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Der Spender wird zum Käufer

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Von: Claudia Kabel

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Stöbern wie auf Omas Dachboden.
Stöbern wie auf Omas Dachboden. © Claudia Kabel

Ein Besuch im Secondhandshop der Nieder-Ramstädter Diakonie ist ein besonderes Erlebnis.

Das, wo dein Herz dran hängt und was zu schade zum Wegschmeißen ist, das kannst du mir bringen.“ Sigrid Klingler steht mitten in ihrem Secondhandshop und telefoniert mit einem Spender. In dem Secondhandladen der Nieder-Ramstädter Diakonie fühlt man sich ein bisschen wie auf Großmutters Dachboden. Hierher zu kommen ist mehr als die Jagd nach einem Schnäppchen. Es ist ein Erlebnis. Die mit Haushaltszierrat und nostalgischen Alltagsgegenständen bis unter die Decken gefüllten Räume durften sogar schon als Filmkulisse herhalten. Auch ein Fotoshooting mit Bewohnern der Behinderteneinrichtung habe es schon gegeben, erinnert sich Klingler.

Seit 37 Jahren arbeitet sie in dem Laden, seit 25 Jahren verantwortet sie ihn. „Durch die aufwendige Dekoration stimmt es die Leute nicht so traurig, wenn sie nichts finden“, sagt Klingler und deutet auf eine gemütliche Sitzecke, die zum Verweilen oder zum Bücherschmökern einlädt. Dabei kommt es äußerst selten vor, dass jemand nichts findet. Preislich geht es bei Oberteilen ab 3 Euro los, Hosen kosten ab 5 Euro. An den vielen Kleiderständern hängen nicht nur Jacken, Hosen, Mäntel und Nachthemden, auch Abendkleider, Fastnachtskostüme, Militärkleidung und Trachten sind dabei. Eine Frankfurter Theatergruppe statte sich hier regelmäßig aus, sagt die 59-Jährige, die jeden dutzt. Überhaupt kämen viele Kunden und Spender von weither.

Heinrich Stockenburg ist mit seiner Frau da. Der Frankfurter arbeitet in Darmstadt und schaue mehrmals die Woche rein, sagt er. Seine Frau brauche immer mal was zum Dekorieren. Dabei bietet der Secondhandshop nicht den üblichen Nippes. „Den bekommt man auch anderswo“, so Klingler. „Ich möchte nicht die Norm, ich möchte etwas Unvergleichliches auf die Beine stellen“, sagt sie.

Das ist ihr gelungen. Zusammen mit zwei Halbtagskräften und vier Mitarbeitern mit Behinderung sortiert, dekoriert, organisiert und verkauft sie die Kleidung, die sich ausschließlich aus Spenden bestückt, die oft persönlich vorbeigebracht werden.

Dabei hat Klingler den Anspruch, dass die Sachen sauber, intakt und kein Ramsch sind. Meistens gehen die Spender selbst noch einmal shoppen. „So entsteht ein Kreislauf“, sagt Klingler. „Der Spender wird zum Käufer.“ Spenden, die nicht verkauft werden können, werden in der Behindertenwerkstatt zu Putzlappen verarbeitet. Der Erlös des Verkaufs kommt der Nieder-Ramstädter Diakonie zu Gute.

Geöffnet ist der Secondhandshop in Nieder-Ramstadt Montag bis Donnerstag von 8 bis 17, freitags bis 16 Uhr. Heute, 23. November, und am 15. Dezember ist „Schoppestund“ bis 19 Uhr. Zufahrt über den Kreisel in der Stiftstraße/Bergstraße, Beschilderung folgen.

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