Behinderte in Darmstadt-Dieburg

Visionen für mehr Inklusion

  • schließen

Der Landkreis Darmstadt-Dieburg will erstmals einen Aktionsplan zur Inklusion aufstellen. 120 Vertreter von Kommunen und Institutionen sammeln Ideen.

Inklusion geht uns alle etwas an, nicht erst seit der UN-Behindertenrechtskonvention“, sagte die Sozialdezernentin des Landkreises Darmstadt-Dieburg Rosemarie Lück (SPD) vergangenen Dienstag in Darmstadt. Dort fand die Auftaktveranstaltung zu einem Aktionsplan statt, den der Kreis erarbeiten will, um die Teilhabe von Menschen mit Behinderung an der Gesellschaft voranzutreiben. Etwa 120 Vertreter von Kommunen, Institutionen, Vereinen und Firmen aus Darmstadt und dem Landkreis Darmstadt-Dieburg waren der Einladung des Büros für Migration und Inklusion des Kreises gefolgt. Ihr Ziel: Ideen für mehr Teilhabe zu entwickeln.

„Bei Inklusion denkt jeder zuerst an Bildung“, sagte Projektleiterin Laura Wurzel. Aber der Aktionsplan solle sich auch mit anderen Themenfeldern beschäftigen, die auf dem Inklusionsbericht des Kreises basierten. Sechs Tafeln, im Kreistagssitzungssaal aufgestellt, waren den Bereichen Bildung/Erziehung, Arbeit/Beschäftigung, Kommunikation, Sport/Kultur/Freizeit, Wohnen/Mobilität und Gesundheit zugeordnet. Sie boten viel Platz für die Ideen der Teilnehmer. „Endlich mal die Gelegenheit aktiv etwas zu verändern“, sagte eine Teilnehmerin, die von ihrem Kindergarten entsandt worden war und dort als Integrationskraft arbeitet.

Konzentrieren wolle man sich auf die Dinge, die der Landkreis umsetzen könne, sagte Dezernentin Lück. Als Beispiele für Inhalte wurden Formulare in leichter Sprache, barrierefreie Zugänge zu Ärzten, Fortbildung von Mitarbeitern in leichter Sprache oder auch eine Liste mit inklusiven Sportangeboten im Kreis genannt. „Wir brauchen Visionen, um Inklusion verwirklichen zu können“, sagte Wurzel.

Dabei müssten Maßnahmen nicht unbedingt viel Geld kosten, betonte Lück, die darauf verwies, dass der Kreis rund acht Millionen Euro im Jahr für Teilhabeassistenzen an Schulen ausgebe. Ihr großer Wunsch sei, dass die Schulen stattdessen mit mehr Personal ausgestattet würden. Doch dies zu ändern, liege nicht in der Macht des Kreises. Man müsse schauen, „wo der Kreis Möglichkeiten hat, die nicht auf Landesebene liegen“, sagte Charlotte Kroll, Leiterin des Büros für Migration und Inklusion. Das Credo des Abends: Menschen sind nicht behindert, sie werden behindert und in ihrer Teilhabe eingeschränkt.

Im kommenden Jahr sollen die jetzt gegründeten Arbeitsgruppen drei bis viermal tagen und erarbeiten, welche Möglichkeiten zur Umsetzung es gibt, welche Partner gefunden werden müssen und wie die Menschen für neue Ideen zu motivieren wären.

Der Aktionsplan soll bis Frühjahr 2020 stehen. Dann muss der Kreistag ihn noch beschließen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare