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Oberstaatsanwalt Robert Hartmann informiert die Presse.
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Oberstaatsanwalt Robert Hartmann informiert die Presse.

Ermittlungen

Giftanschlag in Darmstadt: K.-o.-Tropfen in Getränken - Staatsanwalt wittert Geheimnisverrat

  • Jens Joachim
    VonJens Joachim
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An der TU Darmstadt erleiden nach einer Giftattacke sieben Menschen teilweise schwere Vergiftungen. Die Staatsanwaltschaft Darmstadt ermittelt wegen versuchten Mordes und beim Polizeipräsidium Südhessen wird die 40-köpfige Mordkommission „Licht“ eingerichtet. Bei der Untersuchung des TU-Gebäudes auf dem Campus Lichtwiese wurden nach einem unbestätigten Bericht Spuren von K.-o.-Tropfen gefunden. Die Staatsanwaltschaft prüft nun, Ermittlungen wegen des Verdachts des Geheimnisverrats einzuleiten.

Update vom Freitag, 27.08.2021, 16.10 Uhr: Bei dem Giftanschlag an der Technischen Universität (TU) Darmstadt haben der oder die Täter:in vermutlich K.-o.-Tropfen eingesetzt. Das habe angeblich eine Analyse des hessischen Landeskriminalamts ergeben, berichtet „Der Spiegel“. So sei in Filterbehältern für Teewasser, geöffneten Milchpackungen und weiteren Lebensmitteln in mindestens einer Teeküche der Stoff 1,4-Butandiol (BDO) gefunden worden. Da dieser in hoher Dosierung zur Bewusstlosigkeit führen kann, wird umgangssprachlich von K.-o.-Tropfen gesprochen. Neben BDO seien auch die Gefahrenstoffe Bromphenol und Dicyclohexylamin am Tatort nachgewiesen worden, die ebenfalls toxisch wirken können.

Staatsanwaltschaft prüft Ermittlungen wegen möglichen Geheimnisverrats

Oberstaatsanwalt Robert Hartmann, der Sprecher der Darmstädter Staatsanwaltschaft, wollte die Informationen weder bestätigen noch kommentieren. Der Frankfurter Rundschau sagte Hartmann am Freitagnachmittag, es werde nun geprüft, wegen des Verdachts des Geheimnisverrats Ermittlungen einzuleiten.

Hartmann schloss aus, dass die Informationen aus den Reihen der Staatsanwaltschaft oder aus dem Polizeipräsidium Südhessen weitergegeben worden seien. Hartmann hatte „aus ermittlungstaktischen Gründen“ die nachgewiesenen Giftstoffe bewusst nicht nennen wollen, weil es sich um „Täterwissen“ handele.

Auch Einsatzkräfte des Deutschen Roten Kreuzes waren zum Tatort an der Alarich-Weiss-Straße auf dem Campus Lichtwiese beordert worden.

Bei dem Giftanschlag auf dem Campus Lichtwiese der TU Darmstadt waren am Montag im Gebäude L201 an der Alarich-Weiss-Straße, in dem sich der Fachbereich Material- und Geowissenschaften befindet, sieben Menschen verletzt worden. Ein 30-Jähriger schwebte zeitweise in Lebensgefahr.

Giftanschlag an der TU Darmstadt: Staatsanwalt geht von versuchtem Mord aus

Update vom Mittwoch, 25.08.2021, 10.40 Uhr: Darmstadt - Nach dem mutmaßlichen Giftanschlag auf dem Campus Lichtwiese der Technischen Universität (TU) Darmstadt laufen die Ermittlungen der 40-köpfigen Mordkommission. „Das Erste ist jetzt, Zeugen zu vernehmen“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Mittwochvormittag der Deutschen Presse-Agentur. Man ermittele in alle Richtungen und arbeite eng mit der TU zusammen.

Die Mordkommission „Licht“ geht dem Verdacht des versuchten Mordes nach. Das Ermittlungsteam will möglichst rasch den oder die Verursacher:in oder Verursacherinnen der Giftattacke finden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft kann die Mordkommission je nach Stand der Ermittlungen personell auch noch aufgestockt werden.

