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Frei Toben fördert das Sozialverhalten.

Darmstadt

Spielwiese für Hunde statt Leinenzwang

Initiative beklagt aggressive Kontrollen der Anleinpflicht und schlägt Freilaufzone im Bürgerpark vor.

Luna hört aufs Wort. Als sich ihr Herrchen Tobias Kiesel im Bürgerpark auf eine Bank setzt und „sitz“ sagt, setzt sie sich sofort hin. Das macht sie auch, wenn beim Gassigehen ein Radfahrer naht. Doch als kurz darauf ein anderer Hund vorbeikommt, bellt sie laut los und hechtet in seine Richtung – die Leine hält sie zurück.

Leinen los oder Leinenzwang? Tobias Kiesel ist Teil einer Initiative von Hundehaltern, die sich eine Lockerung der Anleinpflicht in öffentlichen Grünanlagen wünschen. „Hunde an der Leine können nicht mit anderen kommunizieren, sind eingeengt, es kommt zu Stress“, befindet der 35 Jahre alte Martinsviertler. Gleichzeitig betont er: „Ich sehe aber auch die andere Seite: dass es leider viele Menschen gibt, die ihren Hund nicht erzogen haben.“ Insofern sei die Anleinpflicht sinnvoll.

Doch das gelte nur zu Stoßzeiten, in denen Parks stark frequentiert sind. „Außerhalb dieser Zeiten wünschen wir uns die Aufhebung des Leinenzwangs“, schreiben Kiesel und seine Mitstreiter in einer Petition, die mittlerweile mehr als 500 Menschen unterzeichnet haben und die nun dem Ordnungsdezernenten Rafael Reißer überreicht werden soll .

Die Unterzeichner regen außerdem eine Begegnungs- oder Hundeauslaufwiese im Bürgerpark an. Ob Skateranlage für Skater, Basketball- oder Tennisplätze für Sportler oder Spielplätze für Kinder – für alle Interessensgruppen seien dort Einrichtungen vorhanden. „Nur für die Hundebesitzer nicht“, bedauert Kiesel.

Voraussetzung: Erziehung zu Gehorsam

Als Beispiel wird auf die Stadt München verwiesen, wo es mit Pollern gekennzeichnete Wiesen gebe. Für die Hunde sei das wichtig, weil der freie Umgang miteinander ihr Sozialverhalten fördere. Der Vorteil sei auch, dass sich das dann an einem Ort konzentriere. Wäre der denn dann auch eingezäunt? „Wir hätten kein Problem damit“, sagt Kiesel.

Den Ausschlag für den Vorstoß gab, dass die Stadt die Leinenpflicht seit einiger Zeit schärfer kontrolliert und ahndet. „Die fahren nicht mehr nur ein-, zweimal am Tag, sondern kontrollieren bis zu achtmal“, berichtet Tobias Kiesel. Und während es früher zunächst bei einer Verwarnung geblieben sei, werde nun sofort abkassiert. 35 Euro koste das – und beim zweiten Mal zahle man gleich mehr.

Er selbst hat das zwar noch nicht zu spüren bekommen, weil er tagsüber meist mit Luna in den Wald geht. Aber er habe von mehreren Hundehaltern Klagen gehört. Es sei berichtet worden, dass die städtischen Kräfte sehr unfreundlich aufträten. „Wir wehren uns gegen die teils aggressiven und übertriebenen Kontrollen“, heißt es daher im Petitionstext.

Dabei ist sich Kiesel eines Dilemmas bewusst: „Ich möchte den Hund frei laufen lassen, aber gleichzeitig muss er zu hundert Prozent gehorchen.“ In seinem Fall sieht es ganz danach aus. „Aber viele Menschen erziehen ihren Hund antiautoritär, weil der ja so süß ist.“ Keine Grenzen zu setzen sei aber problematisch und aus seiner Sicht auch „Tierquälerei“. Ein Hund sei ein Rudeltier, das Führung brauche.

„Meiner Meinung nach müsste jeder Mensch, der einen Hund haben möchte, einen Hundeführerschein machen“, findet der Hundehalter. „Das hat was mit gegenseitigem Respekt zu tun.“ Und das gilt für ihn sowohl von Mensch zu Tier wie auch von Mensch zu Mensch. aw

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