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Sprache und Arbeit als Schlüssel

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Sedef Yildiz ist Integrationsbeauftragte des Kreises Groß-Gerau.
Sedef Yildiz ist Integrationsbeauftragte des Kreises Groß-Gerau. © Alexander Heimann

Bei Sedef Yildiz laufen die Fäden der Flüchtlingsbetreuung zusammen. Sie ist die Integrationsbeauftragte des Kreises. Im Februar soll das Integrationslotsenmodell starten.

Integration ist der Schlüsselbegriff, wenn es um das Thema Flüchtlinge und um Menschen aus Kriegsgebieten geht, die in Deutschland Bleiberecht erhalten. Was im Kreis dafür getan wird, erzählt Integrationsbeauftragte Sedef Yildiz. „Flexibilität wird im Moment bei uns ganz anders definiert. Fast jeden Tag kommt etwas anderes“, neue Situationen und Regelungen. So beschreibt Sedef Yildiz die Arbeit, die sich durch die ankommenden Flüchtlinge ergibt. Wenn Unterkünfte und medizinische Erstversorgung organisiert sind, geht es um die Hauptbausteine für die Integration: Spracherwerb und Arbeit.

„Die Gruppen, die ankommen, sind so unterschiedlich“, sagt Yildiz. Zum Beispiel landen auch unbegleitete jugendliche Flüchtlinge im Landkreis, deren Bruder oder Onkel zwar möglicherweise schon dort leben, für die der Kreis aber dennoch die Vormundschaft hat. Auch in diesen Fällen soll das Integrationslotsenmodell greifen, das der Kreis jetzt entwickelt hat und das laut Yildiz im Februar starten wird. Die Familienmitglieder werden dann zusammen untergebracht, aber von sogenannten Lotsen betreut. Rüsselsheim habe schon ein solches Modell für die Betreuung der Flüchtlinge, auch in Groß-Gerau zeige der Jugendmigrationsdienst Interesse und Bereitschaft.

Weil Sprache der Schlüssel zur Integration ist, sind Deutschkurse für die Flüchtlinge wesentlich. Das Sprachkursangebot ist mittlerweile breit gefächert. Von Ehrenamtlichen geleitete Kurse gibt es in allen Kommunen für alle Asylsuchenden. Rund 500 Flüchtlinge nehmen derzeit daran teil. „Diese Sofortmaßnahme am Wohnort ist uns sehr wichtig.“ Die ehrenamtlichen Lehrer seien die Experten an Ort und Stelle, die Koordination laufe über ihr Büro, so Yildiz.

Berufliches Profiling

Zum Spracherwerb hinzu komme in diesem Fall ein berufliches Profiling, erläutert Yildiz. Dazu nehmen Mitarbeiter der Bundesagentur für Arbeit (BA) Kontakt mit den Flüchtlingen auf. Seit November bieten Kreisvolkshochschule und VHS Rüsselsheim zehn solche von der Bundesagentur finanzierte Kurse an. Sie stehen Flüchtlingen aus Syrien, Iran, Irak und Eritrea zur Verfügung. „Wir haben aber auch viele Flüchtlinge aus Afghanistan, Pakistan oder Somalia.“ Für sie gibt es Alternativen, die allerdings oft mit Wartezeiten verbunden sind. Gemeinsam mit der Volkshochschule sei ein Konzept mit drei Modulen für diese Kurse entwickelt worden, berichtet Yildiz. Es berücksichtige zum Beispiel auch, dass einige Flüchtlinge Analphabeten sind.

Insgesamt sei es Ziel, „die Sprachlandschaft auf Dauer zu verbessern“, drückt Sedef Yildiz den Wunsch aus, dass niemand beim Kursangebot vernachlässigt wird. Deutschkenntnisse brauche jeder, egal ob er zwei Monate, zwei oder 20 Jahre im Land sei.

Einen Schritt weiter geht das Angebot Mia (Migranten in Arbeitserprobung), das im Januar startet. Dabei lernen die Teilnehmer an zwei Tagen in der Woche Deutsch, an drei Tagen arbeiten sie. Ein halbes Jahr dauert dieser Einsatz, für den Caritas, Diakonisches Werk und Kreisvolkshochschule die Träger sind.

Zudem hat der Kreis in seinem Jobcenter eine Fachstelle für Flüchtlinge und Bleibeberechtigte angesiedelt. Deren Mitarbeiter, von denen zwei arabisch sprechen, wollen sich vor allem um die Syrer kümmern, die rasch eine Bleibeberechtigung und damit eine Grundsicherung als Arbeitsuchende erhalten.

„Wir arbeiten alle kreuz und quer gemeinsam, und zwar ziemlich gut“, sagt Yildiz. Ihr gehe es darum, einen funktionierenden Rahmen zu schaffen – für alle, auch für Zugewanderte aus EU-Ländern. An einer schriftlichen Erstorientierung für sie werde gearbeitet. Zudem ist ihr Büro Partner für Kommunen, Migrantenorganisationen und die Fachbereiche im Landratsamt. Es gibt also genug zu tun. Yildiz: „Im Moment sitzen wir alle nach Feierabend sehr müde im Auto – aber mit einem Lächeln im Gesicht.“ (amt)

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