Giftanschlag in Darmstadt: Kein Opfer mehr im Krankenhaus

Sieben Menschen hatten am Montag Vergiftungserscheinungen aufgewiesen. Ein 30-jähriger TU-Angehöriger befand sich zwischenzeitlich in einem kritischen Zustand. Nach Angaben der Ermittler waren mehrere Milchpackungen und Wasserbehälter mit einem gesundheitsschädlichen Stoff versetzt worden. Um welche Substanz es sich handelt, teilten sie nicht mit.

Auch muss keines der Opfer des mutmaßlichen Anschlags mehr in einem Krankenhaus medizinisch versorgt werden. „Nach unserer Kenntnis sind alle aus der Klinik raus“, sagte ein Sprecher der TU am Mittwoch. Sieben Menschen hatten am Montag Vergiftungserscheinungen aufgewiesen. Sechs mussten in Kliniken behandelt werden. Eine Frau musste nicht ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Hintergrund: Giftanschlag an TU Darmstadt: Polizei, Feuerwehr und Klinik im Einsatz

Giftattacke auf Campus der TU Darmstadt: Mann schwebte in Lebensgefahr

Erstmeldung vom Dienstag, 24.08.2021, 19.13 Uhr: „Wir sind alle tief geschockt“: Manfred Efinger, der seit 13 Jahren Kanzler der TU Darmstadt ist, rang mit den Worten, als er am Dienstag vor dem Gebäude L201, in dem sich der Fachbereich Material- und Geowissenschaften befindet, vor die Kameras und Mikrofone trat, um ein kurzes Statement für das Präsidium der Universität abzugeben.

„Tief geschockt“: TU-Kanzler Manfred Efinger.

Tags zuvor hatten sich in dem Gebäude auch in einer Art Teeküche sieben Menschen nach dem Verzehr von Speisen und Getränken zum Teil schwer vergiftet. Die TU-Angehörigen mussten mit Vergiftungserscheinungen in Krankenhäuser gebracht werden oder wegen gravierender gesundheitlicher Probleme notärztlich versorgt werden. Ein 30-Jähriger schwebte zeitweise sogar in akuter Lebensgefahr.

TU Darmstadt: Allen Vergiftungsopfern geht es besser

Die TU teilte am Dienstagnachmittag via Twitter mit „großer Erleichterung“ mit, allen Vergiftungsopfern gehe es „besser“. Auch die letzten beiden Betroffenen könnten noch am Dienstag die Klinik wieder verlassen.

Nach Ermittlungen des Spurensicherungsteams des hessischen Landeskriminalamts wurden vermutlich am vorigen Wochenende an mehreren Stellen im Gebäude L201 Milchpackungen und Wasserbehälter mit chemischen Substanzen versetzt. Die Beschäftigten der Uni seien „besorgt und beunruhigt“, sagte Kanzler Efinger. Die Universitätsleitung sprach von einem „mutmaßlichen Giftanschlag“.

Darmstadt: TU-Präsidentin erschüttert über Giftanschlag

„Wir sind erschüttert angesichts der offensichtlichen Straftat, die sich an unserer Universität ereignet hat“, teilte TU-Präsidentin Tanja Brühl mit. Brühl und die hessische Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Grüne) sagten den Betroffenen alle notwendige Hilfe zu. „Mein Mitgefühl gilt den Betroffenen, die umfassend ärztlich versorgt werden“, äußerte Brühl.

Sie kündigte an, so schnell wie möglich mit ihnen persönlichen Kontakt aufzunehmen, sofern dies ihr Zustand erlaube. Nach Angaben des TU-Kanzlers Manfred Efinger soll den Betroffenen auch psychologische Hilfe angeboten werden.

Die Polizei sperrte am Montag die Alarich-Weiss-Straße vor dem Gebäudekomplex L201 auf dem Außencampus Lichtwiese der TU Darmstadt ab.

