beweis antreten, dass man mit ganz einfachen Mitteln 60 Prozent Energie im Altbau einsparen kann“, sagte Geschäftsführer Georg Meyer. Dabei sollen über die Reduzierung der Feuchtigkeit in Gebäudeteilen Dämmverluste reduziert werden.

Projektvolumen von 110 Millionen Euro

Entwickelt wurde die Projektidee Delta in der 2016 gegründeten ETA-Laborfabrik der TU auf dem Campus Lichtwiese. Ein zentraler Baustein soll laut Nicole Saenger, Vizepräsidentin der ebenfalls beteiligten Hochschule Darmstadt, der Aufbau einer Energieakademie sein, die die Akteure des Projekts zusammenbringt. Darüber hinaus soll an temporären Orten zu unterschiedlichen Themen gearbeitet werden, etwa zur Mobilität oder zum Konsum. Denn das Projekt soll die gesamte Stadtgesellschaft einbeziehen und auf allen Ebenen wirken.

Das Projektvolumen liege bei 110 Millionen Euro, 40 Millionen Euro Zuschuss kämen vom Bund, sagte Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne). Er zeigte sich erfreut, dass das Reallabor in die Stadt geholt werden konnte. Das schon fünfmal als Zukunftsstadt ausgezeichnete Darmstadt habe sich bereits „zu so etwas wie der heimlichen Hauptstadt der Energiewende“ entwickelt. Man werde das Projekt seitens der Stadt und der Politik mit allen Kräften unterstützen.

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