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Spardruck auf Ärzte und Kliniken

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Rund vier Milliarden Euro fehlen den gesetzlichen Krankenkassen in diesem Jahr. Wartelisten und verschobene Operationen gehören schon heute in vielen Kliniken und Praxen zum Alltag - auch am Klinikum Darmstadt.

Rund vier Milliarden Euro fehlen den gesetzlichen Krankenkassen in diesem Jahr. Gesundheitsökonomen sind sich einig, dass an einer Kürzung des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) langfristig kein Weg vorbeiführt, eine offene Debatte über das Thema wird aber vermieden.

Wartelisten und verschobene Operationen gehören schon heute in vielen Kliniken und Praxen zum Alltag. "Das sind Themen, die uns schon seit langem beschäftigen", sagt Annekatrin Eilers. Sie ist Patientenfürsprecherin am Klinikum Darmstadt. Zu ihr kommen Patienten, die unzufrieden sind mit Behandlung, Mahlzeiten, Unterbringung oder Personal. Von einer Rationierung medizinischer Leistungen kann sie aber nicht berichten: "Jeder bekommt die Behandlung, die er braucht."

Das ist auch die Einschätzung von Helga Bernhard, ärztliche Direktorin der Onkologie am Klinikum. Viele ihrer Patienten sind auf innovative und teure Medikamente angewiesen. Unabhängig von der Versicherung bekomme jeder Patient das benötigte Medikament, versichert die Ärztin. Anders schätzt die Lage die Gesellschaft für Versicherte und Patienten in Heppenheim ein. "Die Rationierungswelle rollt im gesamten Gesundheitswesen", heißt es in einer Mitteilung. Immer öfter komme es zu Ausgrenzung, Verweigerung und Verschleppung notwendiger Leistungen.

Nicht ganz so drastisch schildert Daniela Hubloher von der Hessischen Verbraucherzentrale die Situation. Sie hat in der Patientenberatung festgestellt, dass es bei Massagen oder Physiotherapien und bei speziellen Medikamenten öfter zu Engpässen kommt. Viele Patienten beschwerten sich über die Rabattverträge zwischen Krankenkassen und Arzneimittelherstellern. Sie bekommen nun nicht mehr ohne weiteres ihre gewohnten Medikamente, denn Ärzte sind gehalten, preisgünstigere Präparate zu verschreiben, meist Nachahmerprodukte. Manche Patienten würden verstärkt über Nebenwirkungen klagen, sagt Hubloher.

Solche Beschwerden kennt auch Apotheker Bruno Leyerer und kritisiert zudem den bürokratischen Aufwand durch die Rabatte. Er muss akribisch kontrollieren, ob seine Mitarbeiter für den jeweiligen Vertrag die richtige Arznei herausgegeben haben.

Von einer Zweiklassenmedizin will Hubloher noch nicht reden. "Wir haben im Großen und Ganzen ein funktionierendes Gesundheitssystem." Allerdings müssten immer mehr Patienten kämpfen, um Leistungen zu erhalten. "Bevor Krankenkassen Reha-Leistungen genehmigen, muss man oft Widerspruch einlegen und viele Argumente sammeln." (hin)

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