Wer die Getränke mit den giftigen Stoffe versetzt hat, ist bisher unklar, ebenso die Motivation des Täters oder der Täter:innen. Die Darmstädter Staatsanwaltschaft ermittele inzwischen wegen des Verdachts des versuchten Mordes, teilte Oberstaatsanwalt Robert Hartmann, der Sprecher der Ermittlungs- und Anklagebehörde, am Dienstag mit.

Darmstadt: Staatsanwalt macht keine Angaben zu Giftstoffen

Welche Giftstoffe die Polizei in den sichergestellten Lebensmitteln festgestellt habe, die vermutlich zu den Vergiftungserscheinungen bei den sieben Menschen führten, wollte der Oberstaatsanwalt nicht sagen. Er begründete dies mit „ermittlungstaktischen Erwägungen“.

Beim Polizeipräsidium Südhessen in Darmstadt ist inzwischen die 40-köpfige Mordkommission „Licht“ gegründet worden, die nun zügig den oder die Verursacher:innen ausfindig machen will. Die Sonderkommission könne je nach dem Stand der Ermittlungen auch noch aufgestockt werden, sagte Oberstaatsanwalt Hartmann.

Giftanschlag an der TU Darmstadt: Keine Hinweise auf mögliche Täter

Auch bis Dienstagnachmittag gab es noch keine Hinweise auf einen möglichen Täter, eine mögliche Täterin oder zum Motiv. Hartmann sagte, dass auch noch ermittelt werden solle, wer am vorigen Wochenende Zugang zu dem Gebäude gehabt habe. Zudem seien ausführliche Vernehmungen der Geschädigten geplant. Auch würden noch die am „potenziell möglichen Tatort“ gesicherten Spuren von der Polizei ausgewertet, so Hartmann.

Tatort: Im Gebäude L201 befindet sich der Fachbereich Material- und Geowissenschaften der TU Darmstadt.

TU-Kanzler Efinger sagte, das entsprechende Gebäude sei coronabedingt „weitgehend geschlossen“. Zutritt hätten nur Beschäftigte und studentische Hilfskräfte. Weil das Gebäude jedoch mit einer älteren Schließanlagen ausgestattet sei, könne nicht gesagt werden, welche Personen am vergangenen Wochenende oder am Montag das Gebäude betreten oder verlassen hätten.

TU-Campus Lichtwiese: Polizei findet keine weiteren verdächtigen Gegenstände

Am Dienstagvormittag erinnerte an dem Gebäude L201 nichts mehr an das Großaufgebot von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst. Ingenieur Falk Münch arbeitete in einem Nachbargebäude, als er am Montag durch Freunde und soziale Medien von den Vergiftungen hörte. Plötzlich seien überall Polizeifahrzeuge und Krankenwagen gewesen, schilderte Münch, der ein Opfer kennt. Es sei nur das eine Gebäude betroffen gewesen. „Wir sind trotzdem vorsichtig.“

Bei der weiteren Suche in Gebäuden auf dem Campus, auf dem unter anderem Studierende in Maschinenbau, Bauingenieurswesen und Naturwissenschaften ausgebildet werden, seien aber keine weiteren verdächtigen Gegenstände gefunden worden, teilten die Ermittler mit. Bis Dienstagnachmittag hätten sich auch keine weiteren Menschen mit Vergiftungserscheinungen gemeldet, äußerte ein Polizeisprecher und ein TU-Sprecher auf Nachfrage.

Darmstadt: Polizei warnt vor dem Verzehr von Lebensmitteln

TU-Kanzler Efinger und Polizeisprecher Bernd Hochstädter empfahlen dringend, auf dem Campus nur Lebensmittel zu verzehren, die jederzeit unter Aufsicht aufbewahrt worden seien. Es gebe aber keine akute Gefährdung mehr.

Auch Darmstadts OB Jochen Partsch (Grüne) äußerte sich erschüttert: „Die gesamte Stadt steht hinter der TU und vor allem den Opfern, die sich unserer Unterstützung und Solidarität sicher sein können.“ (Jens Joachim mit dpa)

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