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Dunkle Wolken über dem Georg-Büchner-Platz: Im Staatstheater regiert nun der Rotstift.

Darmstadt

Ein Sparkommissar für das Staatstheater Darmstadt

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Weil ein Defizit von einer Million Euro droht, soll in dem Mehrspartenhaus mit Musik- und Tanztheater, Schauspiel und Konzertwesen das Controlling verbessert werden.

Seit Beginn der neuen Spielzeit wird am Staatstheater Darmstadt der „Abschied von den Helden“ zelebriert. Nach den Premieren von Puccinis Turandot, Shakespeares Othello und Beethovens Fidelio steht heute Abend die erste Aufführung des Büchner-Lustspiels Leonce und Lena auf dem Programm. Am 16. November folgt die Premiere einer Neufassung des Ballettklassikers „Der Nussknacker“ von Tschaikowsky. Auch finanziell müssen derzeit im Theater etliche Nüsse geknackt werden, denn seit drei Wochen gilt in dem Haus am Georg-Büchner-Platz eine interne Haushaltssperre.

Prognosen hatten ergeben, dass das Budget des Staatstheaters, das vom Land Hessen und der Stadt Darmstadt finanziert wird, bis zum Ende des Jahres überschritten wird. Anfang der Woche hatte Corinna Brod, die Leiterin der Abteilung Kommunikation und Marketing des Theaters, aufgrund verschiedener Nachfragen mitgeteilt, der Grund für das prognostizierte Defizit sei „eine Vielzahl einzelner, kleinerer Mehrausgaben in vielen verschiedenen Bereichen des Theaters, nicht die Überziehung der künstlerischen Budgets“. Wie hoch das Defizit sei, konnte Brod zunächst nicht sagen. Inzwischen heißt es, man gehe von einem Fehlbetrag von rund einer Million Euro aus.

Das für die drei Staatstheater in Darmstadt, Wiesbaden und Kassel zuständige Ministerium für Wissenschaft und Kunst teilte auf Anfrage mit, grundsätzlich sei eine interne, zeitlich begrenzte Haushaltssperre „kein ungewöhnlicher Vorgang“. Jeder Theaterbetrieb müsse sich im System von Angebot und Nachfrage zurechtfinden. Bedingt durch die künstlerische Situationen gebe es Schwankungen. Mit Unterstützung des Landes arbeite das Staatstheater daran, die Verwaltung und das Controlling „nachhaltig zu verbessern, um Abweichungen vom Wirtschaftsplan noch früher erkennen und reagieren zu können“. Daran hapert es in Darmstadt offenbar.

Ein Ministeriumssprecher bestätigte der FR, dass ein in Haushaltsfragen versierter leitender Mitarbeiter des Staatstheaters Kassel im Rahmen einer Amtshilfe die Verwaltung des Hauses in Darmstadt bei der Analyse der Budgets und der internen Abläufe derzeit unterstütze. Zuständig für den kaufmännischen Bereich des Hauses ist der Geschäftsführende Direktor Jürgen Pelz, der auch Stellvertreter von Intendant Karsten Wiegand ist, der den künstlerischen Bereich verantwortet.

Träger des Staatstheaters Darmstadt ist das Land Hessen. Die Stadt ist am Betrieb nach Maßgabe des Theatervertrag vom 24. November 1971 in seiner jeweils gültigen Fassung beteiligt. Das Theater wird zu 52 Prozent vom Land und zu 48 Prozent von der Stadt finanziert. In den vergangenen beiden Jahren kamen jeweils gut 25 Millionen Euro vom Land und knapp 18 Millionen Euro von der Stadt Darmstadt. Im nächsten Jahr wird der städtische Anteil sogar noch weiter steigen. Das hat Stadtkämmerer André Schellenberg (CDU) nun während der jüngsten Sitzung der Stadtverordneten in seiner Haushaltsrede angekündigt. „Selbstverständlich erhält auch das Staatstheater mit 700 000 Euro wieder mehr Geld als im laufenden Jahr“, sagte Schellenberg. Der Satz klang etwas ironisch und nicht gerade heldenhaft. Denn noch vor knapp zwei Jahre hatte Oberbürgermeister und Kulturdezernent Jochen Partsch (Grüne) in Verhandlungen mit dem Land – letztlich vergeblich – versucht zu erreichen, dass sich der städtische Zuschuss verringert.

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