1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Darmstadt

Selbermachen statt kaufen

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Viel Auswahl beim Stoffmarkt.
Viel Auswahl beim Stoffmarkt. © Claus Völker

Großer Andrang auf dem Stoffmarkt / Immer mehr nähen selbst.

Kleider machen Leute. Aber auch immer mehr Leute machen Kleider. Dass Mode selber machen in Mode ist, zeigt ein Rundgang über den Deutsch-Holländischen Stoff- und Tuchmarkt des Essener Veranstalters Expo Concept, der am Samstag in Darmstadt gastierte.

Samt, Seide und Filz

Mutiert der modebewusste Darmstädter wieder selbst zum tapferen Schneiderlein? Der große Zulauf beim Stoff- und Tuchmarkt legt diese Schlüsse nahe. Rund einhundert Händler beschicken, gelotst vom Organisator, Märkte in ganz Deutschland – nach Gießen und Kaiserslautern machte der Textilverkauf in Darmstadt Station. Trotz wenig frühlingshafter Bedingungen tummeln sich um die Mittagszeit reichlich kreative Köpfe in den Gängen.

Die sind gesäumt von rollenweise Baumwolle, Leinen, Lycra und Joggingsweat. Schneiderglück als Meterware. Auch Nylon, beschichtete Baumwolle oder Wachstuch sind in allen Farben zu haben, samt Samt, Seide und Filz. Dazu Reißverschlüsse, Knöpfe und Perlen, aber auch Ledergürtel und Ohrringe.

„Nur ab und zu“ fertige sie ihre Kleidung eigenhändig, sagt Antonette Illek, die gerade auf dem Stoffmarkt eingekauft hat, der Rest werde gekauft. Nun habe sie aber extra ihre Nähmaschine reparieren lassen, um sich für die warme Jahreszeit ein paar Sommerkleider zu schneidern. Den blau gemusterten Stoff dafür hat sie bereits ausgesucht. „Ich fange erst wieder an mit dem Nähen“, sagt sie, „deshalb ist der Markt für mich natürlich optimal.“

Für das nächste Mal würde sie sich „noch mehr moderne Sachen“ wünschen, da viel Raum von Stoffen für Kinder eingenommen werde. In der Tat sind quietschbunte Muster mit Küken oder Raketen kaum zu übersehen, viele Mütter mit Kinderwagen bahnen sich den Weg durch Bahnen von Stoff.

Julia Ziegler ist zwar ohne den Nachwuchs gekommen, zu ihren Projekten gehören neben Taschen aber auch Kindersachen, wie sie sagt. Kleidung selbst zu machen, sei „auf jeden Fall angesagt“, befindet sie, und ihre Begleitung Ruth Mühlinghaus pflichtet ihr bei. Die beiden gehören zu den geübteren Stoffkünstlerinnen und tauschen sich gern aus. „Auch im Internet findet man ja sehr viele Ideen“, sagen die beiden.

Blog zu dem Thema

Julia Ziegler betreibt sogar ein kleines Blog über ihr Hobby. Am Stoffmarkt auf dem Friedensplatz schätzen Julia Ziegler und Ruth Mühlinghaus vor allem die trotz große Auswahl auf relativ kleinem Raum: „Es gibt Hochwertiges, aber auch günstige Stoffe.“ Während die meisten männlichen Besucher eher den Eindruck machen, sie seien zum Tütentragen verdonnert worden, ist die Rollenverteilung bei Marcus Hubl und Sophia Schäfer eine andere. „Ich bin eher die Einsteigerin, mache kleine Taschen, Kissenbezüge oder Geschenke“, erzählt Sophia Schäfer.

Marcus Hubl hat dagegen schon mehr Erfahrung, trägt einen selbstgemachten Pullover und eine Weste. „Das nächste Projekt wird ein Hemd“, berichtet der Architekturstudent. Auch für die beiden ist Selbermachen „in“, Hubl sagt: „Man hat ein wenig mehr Individualität und muss Kommerz und Billigmode nicht unterstützen.“

Das mit der Nachhaltigkeit sei indes nicht so einfach: „Wenn man hier billige Stoffe kauft, ist es auch nicht sehr nachhaltig“, meint er, „aber Selbermachen ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung. Und besser als Kinderarbeit.“ (eda)

Auch interessant

Kommentare