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Spielen macht Krach

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Angelika Hutmacher (zweite von links) und ihren Nachbarn geht der Lärm auf die Nerven.
Angelika Hutmacher (zweite von links) und ihren Nachbarn geht der Lärm auf die Nerven. © Roman Grösser

„Wenn die so richtig schreien, meint man gerade, ein kleines Schweinchen wird abgestochen“, klagt Angelika Hutmacher. Sie ist nicht die einzige Anwohnerin, die sich über die Wilhelm-Busch-Schule beschweren.

Ein paar Schüler spielen Fangen, andere turnen auf dem Klettergerüst herum. Ein Junge tritt mit Kraft gegen einen Ball, im weiten Bogen segelt er durch die Luft und landet im Tor. Ein Prachtschuss. Die Kinder jubeln.

Nur wenige Meter weiter steht eine Gruppe Erwachsener und jubelt nicht – im Gegenteil: Sie schimpfen. „Wenn die so richtig schreien, meint man gerade, ein kleines Schweinchen wird abgestochen“, klagt Angelika Hutmacher, deren Grundstück direkt an den Wilhelm-Busch-Schulhof in Arheilgen grenzt.

„Den Kindern ist ja kein Vorwurf zu machen“, betont eine Nachbarin. „Das Problem ist, die haben keine Aufsicht und halten keine Ruhezeiten ein“, sagt ein Mann. Die Kinder spielten den ganzen Tag direkt hinter ihren Grundstücken. „Man ist ja nicht empfindlich“, versichert eine weitere Anwohnerin. „Aber das hier ist eine Zumutung.“

Stadt zeigt sich liberal

Aber sind sie etwa nicht freiwillig an eine Schule gezogen, wo man mit Lärm rechnen muss? „Hier war ja nichts“, sagt Hutmacher, die seit 1986 an der Schule wohnt. Erst durch den Ausbau sei alles näher herangerückt. Mittlerweile blicken die Anlieger direkt auf den roten Erweiterungsbau und einen Hort für die Nachmittagsbetreuung, die erst in den letzten Jahren zugenommen hat und Ausdruck des gesellschaftlich geforderten Wandels hin zur Ganztagsschule ist. Passt das etwa nicht zusammen mit dem auf der anderen Seite vorhandenen Bedürfnis nach Ruhe in einer älter werdenden Bevölkerung?

„Der Hort macht keine Probleme“, versichert Hutmacher. Vor einigen Jahren habe die Einrichtung die Nachbarn „zu einem sehr produktiven Gespräch“ eingeladen. An die Schule habe sie sich hingegen schon vor Jahren gewandt, aber nie eine Reaktion erhalten.

Die Schilder am Eingang zum Schulhof geben den Anliegern Recht: „Öffnungszeiten 8 bis 18 Uhr, Ruhezeiten 13 bis 15 Uhr.“ Zumindest, als der Prachtschuss fällt und Torjubel ausbricht, ist es 13.45 Uhr und damit eigentlich Ruhezeit. Doch Schulleiter Guido Bauer lässt sich davon nicht beeindrucken. „Man muss mal prüfen, ob diese Zeiten überhaupt noch maßgeblich sind für die Schule.“

Durch den Ausbau sei nicht nur die Zahl der Schüler gewachsen, sondern auch der Schulhof. Mittlerweile seien etwa 100 Kinder in der Nachmittagsbetreuung. Und dazu gehöre, draußen zu spielen. „Das ist ja klar, dass der Lärm da zunimmt.“ Wer an einer Schule wohne, der müsse das in Kauf nehmen. Er sehe keinen Grund, deswegen mit Anliegern in Kontakt zu treten.

Sigrid Dreiseitel von der städtischen Pressestelle gibt dem Schulleiter größtenteils Recht: „Ruhezeiten sind obsolet.“ Eine entsprechende Lärmverordnung sei seit Jahren außer Kraft. Sie verweist zudem auf einen Beschluss des Stadtparlaments, die Schulhöfe auch für den normalen Spielbetrieb zu öffnen. Die liberale Haltung der Stadt werde zudem von einem Urteil getragen, wonach Kinderlärm von Anwohnern akzeptiert werden müsse. Doch die Fronten an der Wilhelm-Busch-Schule sind verhärtet. Dreiseitels Rat daher: „Es wäre wünschenswert, wenn beide Seiten aufeinander zugehen würden – vor allem auch im Sinne der Kinder.“ ( aw)

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