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Senioren haben Wahl entschieden

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Jochen Partsch punktet als OB-Kandidat vor allem in der Altersgruppe über 60 und bei Frauen.
Jochen Partsch punktet als OB-Kandidat vor allem in der Altersgruppe über 60 und bei Frauen. © dpa

Jochen Partsch von den Grünen punktet als OB-Kandidat vor allem in der Altersgruppe über 60 und bei Frauen.

Vor allem Frauen haben Jochen Partsch (Grüne) zum Oberbürgermeister gewählt. Diese und andere Tendenzen, die schon in der ersten Runde der Wahl am 27. März deutlich wurden, haben sich bei der Stichwahl am 10. April bestätigt. Partsch hatte mit 69,1 der Stimmen Walter Hoffmann (SPD) weit hinter sich gelassen; der Amtsinhaber erreichte nur 30,9 Prozent. In der ersten Runde, als sechs Bewerber zur Wahl standen, war Partsch auf 37,4 und Hoffmann auf 29 Prozent gekommen.

Der städtische Statistiker Günther Bachmann hat die Ergebnisse analysiert. Demnach hatte Partsch nicht nur die Sympathien von Frauen, ihm flossen auch erneut überproportional die Stimmen junger Familien und gut bis hoch qualifizierter Arbeitnehmer zu. Doch am überraschendsten war, dass Partsch auch die Mehrheit der Senioren auf seiner Seite hatte. Lag sein Stimmenanteil in der Altersgruppe „60 und älter“ in der ersten Runde noch lediglich bei 21,5 Prozent, so gab ihm in der Stichwahl mehr als jeder Zweite (55,7 Prozent) seine Stimme.

Immer mehr grüne Inseln

Dass Partsch bei den Senioren so stark punktete und Hoffmann verlor, bezeichnete Bachmann gestern als „mittlere Sensation“. Gerade die Älteren zählten nach seinen Worten bisher zum Stammklientel von CDU und SPD.

Die Relevanz dieser Altersgruppe ergibt sich bereits beim Blick auf die Wahlbeteiligung (durchschnittlich 38,2 Prozent). Bei den Jungwählern (18 bis 24 Jahre) waren nur 26 Prozent wählen. Dieser Anteil stieg mit dem Alter über 27,6 Prozent (25 bis 34 Jahre alt), 36,4 (35 bis 44) und 41,6 (45 bis 59) auf den Spitzenwert von 45,9 Prozent in der Gruppe „60 und älter“. „Die Leute ab 60 sind am wichtigsten, denn die gehen wählen“, bilanzierte Bachmann.

Zusammenfassend nannte der Statistiker zwei Gründe für den Sieg der Grünen bei Kommunal- und Oberbürgermeisterwahl: „Die Leute hatte genug von der SPD, und Partsch und die Grünen waren mental näher an den Wählern.“ Der soziostrukturelle Wandel Darmstadts – Niedergang der Druckindustrie, Hinwendung zur Wissenschaftsstadt und zur Dienstleistung – habe sich über die Jahre immer stärker zugunsten der Grünen ausgewirkt.

Bachmann erläuterte den Wandel anhand von politisch eingefärbten Stadtkarten. Noch bei der Bundestagswahl 1998 ist der Westen tief rot (SPD), das Villenviertel und der Südosten schwarz (CDU), Eberstadt zweigeteilt – „von Grün keine Spur“.

Bei der Kommunalwahl 2006 zeigen sich erste grüne Inseln um den Rhönring, die sich immer mehr vergrößern und Ableger bilden. „Junge Menschen und Familien kaufen sich in anderen Stadtteilen Wohneigentum und nehmen ihr grünes Herz mit“, lautet Bachmanns Interpretation.

So sei die Heimstättensiedlung einst Arbeitersiedlung und viele Jahre eine SPD-Hochburg gewesen. Doch durch das Neubaugebiet Ernst-Ludwig-Park habe sich die soziale Struktur verändert. Gerade junge, gut qualifizierte Eltern vergrößerten das Potenzial der Grünen. Daher sei es kein Wunder, dass auch die Heimstätte mittlerweile an die Grünen gefallen ist. (ryp)

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