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Stadion soll kein Aufreger sein

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Luftige Perspektive: das Stadion am Böllenfalltor.
Luftige Perspektive: das Stadion am Böllenfalltor. © SV Darmstadt 98

Die Planungen fürs „Bölle“ schreiten voran. Die Lösung solle finanzierbar und für Verein und Fans akzeptabel sein. Die Stadt bemüht sich zudem um die Akzeptanz der Bürger.

Die Bauleitplanung für den Umbau des Stadions am Böllenfalltor zu einer modernen Sport- und Versammlungsstätte hat einen wichtigen Schritt hinter sich gebracht: Am vergangenen Freitag endete die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit, die sich Pläne ansehen und Einwände vorbringen konnte. Diese werden geprüft und gehen eventuell in die Planungen ein.

Knackpunkte, das räumte Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) ein, sind die Beschwerden von Menschen aus dem benachbarten Steinbergviertel über Lärm und wild zugeparkte Straßen und Einfahrten bei Heimspielen des SV Darmstadt 98. „Wir nehmen die Interessen sehr ernst“, betonte Partsch. Ziel sei, mit dem Bauleitplanverfahren Rechtssicherheit zu bekommen. Klagen gegen die Pläne könnten das Projekt verzögern.

Wie Partsch erläuterte, sind in einem vom Zentrum für Integrierte Verkehrssysteme erarbeiteten Konzept Schutzzonen vorgesehen, bei denen temporäre Absperrungen die Wohnviertel rund ums Stadion vorm Zuparken bewahren sollen. Dazu gibt es drei Varianten: nur das Steinbergviertel, zusätzlich das Paulusviertel und als größte Zone, Steinberg-, Paulus- und ein Teil des Woogsviertel nördlich der Lichtwiese und östlich des Alten Friedhofs.

Verschiedene Varianten sind auch beim Verhältnis von Sitz- und Stehplätzen im Gespräch. Unter anderem soll geprüft werden, ob es gegenüber der Haupttribüne und an den beiden Seiten eine Mischform geben kann: unten Steh-, oben Sitzplätze.

Kompromiss nötig

„Wir sind bei der Zahl der Stehplätze nicht festgelegt“, sagte Partsch. Eine Lösung müsse aber finanzierbar und für Verein und Fans akzeptabel sein. Das erfordere einen Kompromiss: „Ein aufwendiger Umbau des Stadions, das hinterher so sein soll wie vorher, das geht nicht“, verdeutlichte Partsch. Am Montag, 13. Juli, gibt es eine Bürgerinformationsversammlung zum Stand der Stadionumbaupläne; Einwände und Anregungen von Bürgern werden geprüft und die Pläne im Herbst öffentlich ausgelegt.

Bis zum Herbst nächsten Jahres, so hofft der Magistrat, könnte die Stadtverordnetenversammlung Baurecht schaffen. Schon im Herbst sollen die Ausschreibungen ergehen. Aufträge könnten erst nach dem Satzungsbeschluss erteilt werden, so Partsch. Dieses parallele Verfahren sei risikobehaftet wegen denkbarer Klagen, spare aber Zeit. „Wir geben nur Eckdaten vor, zum Beispiel 18 098 Zuschauer. Wenn dann ein schlauer Planer kommt, und es werden die Lärm-Emissionsgrenzen eingehalten, kann das Fassungsvermögen auch größer ausfallen.“

Eine Informationsveranstaltung am Donnerstag in der Orangerie zum Anwohnerschutzkonzept verlief derweil kontrovers und konstruktiv. Kritisiert wurden etwa mangelnde Parkalternativen oder Kontrollen. Die Akzeptanz der Anwohner sei für den Stadionumbau sehr wichtig, sagte Partsch. Er schickte voraus, dass die Situation künftig auf jeden Fall besser sein werde.

Wie Joachim Bothe vom Architekturbüro „Albert Speer und Partner“ darlegte, soll das Stadion rundherum eingehaust und an den Ecken geschlossen sein, zudem würden alle vier Tribünen überdacht. „Damit der Innenraum beschallt wird und nicht die Nachbarschaft.“

Ziel des im Lauf der Hinrunde greifenden Anwohnerschutzkonzepts soll sein, das Fremdparken mittels Absperrungen und kontrollierter Ein- und Ausfahrten zu reduzieren.

Angedacht ist, das Quartier rund zwei Stunden vor Spielbeginn bis 15 Minuten nach Anpfiff abzusperren. Anwohner bekämen Berechtigungsausweise, Besucher jedoch nicht. Hier kamen einige Einwände aus dem Publikum. Moniert wurde das zu kurze Zeitfenster für die Sperrung, weil Fans oft schon früher anreisten. Mehrfach wurde skeptisch angemerkt, wo denn Autofahrer alternativ parken sollen. Auch die Mehrkosten wurden kritisch kommentiert, da diese letztlich der Steuerzahler trage. Ein Mann fragte, warum man zum Schutz der Anwohner nicht einfach Knöllchen verteile. (ryp/aw)

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