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Prävention im Wohnzimmer

Sozialdienst begrüßt alle Neugeborenen

Seit April besucht der städtische Sozialdienst jedes Kind, das in Darmstadt geboren wird. Die Mitarbeiterinnen bringen Informationen, ein offenes Ohr für Fragen und einen Strampelanzug.

Von Anne-Sophie Lang

Alle sind sie seinetwegen da, aber Emilian interessiert das gar nicht. Dass da jemand kommt, um ihn in Darmstadt zu begrüßen, lässt den Kleinen mit dem rotblonden Schopf kalt. Emilian, geboren im April, hängt glücklich bäuchlings auf dem Arm seiner Mama. "Die Fliegerstellung", erklärt Desirée Repp. Die möge er am liebsten. "Nur mir fallen da irgendwann fast die Arme ab", sagt sie und lacht.

Die 30-Jährige musste sich auf eine Menge anstrengender Veränderungen einstellen. Emilian ist ihr erstes Kind. Ihre Besucherin möchte ihr den Start erleichtern: Regina Stadtmüller, Sozialpädagogin beim städtischen Sozialdienst, sitzt am Wohnzimmertisch der Familie Repp, vor sich einen dicken Ordner. Seit Mitte April besuchen sie und ihre beiden Kolleginnen Anja Stenzhorn und Beate Voigt-Alix jedes Kind, das in Darmstadt geboren wird 20 bis 30 Babys pro Woche, mal 20 Minuten, mal eine Stunde.

Dabei haben sie den Ordner mit nützlichen Informationen, ein offenes Ohr für Fragen und einen Strampelanzug, beige und aus Bio-Baumwolle. Bei Verständigungsschwierigkeiten kommt ein Dolmetscher vom Migrationsdienst mit.

"Kinder schützen Familien fördern" nennt sich der neue Begrüßungsservice der Stadt, der auch helfen soll, frühzeitig Probleme zu erkennen und anzugehen. Das spare der Stadt Geld, meint Sozialdezernent Jochen Partsch (Grüne): "Prävention rentiert sich." Deshalb können die Sozialarbeiterinnen den Familien niederschwellige Hilfen anbieten. "Ganz ad hoc", sagt Regina Stadtmüller, "wo Hilfe nötig ist, ist am nächsten Tag jemand da" etwa eine Kinderkrankenschwester.

500 Euro stellt die Stadt pro Familie für diese Unterstützung zur Verfügung. Wenn das nicht reicht und sie das Wohl eines Kindes gefährdet sehen, schalten die Sozialarbeiterinnen das Jugendamt ein. Das leitet dann seine üblichen Schutzmaßnahmen ein im äußersten Fall eine Inobhutnahme des Kindes.

Stadtmüllers Besuch kann aber auch helfen, wenn alles in Ordnung ist. "Für mich waren die Kitas immer ein Riesenfragezeichen", sagt Desirée Repp. "Es gibt so viele. Was ist da das Richtige für mein Kind?" Die Betreuung sei ein häufiges Thema, sagt Stadtmüller. Sie ist auch nach dem Besuch noch für die Eltern da. Oft nützen aber schon die Infos aus dem Ordner, etwa über die Entwicklung eines Kindes, über Hilfsangebote der Stadt, über Elterngruppen. Anträge auf Kindergeld bringen die Mitarbeiterinnen mit und eine Liste mit Notrufnummern samt Magnet in Hundeform.

"Kommt direkt an den Kühlschrank", sagt Desirée Repp. Sie ist begeistert vom städtischen Besuchsservice. "Gerade, wenn alles neu ist, hilft es enorm, einen Ansprechpartner zu haben." Manches klappt ganz ohne Hilfe: Emilian hat inzwischen genug vom Fliegen und schlummert friedlich in seiner Wiege.

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