1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Darmstadt

Spott für die CDU

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Die CDU im Landkreis hat mit ihrer Idee, die Gymnasien im benachbarten Darmstadt auszubauen und auch finanziell stärker zu unterstützen, Spott und Entsetzen bei allen anderen Kreisparteien geerntet. Das Spektrum der Ablehnung reichte von der äußersten Linken bis zur bürgerlichen FDP und den Freien Wählern.

„Ich bin zutiefst enttäuscht, dass die CDU diese unsägliche Debatte der letzten 40 Jahre wieder aus dem Keller holt“, sagte die FDP-Schulexpertin Sigrid-Inge Slabon. „Denn in Darmstadt steht zwar Gymnasium drauf, aber bei uns ist in vielen Schulen Gymnasium drin“.

Brigitte Harth von den Grünen höhnte in Richtung CDU: „Sollen wir den Darmstädtern ihre maroden Gymnasien sanieren und einfach mal so ein bisschen Geld rüberschieben?“

Achim Grimm enthält sich

Und Martin Griga (SPD) ätzte: „Das ist ein Schlag ins Gesicht für alle Lehrer im Landkreis. Sagen Sie doch gleich, dass sie von den Kooperativen Gesamtschulen im Kreis nichts halten und tatsächlich glauben, dass dies keine vollwertigen Gymnasien sind.“ Er selbst sei der lebende Beweis für eine Bildungskarriere außerhalb von Darmstadt. „Ich habe mein Abitur in Pfungstadt gemacht und konnte bisher nicht feststellen, dass ich weniger qualifiziert bin.“

Dabei hatte es die CDU im Landkreis eigentlich nur gut gemeint und gemeinsam mit den Christdemokraten in Darmstadt die Initiative ergriffen. Der bildungspolitische Unionssprecher Marco Hesser bemühte sogar theatralisch den Weltkindertag für seine Argumentation. Er sprach vom Wunsch nach „bestmöglicher Schulbildung“ und von „Wahlfreiheit“, ohne allerdings die Position weiter zu unterfüttern. „Wir wollen einfach vermeiden, dass die Darmstädter Gym-nasien jedes Jahr rund 100 Kreiskinder abweisen.“

Nach fast einstündiger Parlamentsdebatte fühlte sich die Union dann aber an die Wand geredet. Niemand wollte ihren Argumenten folgen. Selbst im eigenen Lager dämmerte es offenbar manchem, dass der Vorstoß eher ins Darmstädter Stadtparlament gehörte und nicht in den Kreistag.

Lutz Köhler (CDU) versuchte, den Flurschaden zu begrenzen und legte ein Bekenntnis für die Kreisschulen ab. Sein Versuch, den eigenen Antrag nicht abstimmen zu lassen, sondern in den Ausschüssen aufzubereiten, misslang.

Beim Händeheben scherte dann auch noch der Groß-Zimmerner CDU-Bürgermeister Achim Grimm aus. Seine Parteifreunde drehten sich erschrocken um, nachdem er sich als einziger der Stimme enthalten hatte. ( sami)

Auch interessant

Kommentare