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Schwatz beim Ebbelwoi

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Mindestens an zwei Tagen pro Woche sind die Stände aufgebaut.
Mindestens an zwei Tagen pro Woche sind die Stände aufgebaut. © Roman Grösser

Eine neues Konzept und regionale Produkte sollen dem Wochenmarkt auf die Sprünge helfen.

"Des mache mir schunn seit fuffzich Joahr", murmelte eine alte Griesheimerin gestern, nachdem Dierk Molter stolz verkündet hatte, der Darmstädter Wochenmarkt werde als grüner Markt sein Angebot künftig auf regionale Produkte ausrichten. Ist der neue Markt, den Molter als zuständiger Stadtrat eröffnete, also ein alter Hut? Nein, auch wenn der neue Markt am Mittwoch zunächst mal so aussah wie sonst am Samstag, nur mit weniger Kundschaft.

Drei Monate wird getestet

"Es weiß halt noch keiner", hieß es ringsum an den Ständen: dass nämlich der Mittwoch nun "neben dem Samstag der zweite Hauptmarkttag ist", wie Molter erläuterte. Das gelte zunächst mal für drei Monate. Doch der Stadtrat und Gerhard Wolf, Sprecher der Marktbeschicker, hoffen, dass der neue Markt am Schloss dauerhaft angenommen wird. Zwölf Monate lang war zuvor an einem Runden Tisch diskutiert worden; im April beschloss das Stadtparlament das neue Konzept.

Samstags, so Molter, seien in der warmen Jahreszeit regelmäßig rund dreißig Stände auf dem Markt; 22 Beschicker hätten sich jetzt verpflichtet, regelmäßig auch mittwochs zu kommen. Wer an mindestens 26 Mittwochen im Jahr präsent ist, erhält bei den Standgebühren einen Nachlass von zwanzig Prozent.

Auf den Markt am Schloss weisen schmucke Schilder hin, deren orange-grüne Streifen an eine Markise erinnern. Außerdem dürfen die Marktleute nun Getränke und Essen zum sofortigen Verzehr anbieten, wenn die Waren aus eigenen Produkten bestehen. Die Darmstädter, so Molter, "treffen sich dann hier zum Schwätzchen beim Ebbelwoi."

Bei den Marktfrauen hielten sich gestern leichte Skepsis und vorsichtiger Optimismus die Waage. "Man muss es probieren", war die überwiegende Meinung, obwohl "es in anderen Städten schon immer deutlich besser läuft", wie "Käsemaus" Ursel Friedemann sagt.

An der Atmosphäre des Orts kann die Zurückhaltung der Darmstädter nicht liegen. Molter rühmte das prachtvolle Schloss, Blumen und Bänke auf dem Markt, das frisch renovierte Alte Rathaus, an dessen Fassade schon die Geranienkästen hängen, und Ende des Monats soll auch der Marktbrunnen wieder plätschern. Zudem kommen neue Fahrradständer. "Aber Darmstadt ist eben eine Beamtenstadt", sinniert die Griesheimerin Anni Schupp. "Und Schüler und Studenten, die kaufen auch nicht auf dem Markt."

Marktleute sind skeptisch

Warum haben aber die Stadtteilmärkte so großen Erfolg? Der Bauer, der freitags in der Orangerie steht, bedient mit fünf Helferinnen, und dennoch warten die Kunden im Schnitt zwanzig Minuten. Davon kann man auf dem Markt am Schloss bislang nur träumen.

Inge Bock bietet ihr Gemüse montags, dienstags, mittwochs und samstags feil, "für mich ändert sich nichts". Nur dass eben am Mittwoch jetzt mehr Kollegen da sind. "Das freut die Kunden schon, es gibt ja auch Leute, die am Samstag arbeiten müssen, die konnten den Markt bisher nie nutzen." (ers)

Haupthandelstage des Markts am Schloss sind künftig Mittwoch und Samstag von 8 bis 14 Uhr. Marktbeschicker können auch an den anderen Tagen ihre Waren feilhalten. Das neue Konzept wird am Samstag, 12. Juni, noch mal gefeiert - mit besonderen Angeboten, Gemüsetombola und Musikzug.

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