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Sonnenstrom vom See

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Solarzellen auf dem Wasser.
Solarzellen auf dem Wasser. © Hardt KG

Solarstrom vom Dach haben schon viele, schwimmende Sonnenkollektoren auf einem See sind noch etwas Besonderes. Aus dem Kiessee zwischen Babenhausen und Rodgau-Dudenhofen soll noch in diesem Jahr ein riesiger Solarsee werden.

Solarstrom vom Dach haben schon viele, schwimmende Sonnenkollektoren auf einem See sind noch etwas Besonderes. Aus dem Kiessee der Hardt KG zwischen Babenhausen und Rodgau-Dudenhofen (Kreis Offenbach) soll noch in diesem Jahr ein riesiger Solarsee werden.

"Dieses Projekt ist in dieser Größenordnung einzigartig", sagt Andreas Bludau, Mitglied der Geschäftsleitung der Hardt KG. Er hat recherchiert, dass es bislang nur einen Weinbauern in Kalifornien gibt, der eine ähnliche, ebenfalls schwimmende aber deutlich kleinere Anlage betreibt. Die Investitionen im zweistelligen Millionenbereich werden sich aber erst in einiger Zeit rechnen. "Bei Photovoltaikanlagen auf Dächern geht man von zehn bis elf Jahren aus, bei uns verschiebt sich das natürlich ein bisschen aufgrund der größeren Investitionssumme", sagt Bludau.

Parlament macht den Weg frei

Am Donnerstagabend hat das Babenhäuser Parlament bereits seine Zustimmung zur notwendigen Änderung des Flächennutzungsplans gegeben, bis Mai soll Baurecht geschaffen sein. Die Bauzeit beträgt laut Bludau etwa zwei bis drei Monate. Im Herbst könnte die Anlage also schon Strom produzieren - und damit etwa 5000 Tonnen CO2 pro Jahr gegenüber konventioneller Stromerzeugung sparen.

Da im See, in dem seit 1960 Kies abgebaut wurde, die Vorkommen erschöpft sind, stellte sich für die Familie Hardt die Frage nach der künftigen Nutzung. Bludau hat sich schlau gemacht und fand schließlich einen Hersteller für Photovoltaikanlagen in Ludwigshafen, der von der Idee begeistert war. Er wird auch Teilhaber der Projektgesellschaft, die eigens für den Solarsee gegründet wird.

Die Anlangen haben laut Bludau "in alle Richtungen positive Effekte". Da die Module auf dem Wasser schwimmen, werden sie durch die verdunstende Flüssigkeit gekühlt. "Bei Anlagen auf Dächern lässt der Wirkungsgrad durch die Erhitzung nach", erklärt er. In der Regel kommen solche Anlagen im Jahresschnitt auf eine Effizienz von 70 Prozent, während der Solarsee 90 Prozent bringen soll. Durch das vom Wasser reflektierte Licht ergibt sich zudem ein positiver Effekt für die Lichtsammlung.

Auch für die Natur sei die Anlage nicht schädlich, sondern sogar nützlich. Durch die Verschattung des Wassers werden Erwärmung und Verdunstung reduziert. Das wiederum reduziert Algenbildung und Absenkung des Grundwasserspiegels. Zudem werden durch die Anlage die Uferzonen nicht in Anspruch genommen, da die Pontons etwa 20 bis 50 Meter Abstand haben. Das beeinträchtige die Brutvögel nicht, sagte Naturschützer und Grünen-Fraktionsvorsitzender Frank Ludwig Diehl im Parlament.

Die Module haben eine Höhe von 1,30 Meter, die Mindestwassertiefe darunter beträgt vier Meter, um Flora und Fauna nicht zu stören. "Uns war von Anfang an klar, dass das nur funktionieren kann, wenn Natur- und Wasserschutz mitspielen", sagt Bludau. Das Projekt soll deshalb auch wissenschaftlich dokumentiert werden. (bach)

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