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Sherlocks Erben

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Von: Jutta Rippegather

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Hauptkommissar Bernd Ding mit seiner Speziallampe.
Hauptkommissar Bernd Ding mit seiner Speziallampe. © Alex Kraus

Die Ermittler der Darmstädter Spurensicherung sind die besten im Land - und so erfolgreich, dass sie schon zum zweiten Mal mit der "Goldenen Lupe" ausgezeichnet wurde. Von Jutta Rippegather

Jetzt, in der dunklen Jahreszeit, haben Wohnungseinbrecher Hochsaison. Ihre Opfer sind Leute wie die Frau und die beiden Männer, die nun im Gang des Polizeipräsidiums sitzen und warten. Erst haben die Ermittler mit Rußpinsel in ihrer Wohnung Spuren gesichert. Jetzt benötigen sie zum Abgleich die Fingerabdrücke der drei. "Die werden nur verglichen und nicht gespeichert", versichert Manfred Wohlfahrt.

Der Erste Kriminalhauptkommissar leitet den Erkennungsdienst im Polizeipräsidium Südhessen. Und der arbeitet so erfolgreich, dass er am Montag schon zum zweiten Mal mit der "Goldenen Lupe" ausgezeichnet wurde. Wie einst Sherlock Holmes spüren die Beamten verräterische Spuren auf, um Täter zu überführen. Die Lupe ist freilich längst nicht mehr das Haupt-Werkzeug. Computer und anderes technisches Gerät unterstützen die Fahnder im Alltag ganz wesentlich. Auch die Fingerabdrücke werden nicht mehr wie früher per Stempelkissen abgenommen, sondern elektronisch gescannt.

Positiver Nebeneffekt: Die Finger bleiben sauber. Hinweise auf Sperma, Speichel, Schweiß - das sind die Spuren, die zum Täter führen. Mit dem bloßen Auge sind sie selten zu sehen. Wohl aber mit hochprofessionellen Stablampen und den dazugehörigen getönten Brillen. Jeder Gegenstand am Tatort könnte wichtig sein: der Ring, die Patronenhülse, die Handtaschen oder das gebrauchte Kondom. Alles wird fotografiert, aufgesammelt, der exakte Fundort dokumentiert.

Nicht selten ist die Spurensuche unappetitlich. Etwa wenn die schon abgelöste Fingerhaut einer tagelang unter der Erde gelegenen Leiche untersucht werden muss, um ihre Identität festzustellen. Oder wenn die Entlüftungsanlage der Schränke streikt, in denen feuchte Kleidungsstücke von Opfern getrocknet werden. "Dann stinkt es bis raus auf den Gang", sagt Wohlfahrt.

Sein Team hat nach der tödlichen Schießerei in der Rüsselsheimer Eisdiele ermittelt und nach dem Tod einer Studentin in Darmstadt. Drei Tage haben die Polizisten Munition aufgestöbert und entschärft, bevor das Wohnhaus in Viernheim wieder begehbar war, in dem sich im Sommer ein Mann verschanzt hatte. Vergewaltigungen, Drogendelikte, Raubüberfälle - fast immer lässt der Täter verräterische Spuren zurück. Das muss nicht nur DNA sein.

Auch der Vergleich von Fußabdrücken führt die Polizei oft zum Erfolg. "Mehr als 3000 Vorgänge pro Jahr gehen über meinen Tisch", sagt Wohlfahrt. Im Büro liegen eingetütete Turnschuhe und Geldkassetten. Daneben steht ein hölzerner Kinderstuhl, auf dessen Sitzfläche der Täter getreten sein soll. Wohlfart blättert in einem Ordner mit Fotos und erzählt, dass selbst moderne Waffen Schmauchspuren hinterlassen. Ein anderes Bild zeigt, wie mit Hilfe von Chemikalien weggefeilte Seriennummern wieder sichtbar gemacht werden.

Die goldene Lupe, die demnächst wieder in der Vitrine liegen wird, ist also nur ein Symbol Für die vielen Werkzeuge, mit denen die Beamten im ersten Stock des Polizeipräsidiums am Rande Darmstadts arbeiten. Die Frau und die beiden Männern haben inzwischen ihre Fingerabdrücke abgegeben. Und schon kündigt der Pförtner zwei weitere Einbruchs-Opfer an.

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