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Spuren des Jugendstils

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Die Mathildenhöhe als Kulturerbe

Die Mathildenhöhe hat nach Ansicht von Darmstadts früherem Denkmalpfleger Nikolaus Heiss gute Chancen, in die Welterbeliste der Unesco aufgenommen zu werden. Über das Kulturdenkmal sprach Heiss am Mittwoch in einem Vortrag der Akademie 55plus.

Bis Ende Juli will Heiss, der von der Stadt als Koordinator für die Mathildenhöhe eingesetzt wurde, den Antrag abgeben, der das Jugendstil-Ensemble für den Weltkulturerbe-Titel vorschlägt. „Dazu müssen wir die Einzigartigkeit der Mathildenhöhe nachweisen und die erhaltene Originalsubstanz detailliert belegen“, sagte Heiss. Es gehe darum, diesen „Ort der Ideen“ mit seiner Bedeutung für die europäische Kunst- und Kulturgeschichte herauszustellen.

Mit der Forderung, neue Wege zu beschreiten und eigene Ideen zu entwickeln, hatten sich die Jugendstilkünstler Ende des 19. Jahrhunderts von dem bis dahin vorherrschenden, an vorangegangenen Stilepochen orientierten Historismus abgesetzt. In Darmstadt konzipierte Joseph Maria Olbrich mit der ersten Ausstellung der Darmstädter Künstlerkolonie im Jahr 1901 nicht nur die weltweit erste Bauausstellung. Vom Gartenbau über die Architektur bis hin zur Inneneinrichtung wurde ein Gesamtkunstwerk geschaffen. Die Wirkung der Künstlergemeinschaft ist dabei nicht nur auf die Mathildenhöhe begrenzt. Ob die Innenausstattung des Jugendstilbades oder das Löwentor auf der Rosenhöhe – die Spuren des Jugendstils sind im gesamten Stadtgebiet zu finden.

Besondere Kulturepoche

Mitglieder der Künstlergruppe wie Peter Behrens, Bernhard Hoetger oder Heinrich Jobst trugen ihre Gestaltungsideen weit über die Darmstädter Stadtgrenzen hinaus. Heiss ist überzeugt, dass die Künstlerkolonie die Darmstädter Gespräche „Mensch und Raum“ ebenso inspirierte wie die Errichtung der Meisterbauten.

Dass einige der bei den Ausstellungen der Künstlerkolonie errichteten Gebäude den Krieg nicht oder nur mit schweren Eingriffen in die Gebäudesubstanz überstanden haben, sei für die Aufnahme der Mathildenhöhe in die Welterbeliste kein Hinderungsgrund. „Entscheidend ist vielmehr, ob ein Konzept besteht, vorhandene Originalsubstanz zu erhalten, Fehlendes zu ergänzen“, sagte Heiss. Gute Chancen für einen positiven Ausgang des Welterbe-Antrags sieht Heiss auch deshalb, weil gerade die Kulturepoche zwischen Historismus und Moderne in der Welterbeliste noch nicht abgedeckt ist. (eda.)

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