Darmstadt-Dieburg

Senio-Verband steht vor Auflösung

Senio-Immobilien könnten an das Da-Di-Werk verkauft werden. Der seiner Zwecke entledigte Verband könnte dann aufgelöst werden.

Die „Gersprenz gGmbH“ soll in einen „Gesundheitskonzern“ mit den Kreiskliniken übertragen, die Altenpflegeschule mit der Krankenpflegeschule des Landkreises Darmstadt-Dieburg zusammengefasst und vom Landkreis weiter betrieben werden. Das ist Inhalt eines Strategiepapiers, das der alte Vorstand bei der konstituierenden Sitzung der Senio-Verbandsversammlung vorgelegt hat. Demnach könnten Senio-Immobilien an das Da-Di-Werk verkauft, der seiner Zwecke entledigte Verband dann aufgelöst werden.

Ex-Vorstandschef Joachim Ruppert, Bürgermeister von Groß-Umstadt, trug diese Vorschläge vor und begründete sie auch damit, dass die Mühlen der Politik relativ langsam mahlen und ein Hemmnis für die Weiterentwicklung des Dienstleisters in der Altenpflege sind. Außerdem zeige die „Gersprenz“ seit 2009 „erfreulich stabile Ergebnisse“. Dies sei nicht zuletzt Verdienst des Geschäftsführers Hubert Keiber, der das Unternehmen aber auf eigenen Wunsch zum Jahresende verlässt.

Die Gründung der öffentlich-rechtlichen „Gersprenz“ sei 1996 angemessen gewesen, da es im Osten des Landkreises Darmstadt-Dieburg einen Mangel an stationären Pflegeplätzen gegeben habe, stellte Ruppert rückblickend fest. Ebenso sei es richtig gewesen, das „durch ein kaufmännisch nicht vorteilhaftes Management“ in erhebliche wirtschaftliche Schwierigkeiten geratene Unternehmen 2003 durch einen Zweckverband, Senio, aufzufangen. Dem gehören Fischbachtal, Groß-Bieberau, Groß-Zimmern, Groß-Umstadt, Otzberg, Reinheim, Münster und Eppertshausen sowie des Kreises an. Senio übernahm sämtliche Immobilien und machte die „Gersprenz“ zu einem reinen Dienstleister. Inzwischen habe sich die „Pflegelandschaft“ im Osten des Landkreises verändert, es gebe eher ein Überangebot an stationären Plätzen. Damit werde die „Gersprenz“ jedoch nicht überflüssig, sondern zum Vorreiter für neue Formen der Seniorenpflege, an die sich private Investoren nur zögerlich heranwagten.

Geringe politische Akzeptanz

Die stabile wirtschaftliche Lage des Unternehmens, neue Aufgaben in einem veränderten Umfeld, aber auch die geringe politische Akzeptanz des Verbands – aus dem Eppertshausen ausscheiden will und dessen Auflösung der Kreistag bereits beschlossen hat – seien Gründe, „das Verbandskonstrukt offen und ehrlich einer Lösung – konkret auch bis hin zur Auflösung – zuzuführen“. Und: „Der Bewegungsspielraum der Gersprenz ist derzeit unternehmerisch zu eingeschränkt. Die alleinige Fokussierung auf Projekte im Gebiet der Verbandskommunen ist zu einengend. Entscheidungswege für neue Engagements sind kompliziert und zu langwierig.“

Das liest sich wie ein Echo auf Äußerungen, die Keiber unlängst gemacht hat, und verweist auf das von Landrat Klaus Peter Schellhaas in seinem „Gesundheitspapier“ beschriebene, vom Kreistag noch nicht beschlossenen Konstrukt eines kreiseigenen Gesundheitskonzerns, in den das Unternehmen integriert werden könnte. So wird es als Zielvorstellung im Strategiepapier formuliert: Die Gersprenz ist in einen Dienstleistungsverbund mit den Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg zu überführen beziehungsweise zu integrieren.“ Dabei soll die Altenpflege ihre Eigenverantwortlichkeit behalten.

Die vom Verband betriebene Altenpflegeschule soll dem Plan zufolge erhalten bleiben. Allerdings soll sie „so weit als möglich mit der Krankenpflegeschule der Kreiskliniken zusammengeführt werden.“ Schulträger wird der Landkreis.“ (hol)

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