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Spenden aus ganz Deutschland

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Sabrina Anna Hänsel und Benjamin Nover sorgen am „Sozialen Zaun“ für Ordnung.
Sabrina Anna Hänsel und Benjamin Nover sorgen am „Sozialen Zaun“ für Ordnung. © André Hirtz

Die Stadt verlängert die Sondererlaubnis für das Hilfsprojekt „Sozialer Zaun“ bis Ende Februar. Den Sozialen Zaun gibt es seit Anfang Januar. Dort, in der Altstadtanlage hinter dem Liebighaus, können sich Bedürftige nehmen, was sie sich selbst nicht leisten können. Spenden kommen aus ganz Deutschland.

Eine Daunendecke, vollgepinkelt, gelb-bräunlich, stinkend: Auf diesen Anblick hätte Benjamin Nover gerne verzichtet, doch er blieb ihm nicht erspart. Als der Ehrenamtliche vor Kurzem die Spenden am Sozialen Zaun kontrollierte, kam ihm die Decke entgegen. „Das war ekelhaft“, sagt Nover. Ansonsten ist der ehemalige Obdachlose, auf dessen Initiative der Zaun entstanden ist, sehr zufrieden mit dem Verlauf der ersten vier Wochen.

„Ich bin überwältigt von den Reaktionen“, sagt er. Der Zaun an der Kaplaneigasse werde im öffentlichen Raum gut angenommen. „Wir bekommen sogar Kisten voller Spenden aus ganz Deutschland mit der Post geschickt.“ Auch viele Bürger beteiligen sich, so wie Ilse Jonischeit. Die Griesheimerin bringt am Dienstagmittag Tüten mit Jeans, Pulli, Mütze und Zahnpasta vorbei. „Eine tolle Sache, bei der man mit wenig Aufwand Gutes tun kann.“

Den Sozialen Zaun gibt es seit Anfang Januar. Dort, in der Altstadtanlage hinter dem Liebighaus, können sich Bedürftige nehmen, was sie sich selbst nicht leisten können, darunter Kleidung, Hygieneartikel oder Hundefutter. Bedürftig sind alle, die sich dafür halten, „egal ob Hartz IV-Empfänger, Obdachloser oder Flüchtling“, stellt Nover klar. Randale oder Plünderungen gab es nicht, aber einzelne Beschwerden von Anwohnern wegen Lärm und Müll. „Den Hinweisen der Bürger gehen wir nach“, sagt der städtische Sprecher Daniel Klose. Die Initiatoren Benjamin Nover und Sabrina Anna Hänsel hätten kürzlich mit Mitarbeitern des Ordnungsamts Bilanz gezogen. Ergebnis: Die Sondernutzungserlaubnis wurde bis Ende Februar verlängert, die Auflagen wurden ein wenig verschärft.

Kontrolle alle zwei Stunden

Die Ehrenamtlichen kontrollieren den Zaun nun alle zwei statt bislang alle drei Stunden, auch nachts schaut regelmäßig jemand nach dem Rechten. Die Stadt kontrolliert das Gebiet laut Klose im Rahmen der personellen Möglichkeiten ebenfalls intensiver.

„Außerdem haben wir das Kontrollgebiet erweitert“, erklärt Nover. Haben die Helfer zunächst nur den Zaun selbst und die unmittelbare Umgebung in Ordnung gehalten, so räumen sie nun auch die angrenzende Grünfläche auf. „Es kann ja immer sein, dass der Wind eine Tüte auf den Rasen weht.“ Auch die Tüten werden kontrolliert. „80 Prozent der Spenden sind super“, sagt Nover. Die restlichen 20 Prozent verteilen sich auf zerrissene oder dreckige Kleidung oder Kuriositäten. „Einmal habe ich ein altes Telefon gefunden“, erinnert sich Nover. Auch ein Abendkleid, Make-up und Schminke hätten Leute schon gespendet – Dinge, die am Zaun nicht gebraucht werden. „Hier geht es um Notlinderung“, sagt Nover, der das Projekt weiter entwickeln will.

In naher Zukunft wollen die Verantwortlichen einen Verein gründen. Zum einen, um die Haftung zu verteilen, zum anderen, um auch Geldspenden annehmen zu dürfen. „Die Haken, die Tüten, das kostet ja alles“, sagt Nover. Außerdem wollen sie mit dem Geld Dinge kaufen, die benötigt, aber gerade nicht gespendet werden. Damit es bei Duschgel und Zahnpasta keinen Engpass gibt.

Die Idee „Sozialer Zaun“ hat Kreise gezogen. In Frankfurt und Berlin seien ebenfalls Soziale Zäune nach dem Darmstädter Vorbild geplant. „Dort hängt es noch an den nötigen Genehmigungen“, weiß Nover. Entsprechende Gruppen im Sozialen Netzwerk Facebook gibt es schon, genauso wie für Pfungstadt (Kreis Darmstadt-Dieburg). Und im rheinland-pfälzischen Worms sind Nover und seine Helfer kommende Woche zu einem Gründertreffen eingeladen, um von ihren Erfahrungen zu berichten und Tipps zu geben. (stin)

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