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Sinnvoll, aber teuer

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Eine Shuttle-Lösung zum Frankfurter Airport könnte die Stadt Darmstadt bis zu 921.000 Euro im Jahr kosten

In der Diskussion um einen ICE-Anschluss Darmstadts kristallisiert sich nun eine Shuttle-Lösung heraus. Die Hochgeschwindigkeitszüge auf der Neubaustrecke Rhein-Main/Rhein-Neckar würden dann an der Stadt vorbeibrausen. Der Hauptbahnhof würde durch eine Zubringerverbindung an den Fernbahnhof am Frankfurter Flughafen angebunden. Darmstadt hätte damit mittelbar Anschluss ans ICE-Netz.

Das Münchner Verkehrsberatungsunternehmen Intraplan hat in einer Machbarkeitsstudie ein Shuttle vom Wiesbadener Hauptbahnhof über den Flughafen und Darmstadt zur Main-Neckar-Bahn untersucht. Auftraggeber waren der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV), die Darmstadt-Dieburger Nahverkehrsorganisation, die Stadt Darmstadt, der Kreis Bergstraße und die Verkehrsgesellschaft Wiesbaden.

Die Verkehrsexperten kommen in ihrem im Mai 2009 vorgelegten und bisher unveröffentlichten Abschlussbericht zur Einschätzung, „dass mit einer direkten Schienenanbindung von Darmstadt und Wiesbaden an den Frankfurter Flughafen hohe gesamtwirtschaftliche Nutzenüberschüsse erzielt werden können, die aber mit erheblichen Folgekosten für den RMV und die anliegenden Gebietskörperschaften (...) verbunden wären“. Es könne geprüft werden, ob wegen des übergeordneten Interesses an einer guten Flughafenanbindung eine Mitfinanzierung der Folgekosten durch das Land denkbar wäre.

Basierend auf einer RMV-Erhebung von 2004 hätte ein Airport-Shuttle ab Darmstadt mehr als 1000 Fahrgäste täglich. Allerdings steigt der Verkehr in Flughafennähe wegen dessen Ausbaus laut Unterlagen zum Planfeststellungsverfahren bis 2020 um 60 Prozent. Daher sei ein wesentlich höheres Aufkommen zu erwarten, schreibt Intraplan.

Die Verkehrsberater gehen von einer stündlichen Verbindung des Airport-Shuttles zwischen Darmstädter Hauptbahnhof und Fernbahnhof Flughafen aus. Um Eigenkonkurrenz zu verhindern, schlagen sie vor, dass der Airliner-Bus dann nur noch im Stundentakt zwischen Hauptbahnhof und dem südlich gelegenen, im Bau befindlichen Terminal 3 des Flughafens verkehrt.

Baukosten von 26,3 Millionen

Als jährliche Betriebskosten ermittelten die Ingenieure von Intraplan für den Airport-Shuttle 5,6 Millionen Euro. Zieht man die Erlöse ab, bleibt ein Defizit von knapp 4,3 Millionen Euro. Die Hälfte hätte der RMV zu tragen, den Rest die beteiligten Städte Frankfurt (je nach gewähltem Verteilungsschlüssel 1,263 oder 1,22 Millionen) und Darmstadt (878?000/921?000 Euro). Einem investierten Euro steht laut Intraplan allerdings ein Nutzen von 5,30 Euro gegenüber.

Die Baukosten bezifferte der Vorstandsvorsitzende der DB Netz AG, Oliver Kraft, in einem Schreiben an Oberbürgermeister Walter Hoffmann (SPD) auf 26,3 Millionen Euro und stellte in Aussicht, dass die Bahn diese wegen der überregionalen Bedeutung übernehmen könnte. Ob in dieser Summe die am Fernbahnhof Flughafen nötige Wendeschleife für den Airport-Shuttle – Intraplan beziffert deren Kosten auf 1,7 Millionen Euro – enthalten ist, ist unklar.

Werde der Airport-Shuttle nach Wiesbaden fortgeführt, entfällt die Wendeschleife am Flughafen und der Betriebskostenanteil Darmstadts reduziere sich auf 472?000/661?000 Euro pro Jahr.

Bleibt für Darmstadt angesichts seiner desolaten finanziellen Lage die Frage, wie die Betriebskosten eines Airport-Shuttles aufgebracht werden sollen. Noch geben sich Kommunalpolitiker der Hoffnung hin, dass die Deutsche Bahn, die beim Verzicht auf einen Fernbahnhof und die teure Tunnellösungen bei einer Bypass-Variante viel Geld sparen würde, sich stattdessen an den Betriebskosten beteiligt. (ryp)

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