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Spontanes Heimkino

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Filme leihen, wann immer es beliebt: Die Reform des Ladenöffnungsgesetzes macht's möglich.
Filme leihen, wann immer es beliebt: Die Reform des Ladenöffnungsgesetzes macht's möglich. © Roman Grösser

Filme leihen, wann es beliebt: Die Reform des Ladenöffnungsgesetzes macht's möglich.

Schon seit Anfang des Jahres haben Filialen der Verleih-Kette Video-Profis sonntags geöffnet. "Am Anfang kam kaum jemand, aber inzwischen hat es sich herumgesprochen und wird gut angenommen", berichtet Markus Hahn, der in der Zweigstelle in der Eschollbrücker Straße arbeitet. Gestern etwa seien so viele Kunden gekommen wie an einem normalen Wochentag - "nicht wie montags oder freitags, aber wie an einem guten Mittwoch". Viele freuten sich, spontan einen Film leihen zu können und nicht mehr für das ganze Wochenende vorplanen zu müssen.

Für Ulrich Born, Geschäftsführer der Tomin Video GmbH, die die vier Video-Profi-Filialen in Darmstadt und Griesheim sowie weitere Verleihgeschäfte im Raum Frankfurt betreibt, ist das nur logisch: "Mancher Kunde war verdutzt, dass er sonntags zwar ins Kino gehen, aber keinen Film in der Videothek ausleihen und zu Hause ansehen durfte", sagt er.

Vergangene Woche hat der hessische Landtag mit den Stimmen von CDU und FDP die Reform des Hessischen Feiertagsgesetzes und des Ladenöffnungsgesetzes am Abend beschlossen. Wie in neun anderen Bundesländern dürfen jetzt auch in Hessen Videotheken, Bibliotheken und Autowaschanlagen an Sonn- und Feiertagen öffnen. Das Gesetz sollte ursprünglich schon vor Weihnachten verabschiedet werden. "Von der Politik hieß es, dass die Neuregelung am 1. Januar in Kraft treten solle", erinnert sich Born. "Wir hatten bereits Mitarbeiter eingestellt, als die Opposition eine dritte Lesung des Entwurfs beantragte." Vor diesem Hintergrund hätten die Behörden Verstöße geduldet.

Konkurrenz durch Automaten

Mit ausschlaggebend für die Gesetzesänderung war die neue Konkurrenzsituation der Videotheken, seit es 24-Stunden-Automatenvideotheken gibt. In diesen Einrichtungen läuft der Ausleihvorgang vollautomatisch ab, so dass den Betreibern ein Großteil der Personalkosten erspart bleibt. Und weil dort sonntags außer dem Automaten niemand arbeitet, generierte der Hightech-Verleih einen zusätzlichen Tag Umsatz. Das fanden die hessischen Videothekare so ungerecht, dass sie die Volksinitiative für die Öffnung der Videotheken an Sonn- und Feiertagen ins Leben riefen.

Kirchen, Gewerkschaften und die Opposition im hessischen Landtag waren gegen das Gesetz. Martin Hein, Bischof der evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, wunderte sich: " Ich habe nicht ganz verstanden, warum die FDP-Fraktion an dieser Stelle nun auf diese zwei Bereiche des Wirtschaftslebens besonders Bezug genommen hat, die weder volkswirtschaftlich große Dinge erzeugen, noch etwas zur Sonntagskultur beitragen." Er verweist auf das stetig wachsende Filmangebot, das im Internet herunter geladen werden kann und attestiert den Videotheken ein auslaufendes Haltbarkeitsdatum.

Wir respektieren den Standpunkt der Kirchenvertreter", sagt Video-Profis-Geschäftsführer Born. Deshalb habe man sich auf die Öffnung an Sonn- und Feiertagen ab 13 Uhr geeinigt, "damit die Leute morgens in den Gottesdienst gehen können." Eine Entscheidungssituation sieht er jedoch nicht. Es stelle sich niemand die Frage, ob er nun in die Kirche oder in die Videothek gehe.

Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds in Hessen, Stefan Körzell, nennt die geänderten Öffnungszeiten "wettbewerbsfeindlich" und sieht Einzelunternehmen bedroht. Zudem stünden sie dem Bedürfnis der Beschäftigten in Videotheken nach Erholung an Sonn- und Feiertagen entgegen.

Christian Kässner, Geschäftsführer von Video-Express in Mühltal, widerspricht: "Unser Personal, vor allem Studenten und Schüler, arbeitet gerne sonntags, wenn es dafür einen Mittwoch frei gibt", sagt er. Gezwungen werde niemand. Auch eine Mitarbeiterin der Video-Profis sieht die Neuregelung positiv. "Wir rotieren hier mit 30 bis 40 Mitarbeitern, da kommt jeder mal an einem Sonntag dran." Und solange das nicht jeden Sonntag der Fall sei, sei es ihr recht. (eda/ers)

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