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1976 gingen Messeler gegen die Deponie auf die Straße. Nun wird dieser Einsatz gewürdigt.
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1976 gingen Messeler gegen die Deponie auf die Straße. Nun wird dieser Einsatz gewürdigt.

Grube Messel

Späte Anerkennung für Deponie-Gegner

Die Welterbe-Gesellschaft ehrt Bürger, die in den 1970erJahren die Mülldeponie in der Grube Messel verhindert haben.

Einst standen sie auf den Barrikaden, jetzt wurde ihr Engagement noch einmal offiziell gewürdigt. Engagierten Bürgern ist es zu verdanken, dass aus der Fossilienfundstätte Grube Messel mit dem Ende des Ölschieferabbaus in den 70er Jahren keine Mülldeponie, sondern ein Unesco-Weltnaturerbe wurde.

Mit einem Festakt zum 15. Jahrestag der Aufnahme der Grube in die Liste der Unesco-Stätten ehrte die Welterbe-Gesellschaft gestern die Kläger gegen die Müllverfüllung. „Heute vor 15 Jahren ist die Grube Messel ein Teil der Unesco-Gemeinschaft geworden“, und daraus ergäben sich „auch Verantwortung und Verpflichtung“, sagte Geschäftsführerin Marie-Luise Frey. Die Kläger hätten „mit bewundernswerter Courage und Beharrlichkeit Zeichen gesetzt und Spuren geschaffen“.

Welterbe-Aufsichtsratsvorsitzender Gerd Mangel zeichnete zahlreiche der ehemaligen Kläger „für ihr verdienstvolles Bürgerengagement“ mit Urkunden und Ehrenkarten aus, die ihnen lebenslang einen kostenlosen Zugang zum Besucherzentrum gewähren.

Hohe Kosten für Anwälte

Es sei „nicht auszudenken, hätte man die in der Grube Messel erhaltenen Zeugen der Vergangenheit damals unter dem Wohlstandsmüll begraben“, würdigte Messels erste Beigeordnete Adolfine Cohausz (CDU) die Verdienste der Kläger.

Im Vorfeld hatte es Unstimmigkeiten zwischen Bürgern und Welterbegemeinschaft gegeben. Die Mitglieder der früheren Bürgerinitiative gegen die Mülldeponie fühlen sich im neuen Besucherinformationszentrum nicht ausreichend repräsentiert, waren zur Eröffnungsfeier im August nicht eingeladen worden und empfinden den im Zentrum gezeigten Film als nicht authentisch.

Als eine „Geste, die aber auf keinen Fall ausreicht“, sehen die ehemaligen BI-Mitglieder die Ehrenkarten. Karl Wenchel, Messeler Urgestein und über viele Jahre im Kampf gegen die Müllverfüllung der Grube engagiert, sagte, die Wiedergutmachung sei der Welterbe-Gesellschaft „zu spät eingefallen“.

Er nehme es hin, „dass wir auf die Schulter geklopft bekommen“, wolle aber deswegen keinen Unfrieden mehr. Wenchel bemängelt aber, dass die Feierstunde kurzfristig und von 11 bis 14 Uhr angesetzt worden sei, wenn „normale Menschen arbeiten müssen“. Geschäftsführerin Marie-Luise Frey entschuldigte die kurzfristige Einladung mit schwieriger Adressermittlung.

Insgesamt 197 000 Mark hatten die Privatkläger, weitere 400?000 Mark die Gemeinde Messel in den 70er Jahren für Rechtsanwälte und Gerichtskosten aufgebracht. Harald Tegel (71) und seine Frau, damals Einwohner des Ortsteils Grube Messel, mussten 6000 Mark beisteuern, nachdem den vom Gericht abgewiesenen Klägern auch die Anwaltskosten der Gegenpartei auferlegt worden waren. „Das war schon allerhand, denn wir hatten 1975 gerade ein Haus gekauft“, sagt der frühere Rektor der Messeler Grundschule. Zwar habe die Gemeinde einen Teil der Kosten später erstattet, „doch 4200 Mark mussten wir noch jahrelang in kleinen Monatsraten abstottern“.

Ihm sei es damals vor allem um die drohende Belastung des Grundwassers durch eine Deponie gegangen, erinnert sich Klaus Walter (76). „Ich hatte 1970 auf einem Feuerwehr-Lehrgang viel über Umweltverunreinigung gelernt und bei einer Bürgerversammlung mit dem damaligen Gutachter gesprochen. Klar, dass ich mich den Protesten angeschlossen habe.“ Dass sein Engagement gegen den Müll etwa 3000 Mark kostete, „das nehme ich so hin. Und das war es ja auch wert“.( eda/tim)

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